Antibiotika im Stall

Verschärfung des Arzneimittelgesetzes soll Einhalt gebieten

Mit einer Verschärfung des Antibiotikarechts will Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner dafür sorgen, dass der Einsatz von Antibiotika in der Tiermast künftig begrenzt wird. Der gestern von Aigner vorgelegte Änderungsentwurf des Arzneimittelgesetzes wurde sogleich von ihrem NRW-Amtskollegen Johannes Remmel als völlig unzureichend kritisiert.


Der Gesetzentwurf sieht laut Aigner vor, dass Tierärzte verpflichtet werden können, alle Daten zur Abgabe und Anwendung von Antibiotika zu übermitteln. Zugleich soll die Dokumentationspflicht der Mastbetriebe verschärft werden – so muss in der Hähnchenmast bislang nur für die letzten sieben Tage vor der Schlachtung der Medikamenteneinsatz dokumentiert werden, nach der Novelle soll dies für die gesamte Mastdauer gelten. Antibiotika, die auch bei der Behandlung von Menschen eingesetzt werden, sollen unter strengeren Voraussetzungen als bisher auch in der Tiermedizin eingesetzt werden können. Geprüft wird zudem, Tierärzten den Verkauf der Medikamente zu verbieten.

Generell solle der Einsatz von Antibiotika – zulässig schon bislang ausschließlich zur Behandlung von Tierkrankheiten und keinesfalls zur Wachstumsförderung – auf das absolut notwendige Maß beschränkt werden. Remmel hält dagegen, mit den geplanten Änderungen würden nicht die Voraussetzungen geschaffen, um den Einsatz von antimikrobiellen Substanzen in der Tiermast drastisch zu reduzieren.

Hintergrund der Initiative ist die Tatsache, dass immer mehr Menschen resistent gegen Antibiotika sind. Für Aufsehen sorgte im November letzten Jahres eine Studie des Verbraucherministeriums in NRW, wonach 96 % der Masthähnchen mit Antibiotika behandelt werden. Mit dem flächendeckenden Einsatz von Antibiotika in der Tiermast wächst die Gefahr, dass dadurch resistente Keime entstehen. Infiziert sich ein Mensch mit solchen Keimen, ist eine Behandlung äußerst schwierig.

Erneut angeheizt wurde die Debatte durch eine jüngst veröffentlichte Untersuchung des BUND. In einer kleinen Stichprobe hatte die Organisation Hähnchenfleisch aus dem Supermarkt unter die Lupe genommen, die Proben waren vielfach mit Antibiotika-resistenten Keimen belastet. Der BUND fordert ein prinzipielles Verbot, Human-Antibiotika auch in der Tierhaltung einzusetzen.

Derweil kritisiert der Zentralverband der Geflügelwirtschaft die BUND-Erhebung als pure Angstmache und verweist auf eine letzten Sommer getroffene Zielvereinbarung, durch eine bessere Tierhaltung den Einsatz der Medikamente in fünf Jahren um 30 % zu verringern.

Bauernpräsident Gerd Sonnleitner plädiert für den verantwortungsvollen Umgang mit den in der Massentierhaltung „aus ethischen Gründen“ unentbehrlichen Medikamenten, weist aber zugleich darauf hin, dass resistente Keime in erster Linie von Mensch zu Mensch übertragen würden, aber auch durch Haustiere.

Umweltschützer, Verbraucherschutzverbände und Grüne fordern dagegen eine Einschränkung der Massentierhaltung generell. Ihr Argument: Große Tierbestände könnten ohne den erheblichen Einsatz von Antibiotika kaum gehalten werden.

www.bmelv.de

www.umwelt.nrw.de

www.zdg-online.de

www.bauernverband.de



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