Berlin

Hamberger eröffnet kolossalen C&C-Markt

Hamberger – Großmarkt für Gastronomie & Handel und Top Player in München – ist mit einem Jumbo-Frische-C&C-Markt in der Hauptstadt gelandet. 18.000 qm Gesamtfläche, davon alleine 13.000 qm fürs Marktgeschehen im engen Sinne. Größe, Angebotsfülle und Ausstrahlung imponieren. Allerdings muss sich Hamberger, das Familienunternehmen aus Bayern, mit Jahresumsätzen der Größenordnung von 200 Mio. €, in Berlin erst einen Namen machen. Das großartige Image in der Heimatregion lässt sich nicht einfach so transferieren. Und der Wettbewerb in Berlin ist gewaltig.
Hier eine Analyse der Neueröffnung von Food- und Großhandels-Unternehmer Herwig Niggemann mit Sitz in Bochum (Mitwirkung beim Store-Check der Lebensmittel Zeitung):

Die Münchener Platzhirsche greifen Berlin an.

Schwerpunkt sind die Frischbereiche, die alle in der Mitte des Marktes liegen. Obst und Gemüse als Eingangsüberraschung zeigt, dass man dieses Sortiment in der Wichtigkeit ganz oben ansiedelt. Die große Fläche und das umfangreiche, sehr spezielle Angebot setzen Zeichen. Der Obst + Gemüse Bereich ist ein eigenes Glashaus mit allseitiger Transparenz und damit schon von außen ein Imponierer. Innen stapelt man hoch, meist ist die Ware auf Paletten belassen, manchmal auch auf aufgestockten Podesten von Paletten.

Viele Holzkisten aus Italien und Spanien aus Direktimporten (darauf ist man besonders stolz) zeigen Ursprünglichkeit. Das Sortiment ist sehr speziell mit vielen Besonderheiten gespickt. Ausgeklügelte Lichtgestaltung zeigt die Ware von der besten Seite. Und man stapelt hoch - manchmal höher, als es für die Warenpräsentation optimal wäre. Aber doch eindrucksvoll. Dies ist wohl die stärkste Abteilung des Marktes - ein geschickter Schachzug so nahe am Berliner Großmarkt an der Beusselstraße.

Alle anderen Frischbereiche hat man um einen Marktplatz der Frische angeordnet. Dort sind die Bereiche Karree einer Kaffeebar mit Sitzhockern an der großräumigen Theke. Man möchte hier ein Kommunikationszentrum für die Kunden aufbauen. Große Freiflächen rund um den Markt warten noch auf die richtigen Konzepte der Nutzung. Ein Bereich Frisches Brot wirkt nicht so spektakulär, wie man es sich dort wünschen würde. Sicherlich nicht einfach, hier den Erwartungen an einen Marktplatz gerecht zu werden.

Die drei großen Frischbereiche sind jeweils mit starkem Bedienbereichen ausgestattet. Der Käsebereich liegt vor dem eigentlichen MoPro Glaskühlhaus (analog zu Obst und Gemüse) Hier will man spezielle Käse in Bedienung verkaufen. Auf den ersten Blick wirkt es kleinteilig. Warenpräsentation erschließt sich nur im Nahbereich in der flach ausgelegten Theke.

Der Fischbereich hat neben großen Hälterbecken für Lebendfisch und Hummern ebenfalls einen Bedienbereich. Die Ware ist dabei auf einem rückseitigen Präsentationsregal in mehreren Ebenen platziert. Sicher ein praktische Lösung, von der Wareninszenierung jedoch das Potential nicht ganz ausschöpfend.

Auch der Fleischbereich wird dominiert von einer ausgedehnten Bedientheke. Auch hier liegt die Ware niedrig und flach in den Theken. Im Hintergrund ein Dry Aging Kühlhaus: hier will man besonders punkten. Das Sortiment ist umfangreich, so ziemlich alle Aspekte werden dargestellt.

In den nahe gelegenen Kühlregalen ist dann der eigentliche Fleischbereich für SB-Kauf angeordnet. Darüber wird sicherlich der meiste Umsatz generiert. Auch hier imponiert die Sortimentsvielfalt in allen Fleischsorten. Auch die angebotene Menge ist imposant. Neben den Regalen wird auch noch Fleisch direkt aus dem Kühlhaus, erreichbar durch große Glastürenwände und in roten E-Wannen gelagert angeboten. Die schiere Menge und Vielfalt soll die Kunden beeindrucken und davon kann man wohl auch ausgehen. Das ist durchaus extrem, was Hamberger da bietet.

Insgesamt baut diese mächtige Frischekompetenz den Haupteindruck für das Gesamtangebot auf. Die Anordnung mittig ist geschickt gewählt und man nimmt gern den Nachteil in Kauf, dass dies warenlogistisch gegenüber einer Randanordnung nachteilig ist. Hier geht Verkaufsorientierung und Warenpräsentation vor Zweckmäßigkeit.

Rundherum um dieses Epizentrum Frische gibt es dann alles, was man „auch noch“ benötigt in der Gastronomie. Und da wird mit ca. 60.000 Artikeln schon ein Maßstab gesetzt, der nicht oft anzutreffen ist. Dazu muss man hier ganz besonders heraus heben, dass Hamberger im Gegensatz zu anderen Abholmärkten und C&Cs ausschließlich Profikunden anspricht und zulässt. Das wird offenbar sehr ernstgenommen und eingehalten, ist kein Lippenbekenntnis. Das zeigt sich dann auch in der Konsequenz, dass man völlig auf Konsumergebindegrößen verzichtet, wo es die großen Profigebindegrößen gibt. Insofern sind hier 60.000 Artikel ganz anders anzusehen, als wenn noch 30.0000 Verbrauchergebindegrößen dazu kämen.

Ganz besonders punktet Hamberger auch im Trockenbereich beim Asia-Sortiment. Hier ist man sehr gut aufgestellt und importiert unter Eigenmarke der eigenen Tochterunternehmung unter dem Name AWF viele Besonderheiten direkt aus Asien. Dahinter steckt offenbar ein ganz besonderes langjähriges Engagement für asiatische Produkte. Man kann wohl annehmen, dass gerade dies für den Berliner Markt eine besondere Trumpfkarte sein wird.

Bleibt noch abschließend ein Wort zum Restaurant. Im Eingangsbereich ist man dabei, ein Restaurant in SB-Form zu eröffnen. Es wird zwei drei Monate nach der Eröffnung fertig sein. Man will hier sowohl Mitarbeiter (derzeit 150, vielleicht später mal 400) versorgen als auch Kunden ansprechen. Ob das eine schlüssige Lösung werden kann, bleibt abzuwarten. Zweifel scheint jedoch angebracht. Ein Profi hat kaum Zeit und Lust, bei seinem Einkauf im Großhandel zu essen. Wen man damit wirklich ansprechen kann und wird, ist ein interessantes Thema, das man sich in 6 Monaten noch einmal anschauen sollte.

Insgesamt ist ein imponierender Abholmarkt für Gastronomen entstanden. Das wird auf hohe Resonanz stoßen. Allerdings ist Hamberger in Berlin erst mal dabei, sich einen Namen zu machen. Vom großartigen Image des Münchener Betriebs wird man in Berlin nur wenig transferieren können. Der Wettbewerb in Berlin ist jetzt schon gewaltig. Und da muss sich zeigen, ob man als das Unternehmen mit dem „besseren Preis-/Leistungsverhältnis“ wahrgenommen wird. Darauf zählt man, wie in den Gesprächen ganz besonders betont wird.

Ein Punkt des Marktes in Berlin wird offenbar noch zurückhaltend eingeschätzt: die Belieferung der Kunden. Aus München ist man gewohnt, nur ca. 25% des Umsatzes aus der Belieferung zu generieren. Man zehrt von jahrzehntelangen Gewohnheiten der Kunden, ihre Ware selbst einzukaufen und abzuholen. In Berlin ist das anders. Wirklich interessante Volumenkunden, die für diesen Großmarkt wichtig sind, müssen beliefert werden. Und darauf ist man derzeit noch nicht eingestellt. Das ist schade, denn gerade im Anfang verlangen die Kunden danach. Andererseits ist die konservative Zurückhaltung sicherlich betrieblich sinnvoll.

Lieber erst mal das eine richtig machen und dann an das zweite zu gehen. ist absolut der richtige Weg. Man spricht davon, dass man mit 5 Telefonverkäufern arbeitet, Online-Bestellungen sieht man als nicht so wichtig an (hat bislang auf dem Gebiet auch noch keine großen Erfahrungen). Im Liefergeschäft läuft derzeit der große Grabenkrieg der Branche. Da sind gar nicht mal die Preise das Problem, sondern die Kosten. Meist muss der Lieferant sich den Kunden mit einer Reihe von Wettbewerbern teilen. Die Stopkosten sind enorm und lassen sich preislich nicht voll durchsetzen. Ob Hamberger sich mit seiner Strategie eines Mindestumsatzes von 500€ auch in Berlin durchsetzen kann, ist eine spannende Frage in der Zukunft.



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Fazit:
Der neu in Berlin gelandete Jumbo-Frische-C&C Hamberger aus München macht Furore in der Hauptstadt durch Strategie (nur Profis), Sortiment der Frische (imponierend) und Vielfalt mit hoher Kompetenz (z.B. Asia). Der Markt liegt gut gewählt im Brennpunkt des Geschehens an der Beusselstraße in Moabit. Ein starkes Signal an die Berliner Gastronomen. Das Familienunternehmen, finanziell äußerst stark und unabhängig, geht seinen eigenen besonderen Weg und überträgt Erfahrung vom Platzhirschmarkt München. Gut vorbereitet ist man in den Markt eingestiegen, hat schon die allermeisten Berliner Gastronomen mit einer Hamberger Kundenkarte ausgestattet (eine Meisterleistung) und einen hohen Erwartungsdruck bei potentiellen Kunden aufgebaut. Startsortiment sowohl von Vielfalt als auch von Menge folgt eher dem Motto nicht kleckern sondern klotzen. Manche Mengen, die vorgehalten werden, benötigen allerdings auch einen starken Absatz. Diesen gleich im Anfang zu erreichen, ist nicht ganz so einfach, wie man es sich vielleicht vorgestellt hat. Aber das lernt man sicher schnell.

Die Warenpräsentation ist in vielerlei Hinsicht überdurchschnittlich für einen Großhandel. Allerdings fehlt manchmal das emotionale Element. Es wirkt hier und da sehr nüchtern und sachlich. Manche Bereiche, vor allem die Thekenzonen strahlen weniger aus, als vielleicht möglich wäre und im Lebensmitteleinzelhandel inzwischen gelernt ist.

Die sehr ambitionierten Umsatzziele für den Hamberger Berlin zeigen, dass die Familie es ernst meint, in der Hauptstadt nicht unter ferner liefen zu rangieren, sondern dass man eine dominante Rolle anstrebt. Wenn es gelingt, das Zustellgeschäft schnell parallel zu entwickeln und dort auch mit einem besonderen Preis-/Leistungsverhältnis aufzutreten, dann könnte das langfristig erreichbar sein. Kurzfristig wird es spannend sein zu beobachten, wie der Abhol-Markt die Gastronomen zu sich holt. Das wird auch der Wettbewerb so sehen…

www.hamberger.de

Die Macher – im Bild von links: der Leiter des Frischbereichs in Berlin, Bernd Singalla, Marktleiter Berlin, Ralf Decker, Geschäftsführer aus München, sowie Björn Schirrmacher, Vertriebsleiter Berlin



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