Lebensmittel-Ampel

Industriekonzerne präsentieren Vorschlag

Eine Ampelkennzeichnung für Lebensmittel? Bislang war dies für die Industrie keine wünschenswerte Option. Nun aber haben sechs große Konzerne, darunter Coca-Cola und Nestlé, einen eigenen Vorschlag für ein Ampel-System vorgestellt. Die Kritik der Verbraucherschützer lässt nicht sich auf sich warten: Die Verbraucherzentrale warnt vor Irreführung.
Anfang März präsentieren sechs Lebensmittelkonzerne – Coca-Cola, PepsiCo, Mars, Mondelez, Nestlé und Unilever –  einen überraschenden Vorstoß: Nachdem sich die Lebensmittelindustrie den Bemühungen von Verbraucherschützern um eine Ampelkennzeichnung jahrelang widersetzt hat, stellen die Unternehmen nun ein eigenes Modell vor.

Nach dem Willen der Verbraucherschützer soll ein Ampel-System dazu dienen, den Nährwert von Lebensmittelprodukten transparenter zu machen. Derzeit sei es für die Konsumenten schwer zu erkennen, wie gesund oder ungesund ein Produkt sei. Ob darin zu viel Zucker, Salz oder Fett stecke, lasse sich für den Laien schwer ermessen.

Dem wollen die genannten Lebensmittelkonzerne nach eigenem Bekunden nun Abhilfe schaffen, wie die Lebensmittel Zeitung (dfv Mediengruppe) berichtet. Mit einem Ampel-System wolle man zum Kampf gegen Fettleibigkeit beitragen, indem darauf hingearbeitet werde, dass künftig auf den Verpackungen Angaben zum Nährwert von Portionen prominent platziert werden. Durch gut sichtbare Informationen könnten Verbraucher in der EU besser informiert werden und schließlich eine gesündere Wahl beim Lebensmittelkauf treffen, heißt es in einer Erklärung der Unternehmen. Eine Taskforce der sechs Konzerne soll das Thema nun europäischer Ebene weiter vorantreiben.

Die von den sechs Herstellern konzipierte farbig unterlegte Nährwertkennzeichnung (Ampel) soll auf der Vorderseite von Lebensmittelverpackungen abgebildet werden. Der Haken daran jedoch sei, so merkt die Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) an: Die Menge an Zucker, Fett und Salz wird nicht pro 100 ml bzw. 100 g bewertet. Stattdessen wollten die Unternehmen sich auf Portionsgrößen beziehen. Der vzbv fordert, den einheitlichen Bezugswert von 100 g oder 100 ml für eine bessere Vergleichbarkeit zu verwenden. Nur so würde den Verbrauchern eine echte Hilfestellung für den Produktvergleich und eine informierte Kaufentscheidung gegeben.

„Auch wenn die Hersteller sich erfreulicherweise nicht länger dem Prinzip einer Ampelkennzeichnung verschließen, ist der vorgestellte Ansatz der Hersteller auf Basis von Portionsgrößen aus Verbrauchersicht nicht akzeptabel“, so Klaus Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands. Der nun vorliegende Vorschlag sei allerdings nur auf den ersten Blick ein Durchbruch und ein Entgegenkommen auf den lange bestehenden Verbraucherwunsch für mehr Transparenz in Sachen Nährwerte.

„Es gibt kein einheitliches Verständnis darüber, was ‚eine Portion‘ ist – Menschen essen nicht immer gleich große Portionen. Die von den Herstellern vorgeschlagene Systematik ist daher nicht geeignet, Verbraucher nachvollziehbar über den Nährstoffgehalt eines Lebensmittels zu informieren. Im Gegenteil: Der Vergleich des Nährstoffgehalts verschiedener Lebensmittel wird sogar erschwert und kann in die Irre führen“, kommentierte Müller in einer Stellungnahme zum Vorschlag der Industriekonzerne.

www.lebensmittelzeitung.net
www.vzbv.de


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