Interbrew - Beck und Diebels übernommen

Die spektakuläre Übernahme von Beck und Diebels durch das belgische Unternehmen Interbrew schreckt erneut die deutsche Braubranche auf. In beiden Fällen ist der energische CEO Hugo Powell der nunmehr zweitgrößten Brauereigruppe der Welt den internationalen Konkurrenten zuvorgekommen. Furore macht weniger der Kauf der Altbiermarke, als jener der Bremer Traditionsbrauerei mit starkem Auslandsgeschäft. "Wir investieren nicht 3,5 Mrd. DM, nur um in Deutschland einen Marktanteil von gerade mal 3 % zu erwerben. Es handelt sich bei der Übernahme um eine globale Akquisition mit der internationalen Marke Beck's". Immerhin setzen die Bremer mit 2,5 Mio. Hektolitern rund 60 % im Ausland ab.




Es wird betont, dass Interbrew finanziell stark genug sei, weitere Investitionen in Deutschland zu realisieren - sogar in Milliarden-Höhe. Für Beck haben die Belgier 3,5 Mrd. DM bezahlt, sie greifen vor allem auf Kapitalreserven in Höhe von 3,3 Mrd. € zurück, die aus dem Börsengang im Vorjahr stammen.

Mit den beiden Übernahmen hat sich Interbrew S.A. auf einen Schlag in die Top 5 der deutschen Brauereiszene, will heißen dem drittgrößten Biermarkt der Welt, eingereiht. Mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von 128 Litern pro Jahr ist der Bierkonsum hierzulande zudem der höchste in Europa (vor Irland, Luxemburg und Österreich), aber die Zahlen sind rückläufig. Hauptproblem jedoch: Preiskampf im Handel und hohe Überkapazitäten im Markt. Die Experten sind sich einig, dass nun weitere große Verschiebungen zu erwarten sind, sprich der Biermarkt neu geordnet wird. Die Nummer 1 und 4 der Welt, Anheuser-Busch und Heineken, zeigen seit langem Interesse, letztere beteiligten sich erst vor kurzem mit knapp 50 % an der Bayrischen Brau-Holding (Hauptmarke Paulaner).

Umgekehrt: Unter den 25 größten Brauereien der Welt ist kein einziges deutsches Unternehmen zu finden. Interbrew, entstand 1992 durch eine Umbenennung. Seither steht der Name für ein sich immer internationaler gebendes Unternehmen, das durch den Börsengang (21 % des Kapitals/ 1,5 Mrd. €) sehr liquide ist. Drei Adelsgeschlechter besitzen die Mehrheit. Der Konzern-Umsatz betrug im letzten Jahr 5,7 Mrd. € bei 24.000 Beschäftigten. 76 Millionen Hektoliter Absatz (mit Minderheitsbeteiligungen) basieren auf mehr als 120 Biermarken. Als Drahtzieher gilt Powell, der im vergangenen Jahr unter anderem die britischen Brauereien Whitbread und Bass übernommen hat, bei Bass allerdings wehrt sich die englische Regierung gegen die Fusion. Eine offene Flanke also.


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