Lekkerland wirbt um Systemgastronomen

2012 war für das Großhandelsunternehmen Lekkerland ein Jahr der strategischen Neuausrichtung. Neue Kundengruppen, eine Sortimentserweiterung und die Expansion im Ausland sollen das Wachstum des Konzerns vorantreiben. Beliefern will man künftig auch die großen Player aus dem Quick Service- und Fast Casual-Bereich.
Wachsen und zwar rasant – so könnte man die Vorgabe des Vorstandschef Michael Hoffmann auf wenige Worte runterbrechen. Zu Jahresbeginn übernahm der Manager, von Carl Zeiss Vision kommend, das Ruder beim Großhandelsriesen und legte die Messlatte weit nach oben: Der Umsatz soll bis 2020 von derzeit 12 Mrd. € auf 19 Mrd. € steigen. Will Lekkerland dieses ehrgeizige Ziel erreichen, „muss der Umsatz bereinigt um Tabakwaren fast verdreifacht werden“, zitiert die Lebensmittelzeitung (LZ) einen Convenience-Experten. Denn aktuell, so die LZ, steuern Tabakwaren inklusive Tabaksteuer etwa 9 Mrd. € zum Gesamtumsatz bei – ein Posten, der sich Prognosen zufolge verringern wird.

Folglich steht für die Zukunft des Unternehmens der Ausbau des Food-Geschäfts im Fokus. Die neue Strategie der Konzernspitze baut dabei auf drei Maßnahmen: Erweiterung des Sortiments um zusätzliche Tiefkühl- und Frischprodukte, Ausbau der Auslandsaktivitäten und die Akquise neuer Kundengruppen. Die Wunschklientel:  Systemgastronomen von McDonald’s bis Vapiano. Erfahrungen mit dieser Sparte kann Lekkerland bereits aus Spanien vorweisen. Für Burger King Spanien übernimmt das Unternehmen die EU-weite Beschaffung aller gekühlten und tiefgekühlten Produkte. „Wir sind in Spanien für Burger King der Full Solution Logistik-Partner“, sagt Frank Fleck, Senior Vice President Corporate Business & Customer Development. Die BK-Restaurants werden nicht nur mit Lebensmitteln, sondern auch mit Merchandising-Produkten beliefert. Zudem übertrug Burger King alle administrativen Abläufe des Beschaffungs- und Distributionswesens an Lekkerland.

Um sich auch der Systemgastronomie in Deutschland als umfassender Logistikpartner anzubieten, investierte der Konzern 2012 in die eigene Ausrüstung. Wir haben 2012 unsere Logistik den Anforderungen der Systemgastronomie systematisch angepasst“, erklärt Fleck. Hierzu gehöre vor allem die Umstellung der Flotte auf Lastkraftwagen mit drei Temperaturkammern. Bis 2013 sollen zusätzlich insgesamt 108 solcher Mehrkammer-Fahrzeuge angeschafft werden. „Die 3-Temperatur-Logistik ist Bestandteil unserer Unternehmensstrategie“, ergänzt Stefan Punke, Geschäftsführer Lekkerland Deutschland. „Zukünftig erhalten mehr Kunden ihre bestellten Produkte aus allen Temperaturzonen in nur einem Stopp, die bisher separat in zwei Lieferungen ausgeliefert wurden.“

So können beispielsweise Trockenprodukte wie Chips und Getränke, gekühlte Produkte wie Joghurt oder Salat und Tiefkühlartikel wie Eis oder tiefgefrorene Brötchen in einer Lieferung gebündelt werden. Mit 15 Logistikzentren sei man zudem bundesweit nah an jedem Restaurant und habe „alles auf Lager“, sagt Fleck. Aktuell führt Lekkerland nach eigenen Angaben mit „verschiedenen Unternehmen aus der Systemgastronomie“ bereits Gespräche.

Zu Jahresbeginn machte Lekkerland bereits durch den Verkauf seiner Konzerntochter Convenience Concept (CC) an den Schweizer Handelskonzern Valora auf sich aufmerksam. In der Tochter CC hatte Lekkerland die eigenen Einzelhandelsaktivitäten mit bundesweit mehr als 1.300 kleinen Läden gebündelt hatte, darunter die Bahnhofsläden von Service Store DB sowie die Marken Cigo und Tabak-Börse. Valora stieg über die Akquisition zum größten Kioskbetreiber in Deutschland auf. Der Kaufpreis dürfte nach Analystenschätzungen zwischen 60 und 90 Mio. € gelegen haben.

Lekkerland beliefert bundesweit 59.500 Tankstellenshops, Kioske, Tabakwarenfachgeschäfte, Getränkemärkte, Kaufhäuser, Lebensmittelhändler, Bäckereien, Kantinen und Convenience Stores. Das Sortiment besteht aus Süßwaren, Getränken, Snacks, Convenience-Produkten, Eis, Tiefkühlkost, Frische-Produkten, Tabakwaren, Prepaid-Produkten und Non-Food. Im Geschäftsjahr 2011 belief sich der Umsatz in Deutschland auf rund 6,809 Mrd. €. Trotz gestiegener Umsätze hatte das Unternehmen in den letzten zehn Jahren mit erheblichen Ertragsrückgängen zu kämpfen. Lekkerland Deutschland beschäftigt rund 3.050 Mitarbeiter in 15 Logistikzentren und der Zentrale in Frechen bei Köln.

www.lekkerland.de


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