Streitpunkt Clean Label

Sind nichtkennzeichnungspflichtige Ingredienzien, die geschmacksverstärkend oder konservierend wirken, per se gleichzusetzen mit künstlichen Geschmacksverstärkern oder Konservierungsstoffen?

Und müssen sich Verbraucher tatsächlich getäuscht fühlen, wenn diese Ingredienzien in Clean-Label-Produkten nachgewiesen werden, also Produkten, die nachweislich frei sein sollten von künstlichen Zusatzstoffen? Das ist der Dreh- und Angelpunkt der gegenwärtigen Clean-Label-Diskussion, angestoßen von den Verbraucherschutzzentralen und ausgetragen in den Medien.

Tatsächlich haben die Verbraucherschutzzentralen der Länder bei einem Test von 151 Clean-Label-Produkten nachweisen können, dass künstliche Stoffe häufig durch andere ersetzt werden, die aber nicht gekennzeichnet werden müssen. Die meisten Beanstandungen gab es bei Erzeugnissen mit der Etikettierung ’ohne Geschmacksverstärker’. Durch Stoffe wie Hefeextrakt, die nachgewiesenermaßen geschmacksverstärkend wirken, werde lediglich die Deklaration unpopulärer Zutaten umschifft – und so der Verbraucher getäuscht, beklagen die Verbraucherschützer.

Fakt ist: Im Lebensmittelrecht sind sämtliche Begrifflichkeiten, um die in der öffentlichen Auseinandersetzung geht, klar definiert. Es gibt eindeutig vor, was z.B. ein Geschmacksverstärker oder Konservierungsstoff ist. Das Label ’ohne Zusatz von Konservierungsstoffen’ garantiere, dass ein Produkt definitiv ohne lebensmittelrechtlich zugelassene Konservierungsstoffe hergestellt worden sei, so Dr. Andrea Moritz vom Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL) in der Lebensmittel Zeitung.

Letztlich zeige die Diskussion, ist Werner Wolf, Vorsitzender des BLL überzeugt, dass es noch einen großen Aufklärungsbedarf gebe – sowohl durch die Wissenschaft als auch durch Lebensmittelindustrie und Verbraucherorganisationen.




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