Digitalisierung

Umsatz von Servicekapazität entkoppeln - Interview

Mit der App ‘aquick‘ können Gäste vor Ort über die digitale Speisekarte des entsprechenden Restaurants selbst bestellen. Win-Win für Gastronom und Kunde: Weniger Wartezeiten auf Servicepersonal, schnellere Bedienung, weniger Fehlbestellungen, mehr Umsatz und eine bessere Servicequalität. Ein Exklusiv-Interview.

 

Ein schöner Sommertag und alle zieht es nach draußen. Die Außenflächen von Cafés, Restaurants und Biergärten sind mit einem Schlag gerammelt voll, die Bedienung gestresst und die Wartezeiten lang – selbst um eine Bestellung aufzugeben. So bleibt es viel zu oft bei dem einen Getränk oder es gibt keinen Nachtisch, weil man aufgrund der langen Bedienzeit einfach genervt ist. Frustrierend für Gäste, image- und umsatzschädigend für Gastronomen – denn diese tun sich schwer, kurzfristig qualifiziertes Personal zu finden, um zu Stoßzeiten über ausreichend Servicekräfte zu verfügen.

 

Im Zeitalter der digitalen Lösungen, der Omnipräsenz der Smartphones bei Gast und Servicepersonal lässt sich hier doch was machen? Das dachte sich auch eine Firma in Österreich, tüftelte an der App und stellte sie einigen Gastronomen vor. Die ersten Rückmeldungen waren so gut, dass das Konzept nun nach Deutschland kommt. PPM, der Online-Marktplatz für das Gastgewerbe, hat die exklusive Lizenz erworben und wird die App in der Republik ausrollen. Café Future sprach mit PPM-Geschäftsführer Artin Martinian.

 

Was kann die App ‘aqick‘?

Der Gast lädt sich die App runter, scannt den Barcode, der vor ihm auf dem Tisch steht und hat damit sofort Zugriff auf die Speisekarte. Die App zeigt automatisch die Speisekarte in der Sprache, die der Gast auf seinem Smartphone eingestellt hat. Er sieht in Echtzeit die Verfügbarkeit der Gerichte und kann sie mit einem Klick bestellen. Er muss nicht warten, bis das Servicepersonal ihn entdeckt hat, ihm die Karte gebracht hat und wieder gekommen ist, um die Bestellung aufzugeben.

 

Die Bedienung wird also überflüssig?

Im Gegenteil, sie hat nun viel mehr Möglichkeiten für einen persönlichen und umsichtigen Service. Die App ist ja nur eine zusätzliche Option für den Gast, der genauso weiterhin direkt bei einem Menschen bestellen kann. Beides geht Hand in Hand – wo die Bedienung weniger hin- und herrennen muss und so mehr Zeit für ein freundliches Wort oder eine wohlüberlegte Empfehlung hat.

 

Halten Sie es nicht für eine zu große Hürde, dass man sich als Gast die App dafür runterladen muss?

Nein, da ist die Hemmschwelle heutzutage sehr niedrig und unsere Erfahrungen bisher sehr positiv: Noch in der Testphase und bevor die App überhaupt im App-Store und bei Google-Play verfügbar war, luden sich innerhalb von zwei Monaten 8.000 Gäste die App runter, direkt und mit mehr Aufwand über die Server des Herstellers, und gaben ihre Bestellungen darüber auf.


Was ist an Infrastruktur beim Gastronom nötig?

Er braucht für jeden im Service ein Smartphone (entweder das private oder ein Low-Budget-Smartphone als Arbeitsgerät), alle müssen sich die Kellner-App runterladen, auf den Tischen müssen die Aufsteller stehen. An Vorarbeiten muss die Speisekarte nach dem persönlichen Log-in im Browser in allen gewünschten Sprachen eingegeben werden, die Tische den zuständigen Bedienungen zugeordnet, die Gerichte und Getränke klar definiert…

Moment, was meinen Sie mit ‘definiert‘?

Ich kann in der App festlegen, ob die Bestellung an das Service- oder an das Küchenpersonal geht. So ist es ja sinnvoll, wenn Hauptgerichte direkt in die Küche auf ein dort installiertes Tablet gespielt werden und die Getränke an den Kellner. Dazu muss ich die entsprechenden Definitionen vorher festlegen.

Wird die App weiterentwickelt?

Ja, ununterbrochen. Was Startups im Silicon Valley können, können wir doch auch! Wir arbeiten nach dem m.v.p. (minimum viable product) Verfahren, mit der man eine tolle Idee schnell als marktreifes Produkt umsetzt, fortlaufend Feedback einholt und ständig weiterentwickelt. In Zukunft sollen die Gastronomen über das Portal, in dem sie ihre ganzen Konfigurationen machen, uns auch ihre Wünsche und Anregungen mitteilen können, so dass es immer weiter verbessert wird.

Sprechen Sie vorrangig System- oder Einzelgastronomen an?

Beide gleichermaßen, wobei bei den Einzelgastronomen oft mehr Überzeugungsarbeit geleistet werden muss.

Jede Investition will gut überlegt sein…

Ja, natürlich. Aber ich bin mir sicher, dass der finanzielle Vorteil des Gastronomen die geringen anfallenden Lizenzgebühren um ein Vielfaches überwiegt. Denn durch die geringeren Wartezeiten erhöhen sich automatisch die Anzahl an Bestellungen und die Umschlagshäufigkeit pro Tisch. Sie kennen das doch selbst, die Lust auf einen Espresso nach dem Essen. Da hat man so eine Spanne von drei oder vier Minuten - wenn die Bedienung in dem Zeitraum nicht da war, dann ordert man lieber gleich die Rechnung. Da sind viele zusätzliche Bestellungen möglich!

Wie wollen Sie die App verbreiten?

Gastronomie ist ein sehr persönliches Geschäft, da geht vieles nur im direkten, persönlichen Gespräch. Aber wir setzen auch ein bisschen auf die Endkunden, dass die von den Möglichkeiten der App begeistert sind und es auch bei ihrem Lieblingsrestaurant, -Café oder -Biergarten nutzen wollen. Hier grüble ich gerade über Möglichkeiten nach, diese als Botschafter einzusetzen.

Herr Martinian, danke für das Gespräch!

Die Fragen stellte Daniela Dietz.

Über PPM und aquick

Mit aquick ergänzt PPM sein Portfolio im Bereich der digitalen Produkte zur Steigerung der Kosteneffizienz. Als Handelsunternehmen 1996 gegründet, betreibt PPM eine Beschaffungs- und Warenwirtschaftsplattform für mittelständische Hotels und Gastronomiebetriebe.
www.a-quick.de
www.facebook.com/digitalespeisekarte




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