Brauwirtschaft | Preissteigerung

Das Bier in Deutschland wird teurer

"Die Situation ist dramatisch und in der Nachkriegszeit ohne Beispiel", so der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Brauer-Bundes (DBB), Holger Eichele.
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"Die Situation ist dramatisch und in der Nachkriegszeit ohne Beispiel", so der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Brauer-Bundes (DBB), Holger Eichele.

In Deutschland wird immer weniger Bier getrunken. Dieser Trend hat sich in der Pandemie beschleunigt. Die Kneipen waren monatelang dicht, Feste fielen aus. Jetzt kommen noch höhere Kosten hinzu. Eine ganze Reihe Brauereien nimmt nun Anlauf, die Preise zu erhöhen.

Steigende Preise könnten in den nächsten Monaten auch die Biertrinker in Deutschland erreichen. Etliche große Brauereien haben in den vergangenen Wochen Preiserhöhungen für Großkunden angekündigt. Das betrifft nicht nur die obere Preislage, sondern in einzelnen Fällen auch schon die untere. Vor allem das ertragsstarke Fassbiergeschäft der Brauereien leidet stark in der Pandemie. Derweil ist in der Braubranche von einer Kostenexplosion nicht nur bei Energie, sondern auch bei Rohstoffen bis hin zu Kronkorken die Rede.

Beim Bierabsatz ging es im vergangenen Jahr zugleich weiter nach unten, wie der Deutsche Brauer-Bund am Freitag schätzte. Der Rückgang spiegle aber nicht einmal ansatzweise das Ausmaß der Krise wider, teilte Hauptgeschäftsführer Holger Eichele mit. Er erwartet nur eine langsame Markterholung.

Die Hoffnung, die Talsohle in der Pandemie 2021 durchschritten zu haben, hat sich nach Worten von Eichele für viele Betriebe nicht erfüllt. Der Brauer-Bund geht wenige Tage vor Bekanntgabe der Zahlen durch das Statistische Bundesamt für das alkoholhaltige Bier von einem weiteren Absatzrückgang von 3 bis 4 Prozent im vergangenen Jahr aus. Damit seien noch einmal 200 bis 300 Millionen Liter weniger alkoholhaltiges Bier als 2020 abgesetzt worden, als es ein Rekordminus von 5,5 Prozent gab. Die Brauer hängen mit ihrem Fassbierabsatz am Ausschank in der Gastronomie, die monatelang schließen musste. Zudem fielen Volks- und Schützenfeste aus.

Historischer Absatzeinbruch

"Der historische Absatzeinbruch auf dem Biermarkt trifft auf eine nie gekannte Preisexplosion - für viele Betriebe wird das zu einer existenziellen Bedrohung", sagte Eichele. So hätten sich die Kosten für Transportpaletten binnen eines Jahres verdoppelt und die Preise für Malz als wichtiger Braurohstoff um bis zu 60 Prozent erhöht. Noch extremer fielen die Preissteigerungen bei Strom und Gas aus. Eine Pleitewelle habe es bei Brauern bisher zwar nicht gegeben, aber einzelne Betriebsaufgaben, denen weitere folgen könnten. Viele Brauer mussten laut Verband ihre Rücklagen angreifen und aufbrauchen.

Die Branche steht also mächtig unter Druck. Allerdings ist offen, in welchem Umfang Handelsriesen Preiserhöhungen akzeptieren und an Verbraucher weitergeben. Denn gerade bei großen Pilsmarken verkauft der Handel einen Großteil in den wöchentlichen Aktionen. Unter anderem hat Krombacher Preiserhöhungen ab April auch für Schweppes-Softdrinks angekündigt. Veltins will im April ebenfalls die Preise anheben. Die Bitburger Braugruppe setzt zum Mai verschiedene Produkte höher im Preis an. Auch Oettinger plant Preiserhöhungen, ohne Details zu nennen. Vertriebschef Peter Böck betont zugleich: "Der deutsche Biermarkt ist und bleibt hart umkämpft." Der Wettbewerb im Handel habe sich durch die Corona-Krise eher noch verschärft.

Neben Schatten gibt es aber auch Licht, neben vielen Verlierern auch einige Gewinner. Alkoholfreies Bier, das vom Statistischen Bundesamt nicht erfasst wird, gewinnt an Beliebtheit. Seit 2007 hat sich die Produktion alkoholfreier Biersorten in Deutschland nach Berechnungen des Brauer-Bundes mehr als verdoppelt auf etwa gut 680 Millionen Liter im vergangenen Jahr. Die Exporte zogen früher als erwartet an.

Export ist erfolgreich

Der Exportanteil der Branche ist laut Verband mit dem Rekordhoch von 18 Prozent doppelt so hoch wie zur Jahrtausendwende. Die Zuwächse bei Ausfuhren in Drittländer wie China und auch bei alkoholfreiem Bier könnten aber Rückgänge beim Fassbier im Inland nicht ausgleichen.

Der Deutsche Brauer-Bund rechnet für das laufende Jahr allenfalls mit einer langsamen Besserung der Lage. Verunsicherte Verbraucher, verschärfte Zugangsregeln für die Gastronomie und die Absage vieler Events wirkten sich für die von mittelständischen und handwerklichen Betrieben geprägte Brauwirtschaft beinahe wie ein erneuter Lockdown aus, sagte Eichele. Viele Gastwirte haben den Angaben nach ihre Lokale mangels Rentabilität bereits freiwillig geschlossen. In der Folge hätten im Januar immer mehr Brauereien erneut Kurzarbeit anmelden müssen und die Abfüllung von Fassbier bremsen müssen.

Der Pro-Kopf-Verbrauch an Bier in Deutschland ist schon vor der Pandemie unter die Marke von 100 Litern im Jahr gerutscht. In der Corona-Krise hat sich der Trend verschärft.
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