Fleischindustrie / Corona

Gewerkschaft fordert Verbot von Werkverträgen

Ab 2021 sollen Werkverträge in der Fleischindustrie verboten werden. Der NGG macht Druck und fordert eine schnellere Umsetzung des Verbots.
imago images / Mario Hösel
Ab 2021 sollen Werkverträge in der Fleischindustrie verboten werden. Der NGG macht Druck und fordert eine schnellere Umsetzung des Verbots.

Nach einem massiven Corona-Ausbruch in einem Standort des Schlachtbetrieb Tönnies fordert die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) nun ein schneller greifendes Verbot von Werkverträgen für die Fleischwirtschaft.

Die Unternehmensführung des Schlachtbetriebs Tönnies hat gemeinsam mit dem Kreis Gütersloh die vorrübergehende Stilllegung des Standorts Rheda beschlossen, nachdem dort mittlerweile mehr als 650 Corona-Fälle nachgewiesen wurden. Rund 1.050 Mitarbeiter arbeiten in dem Betrieb, 7.000 Menschen im Kreis Gütersloh müssen in Quarantäne. Etwa 20.000 Schweine werden an diesem Standort täglich geschlachtet.

Angesichts dieser Entwicklung fordert die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) nun ein schneller greifendes Verbot von Werkverträgen für die Fleischwirtschaft. Freddy Adjan, stellvertretender NGG-Bundesvorsitzender, bekräftigt diese Forderung nun in einem Gespräch mit der Funke Mediengruppe. Laut NGG hängen jene Werkverträge für die zumeist osteuropäischen Werkvertragsbeschäftigten mit dem aktuellen Ausbruch von Infektionen zusammen.

Ab dem kommenden Jahr sollen laut einer Ankündigung der Bundesregierung solcherlei Werkverträge und Leiharbeit in der Fleischindustrie weitgehend verboten werden. Das Schlachten und die Verarbeitung von Fleisch soll demnach ab 1. Januar 2021 nur noch von Arbeitnehmern des eigenen Betriebes zulässig sein. Die NGG fordert, dieses Verbot nun schneller einzuführen.

Zweifel an Umsetzung des Verbots

Sarah Dhem, Präsidentin des Bundesverbandes der Fleischwarenindustrie, steht der Ankündigung des Verbots kritisch gegenüber. "Ich habe starke Zweifel, dass sich das Verbot bezogen auf nur eine einzige Branche so durchsetzen lässt", sagte sie in einem Gespräch mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Werkverträge kämen schließlich nicht nur in Schlachthöfen, sondern auch in nachgelagerten Unternehmen der Fleischwirtschaft wie etwa Wurstfabriken zum Einsatz.

Clemens Tönnies, Firmenchef des gleichnamigen Schlachtbetriebs, sagte unterdessen: "Die Gesundheit und der Schutz unserer Mitarbeiter steht an erster Stelle. Daher haben wir gemeinsam mit dem Kreis Gütersloh und Landrat Sven-Georg Adenauer heute den vorrübergehenden und schnellen Sofort-Stillstand unserer Schlachtung in Rheda beschlossen."

Behörden entscheiden

Es gehe nun nicht um das Unternehmen, sondern um die Menschen und den Kreis: "Wir unterstützen die Behörde in vollstem Umfang bei allen Maßnahmen", so Tönnies. Behörden entscheiden, wie lange der Produktionsbereich geschlossen bleibt.

Der Corona-Ausbruch bei Tönnies ist nicht der erste Fall dieser Art. Auch Standorte der Firma Westfleisch und Vion (Niederlanden) waren unlängst betroffen. Als Grund für die Ausbreitung des Coronavirus in Schlachtbetrieben werden unter anderem die Unterkünfte vieler Mitarbeiter genannt.


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