Tierwohl | Tönnies

Großer Player der Fleischindustrie für Masthuhn-Initiative gewonnen

Mehr Platz pro Tier und bessere Licht- und Luftbedingungen gehören zu den Kernforderungen der Europäischen Masthuhn-Initiative.
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Mehr Platz pro Tier und bessere Licht- und Luftbedingungen gehören zu den Kernforderungen der Europäischen Masthuhn-Initiative.

Die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt und ihre Mitstreiter haben mit der Tönnies Foodservice GmbH die Tochter eines der größten Fleischverarbeiters in Deutschland für bessere Masthuhn-Haltungsbedingungen gewonnen. Der Lebensmittelhersteller hat sich verpflichtet, bis spätestens 2026 nur noch Tiere zu beziehen, die in der Aufzucht den Bedingungen der Europäischen Masthuhn-Initiative entsprechen.

Nach Gesprächen mit der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt ist die Tönnies Foodservice GmbH der Europäischen Masthuhn-Initiative beigetreten. Bis 2026 wird der Lebensmittelhersteller die Kriterien der Initiative umsetzen und damit zur Verbesserung der Tierschutzstandards in der Hühnermast beitragen, wie die Tierschutzorganisation mitteilt. Zu Tönnies' Kunden gehören neben Gastronomie-Betrieben Kliniken, Mensen und Kindertagesstätten. Zudem will sich die Unternehmensgruppe Tönnies gemeinsam mit Partnern und Lieferanten dafür einsetzen, die Standards der Initiative am Markt zu etablieren.

Wichtiges Signal für die Branche

"Wir arbeiten mit allen Akteuren entlang der Wertschöpfungskette daran, die Anforderungen der Initiative im Sinn des Tierwohls schnellstmöglich umzusetzen", äußert sich Peter Strunz, Geschäftsführer der Tönnies Foodservice GmbH. Das Unternehmen unterstütze die sich verändernden Bedürfnisse und Wünsche der Verbraucher und bediene diese Hand in Hand mit seinen Lieferanten und Kunden, wie er betont.

Auch Mahi Klosterhalfen, Präsident der Albert Schweitzer Stiftung, erkennt den Beitritt des Lebensmittelherstellers als wichtiges Signal: "In der Vergangenheit haben wir oft Kritik an Unternehmen der Tönnies Holding geäußert. Umso mehr freuen wir uns, dass Tönnies Foodservice nun für bessere Tierschutzbedingungen einsteht. Die Zusage wird in der Branche viel bewirken und das Leid der Hühner in der Mast reduzieren."

Masthuhn-Initiative soll neuer Standard werden

Die Zahl der Unternehmen und Institutionen, die die Masthuhn-Initiative unterstützen, nimmt stetig zu. Weltweit haben sich bereits fast 500 Unternehmen zu höheren Tierschutzstandards verpflichtet, darunter auch große Konzerne wie Nestlé und Unilever, Top-Caterer wie Sodexo, Hersteller wie die Rügenwalder Mühle und Restaurantketten wie Ikea, Domino’s und Kentucky Fried Chicken.

Ins Leben gerufen wurde die Europäische Masthuhn-Initiative von der Albert Schweitzer Stiftung und 29 weiteren Tierschutzorganisationen. Die Initiative geht die wichtigsten Bereiche an, die für die immensen Leiden der Hühner in der Mast verantwortlich sind, und will höhere Mindeststandards in ganz Europa etablieren.

Mehr Platz, weniger Qualzucht

Masthühner wachsen üblicherweise so schnell, dass ihre Knochen und Organe nicht mithalten können. Den Tieren fällt es aufgrund dieses enormen Wachstums schwer, sich überhaupt auf den Beinen zu halten. Deshalb gehört zu den wichtigsten Kriterien der Masthuhn-Initiative die Verwendung von Rassen oder Hybridlinien, die weniger überzüchtet sind.

Darüber hinaus erhalten die Tiere mehr Platz, Beschäftigungsmöglichkeiten und Tageslicht in den Ställen. Auch die effektive und stressfreie Betäubung vor der Schlachtung ist ein wichtiges Kriterium der Initiative. Die Einhaltung der Standards muss durch unabhängige Kontrollen sichergestellt werden.
Europäische Masthuhn-Initiative
  • Einhaltung Kriterien aller EU-Tierschutzgesetze und -vorschriften, unabhängig vom Produktionsland
  • Maximale Besatzdichte von 30 kg/qm. Vorgreifen sollte vermieden werden und darf maximal einmal pro Mastdurchgang durchgeführt werden
  • Verwendung von Rassen, die erhöhte Tierschutz-Kriterien und damit die Kriterien des "RSPCA Broiler Breed Welfare Assessment Protocol" erfüllen
  • Mindestlichtstärke von 50 Lux, inklusive Tageslicht
  • Anwendung von Betäubung in kontrollierter Atmosphäre mittels inerter Gase oder mehrstufiger Systeme oder effektive elektrische Betäubung ohne Kopfüberhängen
  • Nachweis der Einhaltung obiger Standards durch Audits unabhängiger Dritter und jährliche öffentliche Berichterstattung zum Fortschritt im Rahmen dieser Selbstverpflichtung
Mehr Informationen finden Interessierte auf der Webseite der Initiative.

 

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