Transgourmet

„Auf in eine grüne Zukunft“

Bio für alle: Transgourmet forciert grüne Konzepte in Außer-Haus-Markt.
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Bio für alle: Transgourmet forciert grüne Konzepte in Außer-Haus-Markt.

Transgourmet setzt auf eine grüne Zukunft: Die erste Online-Messe "Essenz" dieses Jahres steht beim Großhandelsunternehmen ganz im Zeichen der Nachhaltigkeit. An zwei Tagen thematisieren 26 digitale Events, wie sich eine grüne Gastronomie umsetzen lässt. Passend dazu hat der Multi-Channel-Anbieter mit "Natura" am 8. April die bundesweit erste Bio-Eigenmarke für Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung lanciert. Ein Paukenschlag in der Großhandelslandschaft.

"Auf in eine grüne Zukunft", sagte Transgourmet Geschäftsführer Manfred Hofer beim Presseevent zum Auftakt der Online-Messe Essenz am Montag. Dieser Weg sei angesichts der globalen Herausforderungen wie Klimawandel und Artensterben alternativlos. Gleichzeitig sei die Nachfrage nach Lebensmitteln aus ökologischem Anbau im Corona-Krisenjahr extrem gestiegen. Die Verbraucher wünschten sich Bio-Produkte mehr denn je, unterstrich Hofer.

Neue Rahmenbedingungen

Aber auch die politischen Rahmenbedingungen hätten sich gewandelt. Gleich ob der "Green Deal" auf europäischer Ebene oder die Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung – allerorten werde Bio forciert, ja von der Politik konkret eingefordert. Selbst ein Kreis wie Groß-Gerau – Sitz von Transgourmet Deutschland – strebe bis 2030 stolze 80 Prozent Bio-Essen in den Einrichtungen an, sagte Hofer. Entsprechend widmet sich das Großhandelsunternehmen auf seiner ersten digitalen Online-Messe Essenz dieses Jahres ausschließlich grünen Konzepten im Außer-Haus-Markt. Das Credo: „Alle Zutaten für eine nachhaltige Zukunft“. Dabei hat sich Transgourmet einiges vorgenommen.

Wie grün wird die Zukunft?

Diskutierten über die grüne Zukunft: Kai Müller (Transgourmet), Janine Steeger (Moderatorin), Vivien Finke (Berliner Wasserbetriebe), Claus-Peter Münch (Bio-Obsthof Münch), Lars Schäkel (Frischli Milchwerke) und Frank Seipelt (Transgourmet Deutschland).
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Diskutierten über die grüne Zukunft: Kai Müller (Transgourmet), Janine Steeger (Moderatorin), Vivien Finke (Berliner Wasserbetriebe), Claus-Peter Münch (Bio-Obsthof Münch), Lars Schäkel (Frischli Milchwerke) und Frank Seipelt (Transgourmet Deutschland).

Zur Eröffnungsveranstaltung hatte das Großhandelsunternehmen drei Player aus dem Markt zur Diskussion geladen: Lars Schäkel, Geschäftsführer der Frischli Milchwerke, Vivien Finke, Leiterin der Betriebsgastronomie der Berliner Wasserbetriebe, und Bio-Pionier Claus-Peter Münch vom Bio-Obsthof Münch im Alten Land bei Hamburg. Gemeinsam mit Frank Seipelt, Vorsitzender der Geschäftsführung von Transgourmet Deutschland, ging es um die Herausforderungen einer grünen Zukunft entlang der Wertschöpfungskette.

Man könne weder machen, was nur der Kunde will, noch nur aus eigener Intention handeln, sagte Frank Seipelt. Vielmehr müsse man beides in Einklang bringen. Dies gelte besonders für das Thema Bio, denn am Ende müsse es sich für alle Beteiligten wirtschaftlich tragen. "Unsere Funktion im Markt ist Distanzüberbrückung sowie Angebot und Nachfrage zusammenzubringen", führte Seipelt aus. Noch liege der Bio-Anteil im Außer-Haus-Markt bei maximal 4 Prozent, weil der Gast sich privat anders verhält als außer Haus. Diese könne sowohl am fehlenden Angebot liegen als auch an der Preissensibilität des Kunden.

Bio-Markt wird aufgemischt

Mit der frisch lancierten Bio-Eigenmarke Natura wolle man die Gastro-Betriebe beim Angebot von Bio-Speisen unterstützen, unterstreicht Seipelt. Bis Jahresende will der Großhändler mehr als 200 Bio-Artikel den Küchenprofis bieten – ein Vollsortiment. Damit setzt Transgourmet in der Großhandelslandschaft ein Ausrufezeichen, gibt es bis dato doch nichts Vergleichbares.

Dabei komme es wesentlich darauf an, die Mehrwerte eines nachhaltigen Angebotes dem Gast transparent zu machen, ja klar zu verdeutlichen, warum etwa ein Bio-Apfel im Jahr 2021 rund 30 Prozent mehr kosten wird im Vergleich zum konventionellen. Denn so hoch beziffert Claus Peter Münch vom Bio-Obsthof Münch im Alten Land den Mehrpreis für einen Bio-Apfel für diesen Herbst.

"Wir müssen den Kunden Antworten darauf geben, warum er nun für den Apfel 30 Prozent mehr bezahlen soll", erläutert Seipelt. Ähnlich sieht dies Claus Peter Münch. Die Geschichte und die Menschen hinter den Produkten zu erzählen, sei extrem wichtig. "Wir haben wunderbare Argumente. Diese müssen wir auch an den Verbraucher kommunizieren", so der Bio-Pionier.
„Wir müssen den Kunden Antworten darauf geben, warum er für den Bio-Apfel 30 Prozent mehr bezahlen soll.“
Frank Seipelt, Transgourmet

Für Frischli-Kopf Lars Schäkel sind Nachhaltigkeit und Umweltschutz bereits im Unternehmen fest etabliert. "Würden wir nicht nachhaltig wirtschaften, würde es uns nicht mehr geben", so Schäkel. Derzeit habe man rund acht Bio-Produkte im Sortiment. Wie sich dieses Segment weiterentwickelt? Man müsse sich nach der Nachfrage und dem Angebot der Landwirte richten, so Schäkel. Deshalb habe Frischli auch kein Mengenziel definiert.

Vorreiter Berliner Wasserbetriebe

Klar auf grünem Kurs bewegen sich bereits die Berliner Wasserbetriebe, wie Vivien Finke, Leiterin der Betriebsgastronomie in der Runde verdeutlichte. Insbesondere im Corona-Jahr habe man viele Stellschrauben bewegt und jede einzelne Rezeptur überprüft. "Es gibt beispielsweise kein Brühpulver mehr bei uns. Da steht jetzt ein Topf, wo Gemüseabschnitte reinwandern. Dadurch sparen wir 60 Euro pro Eimer", erklärte Vivien Finke.

Bei dem Klassiker Spaghetti Bolognese habe man den Fleischanteil von 180 auf jetzt 80 g reduziert und durch Linsen ersetzt. Dies sei gut für die Umwelt und den Menschen. „Ein 6-Wochen-Speisenplan widerspricht meiner Vorstellung von Regionalität und Saisonalität“, so die Betriebsleiterin weiter. Stattdessen müsse man schauen, was es gerade am Markt gebe. Ihr Anspruch sei es, die Wertschöpfungskette komplett selbst zu gestalten – vom Feld auf dem Teller.

Bezahlbare Bio-Qualität für alle

Dass möglichst viele Gastro-Profis diesem Beispiel folgen, hofft Transgourmet. Mit der Bio-Eigenmarke  will man die Nachfrage forcieren – und das nicht nur in Deutschland, sondern europaweit. Denn auch andere Länder sind auf den Bio-Zug aufgesprungen. Seipelt: "Wir müssen auf relevante Mengen kommen, damit es sich auch für die Bio-Produzenten lohnt und künftig mehr Landwirte auf Bio-Anbau umsteigen."

Bislang hielt der Mehrpreis für Bio-Ware viele vom Einsatz ab. Wohl auch deshalb schreibt sich Transgourmet bei seiner Eigenmarke eine "bezahlbare Bio-Qualität" auf die Fahnen. Es bleibt abzuwarten, ob andere Großhändler diesem Beispiel folgen. Transgourmet sichert sich zweifelsohne einen Zukunftsmarkt und schärft gleichzeitig das grüne Profil. Mit der Online-Messe Essenz zeigt der Multi-Channel-Anbieter deutlich, wo die Marschrichtung künftig hingehen soll. 

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