Anuga 2019

100-jähriges Jubiläum und Fokus auf die Zukunft


Im Gespräch: Franz-Martin Rausch (BVLH), Anne Schumacher (Kölnmesse), Tania Higgins (Moderatorin), Christopher Sanderson (The Future Laboratory), Stefanie Sabet (BVE) (v.l.)
Markus Roman
Im Gespräch: Franz-Martin Rausch (BVLH), Anne Schumacher (Kölnmesse), Tania Higgins (Moderatorin), Christopher Sanderson (The Future Laboratory), Stefanie Sabet (BVE) (v.l.)

Vom 5. bis 9. Oktober findet in Köln die Anuga statt. Im Vorfeld lud die Koelnmesse als Veranstalter zur Fachkonferenz in Amsterdam. Experten diskutierten vor Vertretern der europäischen Fachpresse Trends der Ernährungsindustrie und die Highlights der diesjährigen Messe.

Die Keynote kam vom britischen Zukunftsforscher Christopher Sanderson, CEO des renommierten Forschungs- und Beratungsunternehmen Future Laboratory. Er stellte drei Verbraucher-Trends (s. Kasten unten) vor, die nach seinen Erkenntnissen für die Ernährungsbranche wichtig werden. Hintergrund für alle Trends seien ein zunehmend aufgeklärter Verbraucher, neue Technologien sowie veränderte Lebensgewohnheiten – etwa mehr Single-Haushalte sowie unregelmäßigere und kürzere Mahlzeiten bei gleichzeitig steigendem Qualitäts-Anspruch.
Eckdaten Anuga
Termin 5. bis 9.10.2019
Ort Messe, Köln
Öffnungszeiten 10 bis 18 Uhr (Besucher)
Ticketpreis Tagesticket 40 €, Dauerticket 80 €
Aussteller 7.405 (2017)
Fachbesucher ca. 165.000 (2017), davon 80 % sog. Entscheider
Fachmessen Fine Food, Drinks, Chilled & Fresh Food, Meat, Frozen Food, Dairy, Bread & Bakery, Hot Beverages, Organic, Culinary Concepts
Sonderbereiche Taste Innovation Show, Horizon 2050, Trend Zone u.a.m.
Website www.anuga.de
In eigener Sache In der kommenden Ausgabe der Food Service Europe & Middle East (ET: 28. Juni) beschäftigen wir uns in einem umfangreichen Special mit der Anuga. Kein Abo? Hier geht es zum Probe-Abo.
Anschließend diskutierten Sanderson, Anne Schumacher (Geschäftsbereichsleiterin Ernährung & Ernährungstechnologie Koelnmesse), Franz-Martin Rausch (Hauptgeschäftsführer, Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels e.V., BVLH) und Stefanie Sabet (Geschäftsführerin, Leiterin Büro Brüssel, Bundesvereinigung der deutschen Ernährungsindustrie, BVE) die Erkenntnisse und deren Bedeutung für die Anuga.

Ein Themenschwerpunkt war der Einfluss der neuen Technologien auf die Lebensmittelbranche. "Digitalisierung kann für uns einige Probleme lösen", sagte Stefanie Sabet von der BVE. Als Beispiel nannte sie etwa genauere Dokumentation der Supply Chain mit Hilfe von Blockchain-Technologie. Franz-Martin Rausch (BVLH) sieht Chancen für höhere Kundenbindung und -interaktion, fordert aber, den emotionalen Teil nicht zu vernachlässigen. "Verbraucher wollen Emotionen. Und Essen kann diese erschaffen. Und natürlich ist Emotion einer der Schlüsselmomente für Handelsmessen wie die Anuga." 

Branche muss Angebote machen

Als die drei wichtigsten Themen der Ernährungsbranche in naher Zukunft erachtet Rausch weniger Zucker, Salz und Fett in Convenience-Produkten, einen stärkeren Fokus auf Tierwohl sowie weniger Food Waste. Auch beim Plastikmüll müssten sich Hersteller zunehmend nach Alternativen umschauen.

Sanderson merkte an, dass nur ein Teil der Verbraucher ihr Kaufverhalten an ethischen Maßstäben ausrichte. Es liege auch an der Ernährungsbranche, entsprechende Angebote zu machen und aufzuklären. Sein Fazit: "Am Ende stimmen die Verbraucher mit der Geldbörse ab."

Blick in Vergangenheit und Zukunft

Anne Schumacher hob die 100-jährige Geschichte der Anuga hervor. Die weltgrößte Fachmesse rund um Lebensmittel und Getränke fand erstmals 1919 statt, die ersten Jahre noch in Stuttgart, ab 1924 in Köln. Neben dem historischen Fokus wagt die Messe auch den Blick in die Zukunft, unter anderem mit der Premiere der Sonderschau Anuga Horizon 2050. Fünf Themenräume über künftige Herausforderungen und Entwicklungen begleitet ein Programm aus Vorträgen, Panel-Diskussionen und Start-up-Pitches. Produktinnovationen erwarten Besucher in der Anuga Taste Innovation Area. Vorträge und Insights rund um Kernthemen der Ernährungsbranche können Besucher in der Anuga Trend Zone verfolgen.

Speziell aus Foodservice-Sicht interessant ist auf der Anuga zudem die Fachmesse Anuga Culinary Concepts mit rund 150 Ausstellern sowie die Culinary Stage mit den Wettbewerben "Koch des Jahres" und "Patissier des Jahres".
Drei Verbrauchertrends im Food Business (Christopher Sanderson)
  • Healthy Convenience Kunden und Verbraucher wollen immer besser informiert werden und legen Wert auf gesunde und hochwertige Nahrungsmittel, interessieren sich zugleich auch für Produktionsbedingungen und Hintergründe der Nahrung. Trotzdem sollen Angebote schnell und einfach zugänglich sein und dank Convenience den Komfort steigern. Neue Technologien ermöglichen kleinen Unternehmen und Start-ups, ihre Produkte und Dienstleistungen leichter an den Markt zu bringen.
  • Revival der Kohlenhydrate Das in Teilen der Bevölkerung schlechte Image der Kohlenhydrate wird aufgebessert durch aktuelle Studien und Medienberichte. So veröffentlichte das medizinische Fachjournal "The Lancet" 2018 Langzeit-Studien, die Korrelationen zwischen Diäten sowohl mit besonders hohen wie niedrigen Kohlenhydrat-Anteilen und erhöhten Sterblichkeitsraten herstellten. Restaurants und Brands setzen daher wieder häufiger auf Kohlenhydrate, allerdings in hochwertig und bekömmlich, etwa dank wertiger Getreidesorten und langer Teigruhe.
  • Vernetzte Küchen Selbst in privaten Haushalten sind vernetzte Geräte häufiger in den Küchen zu finden, digitale Helfer werden zunehmend akzeptiert. Beispiele am Markt sind per Sprachassistent gesteuerte Küchengeräte oder Öfen mit integrierten Rezept-Sammlungen. Laut einer Deloitte-Umfrage glauben 66 Prozent der britischer Verbraucher, dass vernetzte Geräte ihr Leben vereinfachen könnten.


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