Interview

"Netzwerken ist Kern der Messe"

Markus Tischberger, Projektleiter der Intergastra.
Messe Stuttgart
Markus Tischberger, Projektleiter der Intergastra.

Markus Tischberger, Projektleiter der Intergastra, verrät im Gespräch mit der ahgz, worauf es bei der Messe wirklich ankommt, was es in diesem Jahr Neues gibt und wie es zur Kooperation mit der IKA/Olympiade der Köche kam. 

ahgz: Die Intergastra ist bekannt für ihre Wettbewerbe. Diesmal aber steht Besonderes auf dem Programm, die IKA/Olympiade der Köche. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?
Tischberger: Die IKA/Olympiade der Köche wird traditionell vom Verband der Köche Deutschlands (VKD) ausgerichtet, und wir arbeiten messeseitig seit Jahren eng mit dem Verband zusammen. So war die IKA in den Gesprächen immer präsent. Gemeinsam haben wir dann überlegt, wie man der größten, ältesten und buntesten internationalen Kochkunstausstellung zu noch mehr Strahlkraft und Aufmerksamkeit innerhalb der Branche verhelfen könnte. Da lag es nahe, die Intergastra und die IKA parallel stattfinden zu lassen. Auch für die kommenden Ausgaben des Wettbewerbs ist die Zusammenarbeit bereits beschlossene Sache.

Organisatorisch war das sicher eine Herausforderung für die Messe, oder?
Zwei solche Großveranstaltungen gleichzeitig zu organisieren und umzusetzen, ist eine große Herausforderung. Noch dazu mit den vielen internationalen Besuchern, die extra anreisen, mit Fans aus aller Welt, die die Teams unterstützen wollen und nicht zuletzt mit über 2.000 Köchen und Köchinnen, Patissiers, Foodartisten und Live-Carver. Aber wir fühlen uns dem durch die jahrelange Messeerfahrung gewachsen, auch und weil wir dabei vom VKD und dem Dehoga Baden-Württemberg Unterstützung erhalten.


Da droht die Ausstellung selbst ja fast etwas ins Abseits zu geraten. Was könnte die Fachbesucher – außer den Produktneuheiten – sonst in die Messehallen locken?

Ich sehe die Messe als Chance für die Fachbesucher, sich innerhalb von fünf Tagen über die internationalen Trends der Branche zu informieren, neue Techniken selbst auszuprobieren und die vielfältigen Lösungen kennenzulernen, damit die Betriebe auch weiterhin fit für die Zukunft sind. Der Kern der Messe ist und bleibt aber der Netzwerkgedanke. Wo sonst ergibt sich die Gelegenheit zum kollegialen Austausch in dieser Fülle, wenn nicht auf einer der größten Messen für Hotellerie und Gastronomie innerhalb Europas? Gerade der Dehoga bringt hier viele Kollegen aus der Branche zusammen, lädt zu Diskussionsrunden ein und stellt zur Messe ein spannendes Bühnenprogramm.

Gibt es neue Themen in diesem Jahr?
Allen, die wissen wollen, was ein gutes Konzept in der Gastronomie ausmacht, empfehle ich den Besuch im neuen Food & Concept Court. Hier stellen die Teilnehmer in täglich stattfindenden Pitch-Runden ihre technischen Innovationen sowie ganzheitlichen Konzepte für den Foodservice-Markt und Einzelhandel vor. In der Meet-Area darf es anschließend auch gern ins Detail gehen. Newcomer, Start-ups und Gründer zeigen den Branchenvertretern und Fachbesuchern ihre Ideen außerdem in diesem Jahr in zwei Hallen. Die besten Ideen präsentieren die Aussteller beim Start-up BW Elevator Pitch des Dehoga. Drei Minuten haben sie dafür Zeit. Den Gewinnern winkt ein Preisgeld und die Unterstützung bei der Gründung.

Traditionell stark ist der Getränkebereich. Was gibt es dort Neues?
Wir widmen der Getränkewelt eine ganze Halle und stellen regionale Produkte mit Geschichte in den Fokus. Regionalität ist ein großes Trendthema und der regionale Bezug für viele Gäste mittlerweile entscheidender als der Preis. Das sollten Gastronomen und F&B- Manager für ihr Angebot bedenken. Für die Intergastra setzen wir schwerpunktmäßig auf das Thema Wein. Baden-Württemberg gilt als gefragte Weinregion, das wollen wir unterstützen. In den Genuss ausgewählter Weinraritäten aus Österreich kommen die Besucher zudem im Themenbereich "Österreichische Weine". Ebenfalls stark im Kommen sind Mocktails, also alkoholfreie Cocktails, die den alkoholischen Varianten in Geschmack, Optik und Präsentation aber in nichts nachstehen. Zudem informieren etwa 50 eigenständige Brauereien, 15 Mineralbrunnen sowie diverse Getränkehersteller die Fachbesucher über ihre Angebote.

Kaffee ist Dauerbrenner und Trendgetränk zugleich. Wie schlägt sich das auch auf der Intergastra nieder?
Zum fünften Mal richten wir gemeinsam mit Dr. Steffen Schwarz vom Coffee Consulate den Stuttgart Coffee Summit aus. Die Veranstaltung gilt mittlerweile als eine der wichtigsten für Baristi und Kaffeekenner. Neben den neuen Wettbewerben Stuttgart Comandante Championship und Espresso Italiano Championship sind bereits bekannte Elemente wie das Röster-Dorf und das Cup Tasting Highlights der Kaffee-Sonderschau. Zum zweitägigen Coffee Symposium, das parallel vom 16. bis 17. Februar stattfindet, kommen außerdem Experten aus aller Welt zusammen, um das diesjährige Thema "Kaffee im Wandel" näher zu beleuchten und die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse vorzustellen.

Was hat das Rahmenprogramm zu bieten. Was sind Ihre Highlights?
Da gibt es überall etwas zu entdecken. Beim Konditoren-Trend-Forum diskutieren die Besucher beispielsweise mit den Experten der süßen Dessertkunst. Köche und Gastronomen, die auf der Suche nach ganz besonderen Lebensmitteln sind, sollten dem JRE-Genussnetz in unserer VIP-Lounge einen Besuch abstatten. Hier stellen sich kleine, aber feine Produzenten und Manufakturen vor. Das i-Tüpfelchen für die diesjährige Messeausgabe ist natürlich die IKA/Olympiade der Köche. Diese Großveranstaltung, aber auch parallel stattfindende Events wie die Nacht der Sterne der ahgz mit über 200 Sterne-Köchen und knapp 1.000 geladenen Gästen krönen Stuttgart zur Welthauptstadt der Köche.

Und was hat die Messe für Hoteliers zu bieten?
In Halle 4 dreht sich vor allem im Themenpark Fokus Hotel alles um Einrichtung und Ambiente. Hier erfahren Hoteliers aus ganz Europa alles über die neuesten Hoteltrends, knüpfen Kontakte und tauschen Erfahrungen mit Branchenexperten und Kollegen aus. Außerdem präsentiert sich der Hotelverband Deutschland (IHA) mit seinen Partnern und der Dehoga Baden-Württemberg stellt sich und sein Programm vor. Mittelpunkt der Sonderschau Fokus Hotel wird die Premiere des Mock-ups der MarkeiLive sein, mit der wir das stark wachsende Segment der Serviced Appartments beleuchten. Zum krönenden Abschluss einer hoffentlich für alle erfolgreichen Messe laden der IHA, der Dehoga Baden-Württemberg und die Intergastra rund 400 Gäste aus Hotellerie und Gastgewerbe an die lange Tafel der IKA-Nationalköche zur exklusiven Hotel Executive Night ein. Mehr geht eigentlich nicht!

Das ist viel Stoff, der manchen Besucher überfordern könnte. Vor allem, wenn er nur einen Tag Zeit für die Intergastra hat. Haben Sie einen Tipp?
Um eine Messe dieser Größe wirklich vollumfänglich zu erleben, empfehle ich den Besuch an mindestens zwei Tagen. Mir ist natürlich bewusst, dass das nicht für jeden machbar ist. In dem Fall ist eine gute Vorbereitung Gold wert. Die Besucher sollten sich im Vorfeld überlegen, was sie unbedingt sehen wollen, wen sie nur auf der Messe treffen können und im Zweifel müssen die Stationen eben unter mehreren Kollegen aufgeteilt werden.

Dieser Artikel erschien zuerst in unserer Schwesterzeitung ahgz

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