Messe Biofach

Pilz-Kaffee statt Insektenburger

NuernbergMesse_Frank Boxler

Ob zünftiger Bier-Essig, fermentierter Kurkuma-Kohl oder veganes Kraft-Chilli mit Sonnenblumenhack – die Biofach begeistert in ihrer 30. Ausgabe erneut mit trendigen Newcomern den Markt. Insgesamt 3.273 versammelte Aussteller aus 95 Ländern – ein neuer Rekord – zeigen auf der Weltleitmesse für Bio-Produkte eine bunte Vielfalt für einen nachhaltigen Lebensstil. Ein Trend-Rundgang.

Benötigt die Welt veganen Kaffee bzw. Matcha-Latte mit Pulver vom Maitake-Pilz, dem sogenanntem Klapperschwamm? Eine Frage, die jeder für sich beantworten muss. Die jungen US-amerikanischen Macher des trendigen "Mushroom-Coffee-Mix" scheuen auf der Biofach keine Mühen, dem neugierigen Messebesucher das Gebräu anzupreisen. Und, nun ja, es schmeckt sogar – und hat ganz nebenbei eine positive Wirkung auf den Körper, senken die Pilze doch anscheinend die Cholesterinwerte und verhindern das Einlagern von Fett in den Körperzellen. Mehrwerte, die heute hoch im Kurs stehen und bei der Vielzahl an individuellen Lebensstil-Typen ihre Anhänger finden. Das Trendgetränk der Zukunft? Wohl nur eines von vielen, wie der Neuheitenstand der Messe zeigt.

Limo mit Mehrwert

Ein paar Schritte weiter – auf der veganen Sonderfläche – findet sich der nächste hippe Drink: "Jamiu", eine Limo hergestellt nach indonesischer Tradition in drei Geschmacksrichtungen. Eine davon mit den Trendzutaten Kurkuma, Ginseng und Ingwer. Natürlich alles bio, vegan, lactose- und glutenfrei – und zudem mit unerhört wenig Zucker und damit voll im Trend.

Biofach Nürnberg: Stylische Trend-Produkte einer blühenden Alternativkultur


Nichts ohne Kurkuma

Überhaupt Kurkuma. Die Wurzel ist einer DER Trends auf der Biofach, aufgrund ihrer entzündungshemmenden Wirkung. Die Produktenwickler kreieren die verrücktesten Produkte mit dem leuchtend gelben Kurkuma. Eine kleine Kostprobe? Wie wäre es mit Kurkuma-Zitronen-Sirup für die nächste Homemade-Limo? Oder mit Bio-Instant-Chai-Kurkuma oder Pasta und Schokolade mit dem gelben Pulver? Kaum ein Stand – so scheint es, der nicht etwas mit der Wurzel im Sortiment hat.

Gaumenkitzler gefragt

Mega-in sind besondere, nie dagewesene Geschmacksrichtungen, die den Gaumen kitzeln, ja herausfordern. So gab es beispielsweise Bieressig zum Degustieren oder Hanf-Emmer-Bällchen zum Verkosten. Oder wie wäre es mit Kaffee-Käse? Aber auch exotische Früchte mit besonderer Note erobern den deutschen Markt wie Yuzu, eine asiatische Zitrusfrucht, die Speisen und Getränken den besonderen Frisch-Kick verleiht. Schmeckt laut Hersteller wie eine "Kombination aus angenehmer Säure, sanfter Süße und flüchtiger Bitterkeit mit Aromaspiel".

Newcomer fermentiertes Gemüse

Eine säuerliche Geschmacksnote verspricht ebenso Kimchi, sauervergorener Kohl, der in Korea zu jeder Mahlzeit dazu gehört – oder anders ausgedrückt die koreanische Variante hiesigen Sauerkrauts. Fermentiertes avanciert hierzulande zweifelsohne zum neuen Shooting-Star in der Küche. Auf der Biofach gab es eine Reihe an fermentierten Kreationen zu bestaunen – etwa fermentierter Weiß- und Rotkohl mit Cranberries oder den fermentierten "Kurkuma-Kohl". Wer es bodenständiger vom Wording mag, greift zum "Nordseeküstengenuss", Kimchi vom Biohof im norddeutschen Dithmarschen.

Soja ist out

Nicht ganz, aber derzeit erobern Alternativen zu der Sojabohne den Markt für Milch- und Fleischersatzprodukte, wie die Biofach eindrucksvoll zeigt. Die Hersteller Happy Cheeze und Harvest Moon beispielsweise punkten mit Joghurts auf Cashew- und Kokusnuss-Basis. Und als Fleischalternative macht derzeit die Jack-Frucht große Karriere – ob als Pizzabelag oder als Gulasch. Die dafür verwendeten unreifen, grünen Früchte haben nur wenig Geschmack – ähnlich wie Tofu – und erweisen sich deshalb als Multitalent in der Küche. Und der Geschmackstest? Echt lecker mit der richtigen Marinade – so viel steht fest. Und auch die Haptik stimmt. Für Gastronomen und Großküchen sehr spannend, wie das junge, erfolgreiche Startup auf der Messe erklärt, die bereits Großgebinde im Sortiment führen und mit "Pulled Jackfruit BBQ-Style" on top eine fertige Füllung für Burger, Wraps und Co bieten. Oder wie wäre es mit Sonnenblumenhack? Auch eine spannende, neue Alternative.
Die Jackfrucht ist im Kommen.
Nuernbergmesse/Erich Malter
Die Jackfrucht ist im Kommen.

Proteine und kein Ende

Der Hype um Proteine hält an: Ob Energie-Riegel, Super-Quark, Power-Brot, Linsen-Pasta, Kichererbsen-Mehl oder veganes Proteinpulver für Sportler – nahezu alle Hersteller versuchen, auf der Protein-Welle zu surfen und pimpen ihre Produkte mit einer Extra-Portion Eiweiß. Bei alledem wird der Kunde immer bequemer, auch der Bio-Kunde. Vom fertigen Porridge-Cup bis hin zum Süßkartoffel-Brei aus der Verpackung ist heute nahezu alles in convenienter Form zu haben.

Bitte Zero-Waste!

Zero-Waste-Produkte erobern langsam die Regale. Die Hersteller tüfteln an alternativen Verpackungen und Produkten, die voll kompostierbar sind und nicht weiter die Weltmeere belasten. So erlebt das Lebensmittelpapier, nur mit Naturwachs beschichtet, zum Einschlagen von Käse und Co eine Renaissance. Kunststoffbeschichtetes Papier ist definitiv out. Oder wie wäre es mit Bio-Nudel-Strohhalmen oder Trinkhalmen aus nachwachsenden Rohstoffen? Auf der Biofach kann man viele Alternativen begutachten.



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