Wurst mit Witz

Curry ist das erste Currywurst-Restaurant mit zwei Filialen in Düsseldorf, erfährt der Internet-Surfer unter www.curry-deutschland.de. Eingefleischte Düsseldorfer kennen es längst. Seit seinem Start 1999 zählt das etwas andere Fast Food-Lokal in der Rheinmetropole zu den angesagten Adressen. Wurst essen ist chic geworden, seit Ex-Sterne-Koch Robert Hülsmann fürs Curry die Rezepturen kreierte. Nicht nur die Speisenqualität, sondern auch die Art der Präsentation bescherten dem Curry vom Start weg beachtlichen Erfolg: Die Edel-Version holländischer Fritten-Läden trifft voll den Nerv der Weil-ich-es-mir-Wert-bin-Generation. Rund 1,2 Mio. DM erlöste der Pilotbetrieb im 1. Jahr, Curry Nr. 2 im Medienhafen steht nicht minder schlecht da. Jetzt wird intensiv über Expansion nachgedacht. Von wegen Bude: Gelb gewischte Wände, ein Fries aus roten Ketchup-Flaschen, blanke Holztische, Jazzmusik. Hinter dem Schampus-Kühler auf der Theke eine große Tafel, auf der mit Kreide das Weinangebot vermerkt ist. Wer einen dunstigen Imbiss erwartet hat, ist überrascht. "Die Currywurst ist das meist gegessene Lebensmittel. Das sollte man anständig präsentieren", kommentiert Curry-Betreiber Jürgen Mauermann den Aha-Effekt. Zwar ist die Lust an der Wurst im Moment etwas getrübt, doch selbst BSE schmälert den Erfolg des Konzeptes nicht. "Unser Wurst-Konsum ist leicht rückläufig, der Pommes-Verzehr gestiegen. Weniger Gäste haben wir jedoch nicht", sagt Mauermann. Die Wurstrezeptur ist längst umgestellt, der Rindfleischanteil durch Schweinefleisch ersetzt. Das hatte seinen Preis: statt 4,50 DM müssen die Gäste nun 4,90 DM für die Wurst bezahlen. Seit seinem Start im September 1999 gilt das Curry in der Rheinmetropole als Senkrechtstarter schlechthin. Mitverantwortlich für die spontane Popularität ist ein Mann, der nicht nur Düsseldorfern als kulinarische Instanz gilt: Robert Hülsmann, der frühere Inhaber von Robert's Bistro, einem der beliebtesten Restaurants Düsseldorfs. Der Ex-Sterne-Koch, der heute auf einem Bauerhof in Belgien lebt, brachte seinen Freund Mauermann davon ab, einen Wein- und Käseladen zu eröffnen. "Das ist nicht lukrativ. Mach' doch Currywurst in Top-Qualität", riet Robert und kreierte die Rezepte für die Curry- und Bratwurst 'Berliner Art ***' sowie die verschiedenen Soßen. Mauermann machte und eröffnete im September 1999 das Curry 1 in der Moltkestraße in Pempelfort. "Von da an ging's ratz-fatz. Die Kunden kamen in Scharen", sagt der aus der Werbebranche stammende Quereinsteiger. Die lokale Presse berichtete ausführlich über die "Renaissance der Currywurst" und selbst dem Handelsblatt war die Geschäftsidee eine lobende Erwähnung wert. "Natürlich kamen am Anfang viele Gäste nur wegen Robert. Er war eine Identifikationsfigur für die Leute im Pelz." Inzwischen ist das Publikum in dem 39 Plätze-Lokal bunt gemischt, altersmäßig gibt es keine Beschränkungen. "Viele Leute, die ringsum wohnen, sehen das Curry auch als Kneipen-Alternative an. Unser Stammgast-Anteil liegt bei 15-20 %."
Beflügelt vom Erfolg seines Erstlings eröffnete Mauermann im Juli 2000 Curry Nr. 2 auf der Hammer Straße im Medienhafen, übrigens einen Steinwurf von Robert's Bistro entfernt. Wie im Stammbetrieb beschränkt sich das Speisen-Angebot auf die 'drei Sterne' Brat- und Currywurst vom eigenen Metzger, Pommes frites aus rohen Kartoffeln, hausgemachten Krautsalat und acht frische Soßen. Neben Standards wie Ketchup winken mit Aioli, Senf-Honig-Mayo oder Satè Erdnuss-Soße neuartige Geschmacksabenteuer - für Probierfreudige gibt es alle Sorten sogar als Soßenteller. Nicht minder gewagt das Getränkeangebot, das neben 10 Sorten Flaschenbier auch je vier verschiedene Weiß- und Rotweine sowie Prosecco und Champagner vorsieht. Bei den Werbe-, Medien- und Modeleuten im Hafen kommt die Kombination von Wurst & Wein so gut an, dass Wein inzwischen auch im Curry 1 angeboten wird. Rund 300 Gäste frequentieren das Lokal täglich, mittags zwischen 12 und 14.30 Uhr herrscht Hochbetrieb. "Anders als in der Moltkestraße haben wir im Hafen mehr Business People. Viele machen sich einen regelrechten Gag daraus, ihre Geschäftspartner zu uns einzuladen und dann für 30 DM ein Geschäftsessen zu veranstalten", grinst Mauermann. Auch abends ist das Curry gut ausgebucht, im Sommer stärker als im Winter. Da der Betrieb direkt gegenüber den Gehry-Bauten, einer beliebten Sightseeing-Adresse liegt, bevölkern bei gutem Wetter auch Spaziergänger, Rollerblader und Fahrradfahrer die 40 Außenplätze auf dem Trottoir. Vor und nach dem Kino oder den Parties in der Nighlife-Location mk 2 hat sich das Curry als feste Imbiss-Adresse etabliert. Durchschnittlich 10 DM geben die Kunden pro Nase aus. "Unser Erstbetrieb in der Moltkestraße erlöste 1,2 Mio. DM brutto im ersten Jahr. Der Hafen sieht hochgerechnet ähnlich aus, dabei ist das Geschäft in der Moltkestraße nicht eingebrochen", bilanziert der fast 50jährige Unternehmer zufrieden. Rund 60 Prozent der Umsätze entfallen auf Speisen, 40 Prozent auf Getränke. Mit 15 Prozent spielen die Weine eine beachtliche Rolle, was Mauermann mit der interessanten Auswahl (Sommer- und Winterweine) und dem guten Preis-Leistungsverhältnis erklärt. Foodmäßig sind Curry pikant sowie Aioli, Senf-Honig-Mayo und der Soßenteller der Renner. Aufgrund der guten Nachfrage soll das Soßensortiment demnächst ausgeweitet werden. Insgesamt, so bilanziert der Quereinsteiger, sei sein Schritt in die Selbständigkeit wesentlich unkomplizierter und viel erfolgreicher verlaufen, als er gedacht habe. "Sicher, die Initiative von Robert Hülsmann war für unser Konzept die halbe Miete." Der stadtbekannte Name habe von vorneherein für einen enormen Popularitätsschub gesorgt. Aber auch die strikte Konzentration auf Qualität und ein limitiertes Produktangebot wertet Mauermann als Erfolgsfaktor. "Unser Sortiment lässt sich gut handhaben. Außerdem gibt es keinen Abfall", sagt der Curry-Chef, der in jeden seiner Läden 200.000 DM investiert hat. Von 11-24 Uhr sind insgesamt 8 Mitarbeiter in zwei Schichten im Einsatz. Drei davon arbeiten in der Regel in der Küche, deren Kompakt-Ausstattung jener kleinflächiger Frittenkonzepte gleicht. Nicht nur die Frittiertechnik, auch die rohen Pommes frites stammen aus Holland. Erfolgsentscheidend seien auch die neuartige Positionierung des Lokals - ein Mix aus Imbiss und Kneipe, Lifestyle inbegriffen - und last but not least der richtige Standort gewesen. "Stadtteile, wo Kunst und Werbung zuhause sind, sind für uns ideal", sagt der Unternehmer. Niemals, "selbst für Miete 0", wäre er mit seinem Konzept in die Altstadt gezogen. "Hinter Curry steckt eine simple Idee, die große Wirkung entfaltet hat", fasst Mauermann die Entwicklung zusammen. In der Branche ist dies nicht unbemerkt geblieben. Anfragen für Lizenz-Konzepte liegen vielfach vor, doch bislang haben Mauermann und sein Bruder Dieter ihnen nicht statt gegeben. "Wir wollen, dass unser Qualitätsstandard erhalten bleibt." Inzwischen haben die beiden Unternehmer sich darauf geeinigt, Curry in der Rhein-Ruhr-Region via Franchising zu vervielfältigen. "Außerhalb von NRW wollen wir das Konzept verkaufen", so Mauermann. Interessenten will er bei der Standortsuche ebenso helfen wie bei der Betriebsleiterschulung, Einrichtung und Werbung. Apropos Werbung: In puncto Marketing ist der Ex-Werber natürlich voll in seinem Element. So hat er für Curry nicht nur witzige Werbeplakate entworfen, sondern denkt auch über kreative Aktionen nach. Demnächst wird der Künstler Günther Uecker 'Curry gold' präsentieren. Was das ist? Eine Wurst, mit essbarem (!) Blattgold belegt, dazu ein Glas Prosecco. Einen Namen hat die exklusive Offerte auch schon: "Weil ich es mir wert bin", grinst Mauermann. Nett, wenn einer in Wahnsinnszeiten wie diesen noch seinen Humor behält.

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