Pferdefleisch-Skandal

Greift auf Großverbrauchermarkt über

Bislang schien das Thema nur den Einzelhandel zu belasten. Die vorsätzliche Umdeklaration von Pferdefleisch zu Rindfleisch traf europaweit Handelsketten von Tesco in Großbritannien bis Lidl in Österreich und Deutschland sowie etliche mehr, aber auch den Heimlieferservice Eismann. Nun gab Nestlé bekannt, dass eine in Frankreich hergestellte Lasagne für Gastronomiebetriebe vorsorglich aus dem Verkehr gezogen wurde. Die dubiose Affäre hat damit auch den Großverbrauchermarkt erreicht.

Nestlé hat erkärtermaßen zudem in zwei Tiefkühl-Nudelprodukten der Marke Buitoni nicht deklarierte Anteile von Pferdefleisch entdeckt. Dabei gehe es um Zulieferungen aus Deutschland, teilte der Schweizer Weltkonzern mit. In Italien und Spanien habe man diese Produkte bereits vom Markt genommen.

Bislang ist kein Ende der Eskalation abzusehen. Lidl Schweiz etwa ließ jetzt wissen, bei eigenen Untersuchungen sei bei gefüllten Nudelprodukten aus deutscher und französischer Produktion Pferdefleisch festgestellt worden. Weitere Schweizer Supermarktketten haben bedenkliche Pasta-Produkte aus ihren Regalen genommen. Von Liechtenstein, Sitz des Herstellers Hilcona, führt die Spur zum Hackfleisch-Lieferanten Vossko nach Niedersachsen, der sich seinerseits hintergangen sieht.

Noch immer wird die Liste der betroffenen Namen lang und länger. Während die Untersuchungen laufen, herrscht nach wie vor Unklarheit darüber, wer bei der offenbar großangelegten betrügerischen Aktion von europaweiter Reichweite Ross und Reiter sind. Komplexe Suppy Chains erschweren die Erhellung der Hintergründe offenbar ebenso wie der Tatbestand, dass es für in Fertiggerichten verarbeitetes Fleisch keine stufenübergreifenden Rückverfolgungsprogramme gibt.

Derweil hat der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL), Spitzenverband der deutschen Lebensmittelwirtschaft, die angelaufenen behördlichen Maßnahmen zur zügigen Ermittlung der Ursachen ausdrücklich begrüßt. „Es liegt auch im eigenen Interesse der Lebensmittelwirtschaft zum Schutz ihrer Marken und zum Erhalt ihrer Wettbewerbsfähigkeit die Qualität und Sicherheit ihrer Rohstoffe sicher zu stellen und kriminelle Elemente vom Markt auszuschließen", erläutert BLL-Hauptgeschäftsführer Christoph Minhoff. Der BLL sieht darin allerdings keine grundsätzliche Infragestellung des bestehenden engmaschigen und gut funktionierenden Kontrollsystems in Deutschland.

www.bll.de

www.nestle.com





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