EFSS

“Basically, it’s all about community”

So fasste Prof. Chris C. Muller den zweiten Tag des 18. European Foodservice Summit zusammen. Die Teilnehmer des alljährlichen Treffens in Zürich verließen die Kongress-Location Lake Side in dem Bewusstsein, nicht nur untereinander eine vertraute Community zu sein, sondern ihren Gästen Community der verschiedensten Ausprägungen ermöglichen zu können – und zu müssen.

Auch die Referenten des zweiten Tages verstanden es, die über 250 Teilnehmer aus knapp 30 Ländern in ihren Bann zu ziehen. Den Anfang machte Professor Stéphane Garelli  vom Institute of Management Development in Lausanne, der sich darüber im Klaren war, dass nach der rauschenden Kitchen Party des Vorabends zwar „die Körper anwesend seien, aber nicht die Köpfe.“ Dies verstand er mit seinem rasanten Vortragsstil und brisanten Inhalten schnell zu ändern. Sein Vortrag in wenigen Stichworten: Der gesamten Welt geht es bis auf wenige Ausnahmen wirtschaftlich immer besser. Es ist unglaublich viel Geld im Umlauf, ohne dass eine Inflation entsteht – klassischen Modellen zufolge ein Mysterium.

Des Rätsels Lösung, zumindest teilweise, ist der rasante Anstieg von M&A in der letzten Zeit. Da wird viel Geld ausgegeben, was aber nicht wirklich auf die wirtschaftliche Entwicklung einzahlt. "We are facing a world of unintended consequences", so Garelli: Siehe die Folgen der Automatisierung. Es rechnet sich vielfach nicht mehr, die Produktion in Niedriglohnländer zu verlagern. Technologie ersetzt Handarbeit. Nicht nur Adidas schwenkt angesichts der Kostenvorteile um und holt große Teile der Produktion von Asien zurück nach Europa, was auch die sozialen Gefüge in beiden Regionen durcheinander wirbelt. Und schließlich zeigte Garelli auf, wie die Millenials ticken und was sie wollen: Bei Konzentration auf das Ich (Me-ism) viel Geld für wenig Arbeit. Zugleich ist die "generation of the selfies" durchaus gewillt, etwas zur Gemeinschaft beizusteuern, erwartet aber auch umfassende, möglichst kostenlose Bereitstellung von Informationen und Unterhaltung. Doch Vorsicht, sagt Garelli: "If  you think a product is free you are the product!"

Zu den internationalen Teilnehmern gehörte auch ein Gruppe von 12 Chinesen, für die zwei kurz vor dem Plenum sprachen. Kernbotschaft: China ist ein gigantischer Markt für internationale Foodservice-Anbieter, die Konsumenten dort sind hungrig, aufgeschlossen und zahlungswillig für Qualität, Lebensmittelsicherheit und Genuss aus dem Westen. Aber Achtung: Die virtuelle Community in China ist unglaublich stark.

Live long and prosper...

Prof. Hannelore Daniel, Universität München, klärte das Publikum dann darüber auf, was wirklich nötig ist, um ein langes Leben zu führen: Bewegung, keine Zigaretten, möglicherweise Rotwein, möglicherweise weniger rotes Fleisch. Aber der wichtigste Faktor, der laut Statistik signifikant positiven Einfluss auf die Lebensdauer habe, sei Wohlstand.

Dan Holm von Carrabba’s Italian Grill, USA, veranschaulichte, was Restaurants heute leisten müssen. Die folgenden vier Fragen sollte sich jeder Gastronom stellen: Verstehe ich die wichtigsten Bedürfnisse meiner Gäste? Wie gut gefallen ihnen meine Lösungen, die ich ihnen für diese Bedürfnisse anbiete? Ist das, was ich tue (Eingangsbereich, Speisekarte, Essen, Geschirr, Inneneinrichtung) es wert, gepostet zu werden? Und wie sehen mein Design, meine Speisen auf den Fotos aus, die meine Gäste posten? Denn Gastronomie, so Holm, hat auch in Zukunft zwei zentrale Gästebedürfnisse zu erfüllen: "I want it easier". Und "I want to create (and share) memories". Nicht neu, doch in Zeiten von Instagram & Co. neu zu beantworten. Das ideale Produkt, der ideale Service schaffen das vollkommene Zusammenspiel von Nützlichkeit und Erlebnis.

Hochkarätiges Panel über Delivery 2.0

Nachdem Jambu Palaniappan von UberEats, Mario C. Bauer von Vapiano und Danielle Anderson von AmRest sich mit einer Unternehmenspräsentation vorstellten, diskutierten sie gemeinsam mit Dan Holm und Christopher C. Muller (Bosten University) über Delivery und die Rolle von Liefer-Plattformen. Wem gehört die Marke? Wie teuer darf die Liefergebühr sein? Wem gehören die Daten, die von den Lieferdiensten erhoben werden? Geht es auch im Alleingang? Spannende Fragen, auf die auch die vier Experten keine einhellige Antwort geben konnten.

Chris C. Muller entließ die Teilnehmer in die Mittagspause und auf den Heimweg, nachdem er es wie immer geschafft hatte, die gesamten zwei Tage in wenigen Minuten zusammenzufassen.

www.efss.ch

#VT_full#

stats