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Experten warnen vor "Überhitzung" des Foodservice-Markts

Auf den britischen High Streets verschärft sich der Kampf um Top-Lagen für Restaurants: Vor allem multiplizierte Konzepte, die sich an die mittlere Käuferschicht richten und im Hintergrund über Private Equity-Kapital verfügen, drängen an die begehrten Standorte in mittelgroßen Städten wie Winchester oder Dorchester, sodass Experten bereits eine 'Überexpansionsblase' ähnlich wie zuvor bei Supermärkten befürchten.

Die Financial Times veröffentlichte kürzlich Zahlen der Local Data Company (LDC), die zeigen, dass die Zahl der F&B-Outlets im Königreich in den vergangenen fünf Jahren um 17 Prozent gestiegen ist. Damit liegt die Wachstumsrate in der Foodservice-Branche doppelt so hoch wie bei Supermärkten und anderen Geschäften. "Der Food- & Drink-Markt überhitzt", glaubt LDC-Direktor Matthew Hopkins.

Andere erinnern an das rapide Expansionstempo von Pubs und Bars, als Anfang des Jahrtausends in Großbritannien mehr Schanklizenzen für den späten Abend ausgebeben wurden - übrigens während der Rezession, als sich die Ausgeh- und Trinkgewohnheiten der Menschen offenbar veränderten. Inzwischen haben viele dieser Pubs und Bars schon wieder geschlossen oder wurden in Restaurants umgewandelt. Die Zahl der Etablissements, die überwiegend Getränke anbieten sank im vergangenen Jahr (bis März 2015) um 2,9 Prozent. Im gleichen Zeitraum wuchs die Zahl der Restaurants um 8,1 Prozent.

Peter Martin, Direktor beim Marktforschungsunternehmen CGA Peach, analysiert: "Heute gehen die Menschen nicht mehr aus, um etwas zu trinken, sondern zum Essen oder beides zusammen."

Parallel steigen die Umsätze der Branche in Großbritannien: Innerhalb eines Jahres wuchsen die Ausgaben der Gäste um 8,8 %, wobei der Großteil auf neue Restaurants entfiel. Auf bestehender Fläche stiegen die Erlöse um 3,5 Prozent.

Das Plus an Standorten entfällt übrigens mehrheitlich auf Städte außerhalb der Metropole London und fand vor allem dort statt, wo leer stehende Läden zur vermehrten Vergabe von Gastronomie-Lizenzen geführt haben. Allein in Wales stieg die Zahl der Restaurants seit 2010 um 52 Prozent.

Dort, wo für Restaurants geeignete Flächen rar sind, wie in London oder Städten mit historischem Zentrum, aber auch in Shopping Centern, führte die steigende Nachfrage dazu, dass die Mietpreise in die Höhe schossen. London verzeichnete seit 2010 mit 1,5 Prozent nur ein mageres Plus an Units. Gerade hier steht die Vielzahl heimischer Konzepte zudem im Wettbewerb mit der Konkurrenz aus Amerika, denn immer mehr US-Konzepte wie Shake Shack, Chipotle und Five Guys lassen sich an der Themse nieder.    



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