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Full House und hochklassige Referenten

Bergfest beim 18. European Foodservice Summit in Zürich. Der erste Tag des zweitägigen Lern- und Netzwerkevents brachte neben einer Fülle von Zahlen und Fakten zu den größten Playern im europäischen Foodservice-Markt, wie stets souverän und hoch analytisch präsentiert von Gretel Weiß, unter anderem spannende Konzeptfallstudien, eine mitreißende Analyse zu den Perspektiven des innerstädtischen Einzelhandels, höchst relevant für die benachbarte Gastro-Branche, und so manchen Merksatz, der den Zuhörern im randvoll gefüllten Schauplatz Lake Side direkt am Zürichsee sichtlich zu denken gab.

Mehr als 250 Teilnehmer aus 28 Nationen waren zusammengekommen, darunter erstmals auch eine stattliche Zahl chinesischer Branchenprofis. 

Ein Satz, der sich wie ein roter Faden durch den Kongresstag zog, lautete: Embracing technology is more important than ever! Dies betonte nicht nur Jan-Willem Dockheer, Albert Heijn to go, Teil der holländischen Ahold Gruppe. Das Convenience-Format zählt aktuell 88 Units und ist weiter auf Wachstumskurs. Every day counts, so Dockheer angesichts des Change-Tempos, das alle bisherigen Geschäftsmodelle vor ungeahnte Herausforderungen stellt. Es gebe keinen Platz mehr für "Middle of the road"-Konzepte. Die Antwort von Albert Heijn to go? Ein Profil, das sich auf fünf Eckpfeiler stützt: Innovation. Speed. Freshness. Choice. Sustainability. Und grundsätzlich: healthy and delicious Food to go.

Neue Technologien kommen zum Beispiel beim Bezahlvorgang ins Spiel. Schon heute ist Self Scanning gang und gäbe. Die nächste Stufe: der kassenlose Store, Bezahlung direkt übers Handy. Das erlaubt dann auch personalisierte Kaufempfehlungen.

Dockheer sieht noch ganz andere Aktionsfelder für das Convenience-Format, über das stationäre Geschäft hinaus. Schon in Kürze, verriet er, startet in ausgewählten Städten Hollands eine Kooperation mit UberEAts in Sachen Delivery. 

Das Thema neue Technologien bzw. Digitalisierung stand auch im Zentrum des Vortrags von Marc Schumacher, Liganova. Der Retail-Spezialist plädierte mit Verve für ein radikales Umdenken im innerstädtischen Einzelhandel. Der habe die Zeichen der Zeit nicht erkannt, vielmehr falsch interpretiert. Stores müssten zu neu zu definierenden Spaces mutieren, denn angesichts des wachsenden E-Commerce gebe es kein Zurück. Die eigentlichen Kaufvorgänge wandern unwiderruflich zu Amazon & Co. Was also dann? Die Antwort: You have to close the Gap between Brands and Communities. Was ist gemeint? 

Zuallererst der Abschied vom Zielgruppendenken. Vielmehr geht es heute um Communities. Die definieren sich über einen gemeinsamen Mindset, da gilt es anzusetzen.

Locations müssten künftig nicht mehr als Point of Sale, vielmehr als Point of Experience verstanden werden. Pro Markenbindung. Die fundamentale Botschaft sollten unbedingt auch Gastronomen hören: People will be ready to pay for hospitality experiences based ob communityship.

Hospitality und Community - ebenfalls ein wiederkehrendes Stichwort des heutigen Tages. Karl Brauckmann, BackWerk, enthüllte in seiner beeindruckenden Präsentation die zentrale Rolle, die Hospitality in der jüngst angeschobenen markenstrategischen Neuausrichtung des einstigen, inzwischen zum Snack-Gastronomen avancierten Discountbäckers spielt. 'Feel Good Food' heißt künftig das Motto. Dazu gehört ein gänzlich neuer Look, aber auch ein neues, am Kunden bzw. Gast orientiertes Selbstverständnis. Erste Standorte zeigen bereits, wohin die Reise geht. Cosyness im BackWerk! Umsatzzuwächse von 50 % machen Mut. Wenngleich Brauckmann nicht verschwieg, dass nicht alle Franchisepartner den neuen, in jeder Hinsicht anspruchsvollen Weg mitzugehen bereit waren. 

Und noch ich ein letzter Kronzeuge in Sachen Community: David McDowall, Brewdog, Schottland. Das Craft Beer Konzept der unkonventionellen Art mit aktuell 50 Pubs/Bars, meistenteils auf der britischen Insel, doch auch international unterwegs, hat eine klare Mission. Make People as passionate about great craft beer as we are! Seine wichtigste Community hat Brewdog sich mit einer Crowdfunding-Emission namens Equity for Punks geschaffen. Gezeichnet haben 57.000 Kleininvestoren weltweit, 19 Mio. GPB kamen zusammen. Klar, dass die Zeichner unter anderem lebenslang von diversen Vergünstigungen in den Brewdog-Bars profitieren und an ganz und gar nicht ordnungsgemäßen Gesellschafterversammlungen teilnehmen dürfen. Der Punkt ist der gemeinsame Mindset. Fans der Marke, die gerne ihr Geld hergeben für eine Company, die jeweils 10 % der Gewinne an das Team und für karitative Zwecke ausschüttet.  McDowall: "The community of shareholders is the beating heart of our business." Das prächtig gedeiht: im laufenden Jahr verbucht Brewdog bisher 9,8 % Umsatzplus auf bestehenden Flächen.

Are you in love with what you do? Diese Frage, gestellt von Nadine Beshir, die als letzte Rednerin des Tages ihr phantastisches, digital gestütztes Dinnershow-Konzept The Little Chef vorstellte, würde David McDowall gewiss ohne Zögern mit Ja beantworten. Eine Frage, die viele im Auditorium nachdenklich stimmte. Was will man mehr?

Außer den Abend gemeinsam genüsslich ausklingen zu lassen - großartige Gastfreundschaft für die Summit Community im Palavrion Zürich (Marche International).

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