Chipotle

Hygiene-Skandale kosten Vertrauen und Umsatz

Die US-Burrito-Kette Chipotle kommt nicht aus der Krise: Nachdem seit November dutzende Restaurants in den USA vorsorglich geschlossen wurden, nachdem zahlreiche Fälle von Infektionen mit E. coli-Bakterien bei Gästen der Fast-Casual-Vorzeige-Marke gegeben hatte, verzeichnete das Unternehmen im vierten Quartal Umsatzeinbrüche von rund 15 %. Im Dezember betrug das Minus auf vergleichbarer Fläche sogar 30 %. Hinzu kommen schlagzeilenträchtige Gerichtsverfahren im Zusammenhang mit Funden des gefährlichen Norovirus in mehreren Filialen.

Nachdem im November mehr als 20 Menschen, die kurz zuvor bei Chipotle gegessen hatten, an durch E. coli-Bakterien ausgelösten Beschwerden wie Durchfällen oder Magenkrämpfen erkrankten, hatte Chipotle zunächst 43 Restaurants in Washington State und Oregon vorübergehend geschlossen. Inzwischen stieg die Zahl der landesweit Betroffenen auf mehr als 50 Personen in neun Bundesstaaten. 

Auch ist es nicht das erste Mal, dass Chipotle mit Hygiene-Problemen zu kämpfen hat. Schon in den Vormonaten wurden in einzelnen Fällen Belastungen mit Salmonellen und dem Norovirus bekannt. In Boston erkrankten erst kürzlich mehr als 100 Menschen nach dem Besuch bei Chipotle am Norovirus. Die Filiale wurde inzwischen mit Erlaubnis der Gesundheitsbehörden wieder eröffnet. Unter anderem in Kalifornien muss sich das Unternehmen wegen seines Umgangs mit mehr als 230 Norovirus-Infektionen durch ein Restaurant in Simi Vallery vor Gericht verantworten.

Die Gesamtzahl der nach einem Essen in einem der Restaurants seit Juli 2015 verzeichneten Lebensmittelvergiftungen liegt mittlerweile bei über 500. Experten schätzen die Dunkelziffer zehnmal so hoch. 

Chipotle-CEO Steve Ells entschuldigte sich in einer TV-Show sowie per Zeitungsanzeige und übt Schadensbegrenzung: Man wolle nach der Qualitätsführerschaft im Fast-Food-Bereich nun auch der sicherste Anbieter werden. Viele Gäste scheinen ihm allerdings nicht zu glauben. Auch die Aktie ist weiter im Sinkflug: Mit einem Minus von 6,5 Prozent war der Titel am letzten Montag der schlechteste Wert im S&P 500-Index. Insgesamt verlor der Titel in den vergangenen drei Monaten rund 30 % an Wert. 

Die Vorfälle sind deshalb für das Unternehmen so problematisch, weil es sich bei den Erregern um verschiedene Typen und Varianten handelt, die die Speisen auf unterschiedlichen Wegen verunreinigt haben. So verbreitet sich das Norovirus durch mangelnde Hygiene selbst infizierter Mitarbeiter, während die Salmonellen unter anderem auf Tomaten eines bestimmten Lieferanten gefunden wurden.

Für E. coli-Infektionen ist häufig nicht durchgegartes Rindfleisch verantwortlich, Überträger können aber auch Gemüse und Milchprodukte sein. Die Suche nach dem Infektionsherd gestaltet sich entsprechend schwierig. Tests aller 46 verwendeten Zutaten verliefen zunächst ergebnislos.

Der Preis für die Sicherheit ist der Frischeappeal, eines der Aushängeschilder, mit denen Chipotle lange Zeit bei den Verbrauchern punktete: Zutaten wie Tomaten und Salat werden nun zentral geschnitten und verpackt, nicht mehr in den Restaurants. Kritiker machen gerade die von der Marke verwendeten und propagierten natürlichen, lokalen und unverarbeiteten Lebensmittel für die Hygienemängel verantwortlich. Die mehr als 100 Lieferanten und Mitarbeiter werden nun auf ein neues Food Safety Program eingeschworen, das unter anderem DNA-Tests der Zutaten vorsieht. 

Chipotle (Claim: Food with Integrity) gehörte lange zu den erfolgreichsten im US-amerikanischen QSR-Segment. 1993 von Steve Ells gegründet, zählt Chipotle aktuell mehr als 1.900 Outlets, davon nur drei Handvoll außerhalb der USA, und Erlöse von mehr als 4 Mrd. US $. Schon in den ersten neun Monaten 2015 hatte sich das Same Store Wachstum der Marke von 16,8 % im Vorjahr auf 5,5 % verlangsamt

www.chipotle.com


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