China

Staatliche Medienkampagne soll Fleischkonsum drosseln

Die chinesische Regierung sieht die Volksgesundheit in Gefahr. Grund zur Sorge bietet der rapide gestiegene Fleischverzehr der Chinesen. Eine breit angelegte Medienkampagne soll nun helfen, die Fleischeslust im Reich der Mitte zu zügeln. Unter den prominenten Fürsprechern findet sich Hollywood-Star Arnold Schwarzenegger.

Fleisch auf dem Teller ist ein Zeichen des Wohlstands. So hat sich der Fleischverzehr in China in den vergangenen Jahren vervielfacht. Von durchschnittlich 13 kg Fleisch pro Kopf und Jahr im Jahr 1982 stieg er auf heute satte 63 kg. Damit werden in China 28 % des weltweit produzierten Fleisches verzehrt – und die Hälfte des gesamten Schweinefleisches. Trotz einer langen Tradition der vegetarischen Küche fristet die fleischlose Küche mittlerweile ein Schattendasein.

Das soll sich nun ändern. 14-27 kg Fleisch pro Person und Jahr bzw. 40 bis 75 g täglich lauten die von der chinesischen Regierung ausgegebenen Richtwerte. Treiber der aktuellen Kampagne sind zwei der großen drängenden Probleme der Volksrepublik: Umwelt und Volksgesundheit. Letztere hat vom gestiegenen Wohlstand des Landes nämlich nicht nur profitiert, sondern ist nun auch von einer Vielzahl an Zivilisationskrankheiten bedroht. Fettleibigkeit und Diabetes bescheren China heute enorme Kosten. Mit der Reduktion des Fleischverzehrs sollen die Chinesen dieser Entwicklung gegensteuern.




Doch nicht nur die Gesundheit des Volkes, auch die Umwelt soll von der Drosselung des Fleischkonsums profitieren. Chinesische Umweltexperten schätzen, dass rund 15 % der im Land produzierten Treibhausgase auf die Fleischindustrie zurückgehen. Größter Übeltäter ist demnach die Rinderwirtschaft. So stößt eine Kuh am Tag bis zu 230 l Methan-Gas aus, das Kohlendioxid in seiner Wirkung auf das Klima noch übertrifft.

Um die Chinesen vom Fleisch abzubringen, setzt die Kommunistische Partei Chinas auf unterschiedliche Wege. Auch über einen Veggietag in Schul- und Betriebskantinen – wie jüngst in Deutschland diskutiert – wird in den Staatsmedien gesprochen. Als prominente Fürsprecher engagierte die Regierung Hollywoodgrößen James Cameron und Arnold Schwarzenegger sowie die chinesische Schauspielerin Li Bingbing. Informations- und Werbevideos im TV sowie großflächige Plakate ermuntern die Chinesen dazu, weniger Fleisch zu essen und so einen Beitrag für den Klimaschutz zu leisten. Die Kampagne wird in allen chinesischen Provinzen und in den autonomen Gebieten verbreitet, englische Versionen der Kampagne werden auch in den USA zu sehen sein.

An der Spitze des weltweiten Pro-Kopf-Verzehrs steht China allerdings bei Weitem nicht. Fast doppelt so viel Fleisch verzehren beispielsweise Amerikaner und Australier. In Deutschland liegt der Pro-Kopf-Verzehr von Fleisch bei etwa 60 kg pro Jahr.


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