Zürich

Top-Themen beim 17. European Foodservice Summit

Es war einmal mehr ein Programm, das ordentlich was zu denken gab: Im Lake Side Casino Zürichhorn direkt am Zürichsee kamen am Dienstag und Mittwoch dieser Woche wieder Spitzen-Manager und Unternehmer der internationalen Foodservice-Branche zur 17. Ausgabe des European Foodservice Summit zusammen. Der diesjährige Lern- und Networking-Event mit rd. 250 hochkarätigen Teilnehmern aus 25 Ländern stand unter dem Motto 'Navigating Through the Digital Storm' – das Thema Digitalisierung und seine Relevanz für die Branche spielte eine zentrale, vielfach thematisierte und durchaus kontrovers diskutierte Rolle.

Als Kronzeuge trat unter anderem Will Shu auf, der Gründer von Deliveroo: Die erst vor drei Jahren gestartete digitale Bestellplattform ist international unterwegs und Inbegriff der online-gestützten Transformation des Delivery-Geschäfts. Gemeinsam mit Protagonisten wie Just Eat, vertreten durch CEO David Buttress, Henchman, repräsentiert durch CEO Ryan Perera, und Domino’s, in Gestalt von Andrew Rennie, CEO Europe von Domino’s Pizza Enterprises aus Australien, dem größten Franchisenehmer der Marke, stellte sich Shu in einer Panel-Diskussion den Fragen von Prof. Chris Muller zu den Perspektiven des Delivery-Business und zur Zukunft der digitalen Vermittler, den neuen Schaltstellen zwischen Angebot und Nachfrage.

Zum Summit gehört elementar der Blick über den Branchenhorizont hinaus. Und auch diesmal wieder lieferten gleich zwei Keynote Speaker spannenden Lernstoff. Autor und Vordenker Douglas Rushkoff aus den USA machte sich stark für ein neues Verständnis von wirtschaftlichem Wachstum: ein engagiertes Plädoyer contra die wirklicher Wertschöpfung nicht zuträgliche Buy-and-Sell-Mentalität von Investoren, speziell im Bereich der digitalen Wirtschaft, doch nicht nur dort ein Hemmschuh für – wie Rushkoff es nennt – Distributed Capitalism.

Hans-Werner Sinn vom Ifo Institut malte ein eher düsteres Bild der Europäischen Union und der europäischen Wirtschaft. Schuldenkrise, Eurokrise, Flüchtlingskrise: Definitiv ist die Idee Europa zumal im Zeichen des Brexit unter Druck, es wäre fatal, davor seine Augen zu verschließen, mahnte der Wissenschaftler. Ohne massive Maßnahmen zur Wiederherstellung des Gleichgewichts in der Europäischen Union – politisch, finanzpolitisch, währungspolitisch – sei die Wirtschafts- und Währungsunion schwerlich überlebensfähig, so die Botschaft.

Trotz Brexit: London ist und bleibt die gastronomische Boomtown schlechthin und inspirierende Destination für Foodservice-Professionals aus ganz Europa. Referent Robin Rowland, Gründer von Yo! Sushi, nahm das Auditorium mit auf eine atemberaubende und kenntnisreiche Trendtour durch die britische Metropole, untermauert durch eine Fülle von Fakten. Zu den spektakulären Newcomern in Town gehört zweifellos Five Guys aus den USA. Das Premium-Burger-Konzept ist der Wachstumsstar schlechthin in UK: CEO John Eckbert ließ auf der Bühne wissen, dass Five Guys nächstes Jahr unter anderem auch in Deutschland Flagge zeigen wird.

Im Auge haben sollte man auch Namen wie Nostrum aus Spanien – das Home Meal Replacement-Konzept kam mit höchst unkonventioneller Preisstrategie erfolgreich durch die Wirtschaftskrise und hat ambitionierte Wachstumsziele weit über das Heimatland hinaus.

Viel zu lernen in Sachen Stadtentwicklung, Stadtmarketing & Co. gab es bei Jan Knikker von der holländischen Design- und Architektur-Company MVRDV: Weit über die architektonische Perspektive hinaus lieferte er so lehrreiche wie unterhaltsame Einblicke in das Projekt Markthalle Rotterdam. Die spektakuläre, im Herbst 2014 eröffnete Markthalle steht für neue urbane Konzepte im Schnittfeld von Wohnen, Arbeiten, Shopping und Gastronomie.

Darüber hinaus bot das zweitägige Programm ein Stakkato an Denkanstößen – ob David Bosshart mit seinem visionären Streifzug durch die digitale Welt von morgen, Gretel Weiß mit ihrer analytischen Betrachtung der Top 99 Erfolgsbilanz der erfolgreichsten Foodservice-Unternehmen Europas oder Fallstudien wie What’s Beef aus Deutschland, Sokkelund Café & Brasserie aus Dänemark sowie Chilango aus London, ein Musterbeispiel in Sachen Crowdfunding.

Content & Community: Längst Legende ist die Schifffahrt auf dem Zürichsee am Abend des ersten Kongresstages. Wiederum das kommunikative und kulinarische Highlight des Events, wie stets hinreißend kreativ becatert von Marché International, erstmals in Kooperation mit Marché Schweiz/Coop, und auch vom Wettergott begünstigt – Sunshine gab’s geschenkt dazu.

Festgehalten wurde der Event fotografisch von Thomas Fedra - eine Bildgalerie vom 17. European Foodservice Summit wird in ein bis zwei Wochen auf cafe-future.net bereitstehen.

Und hier bereits zum Vormerken: Der 18. European Foodservice Summit findet am Dienstag und Mittwoch, den 26. und 27. September 2017 in Zürich statt.

www.efss.ch


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