Coronakrise / Update Nachbarländer (III)

Frankreich schließt Restaurants und Cafés

Seit dem 14. März müssen alle gastronomischen Betriebe in Frankreich geschlossen haben.
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Seit dem 14. März müssen alle gastronomischen Betriebe in Frankreich geschlossen haben.

Als Maßnahme gegen die weitere Ausbreitung des Coronavirus hat der französische Premierminister Édouard Philippe die Schließung aller Unternehmen in Frankreich angeordnet, deren Öffnung nicht unbedingt erforderlich ist. Dazu zählen auch Restaurants, Bars, Cafés und Diskotheken. Von dem Verbot ausgenommen ist das Delivery-Geschäft sowie der Verkauf von Take-away-Gerichten.

Die Anordnung des Premierministers gilt bis zum 15. April 2020. Betroffen sind alle Restaurants, Brasserien, Cafés, Bars, Kinos und Diskotheken in Frankreich. Hotels müssen ihre Bars und Restaurants schließen, dürfen ihre Gäste aber weiterhin über den Zimmerservice versorgen. Eröffnet bleiben dagegen Supermärkte, Bäckereien, Metzgereien, Apotheken, Zeitungs- und Tabakläden sowie Banken und Bestattungsunternehmen.

Die französische Regierung erklärte am Samstag, die Epidemie hätte laut dem Klassifikationssystem des nationalen Pandemieplans die Stufe 3 erreicht. Das bedeutet, dass das Virus im gesamten Staatsgebiet verbreitet und nicht mehr nur auf einzelne Regionen beschränkt ist. Am Montagabend verhängte der französische Staatspräsident Emmanuel Macron zudem eine Ausgangssperre für das ganze Land. Seit Dienstag, dem 17. März 2020, dürfen alle Franzosen ihr Haus nur noch für dringende Besorgungen, Arztbesuche oder ihre Arbeit verlassen. Die Regelung gilt vorläufig für 15 Tage. "Nous sommes en guerre!" (zu dt. "Wir sind im Krieg!") schärfte Macron seinen Landsleuten ein.



Zwar dürfen Gastronomen unter der Verordnung von Édouard Philippe keine Gäste in ihren Räumlichkeiten empfangen und bedienen, die Auslieferung von Essen und der Verkauf zum Mitnehmen ist allerdings gestattet. Viele Gastronomen müssen dafür allerdings kurzfristig ihr Geschäftsmodell umstellen. Für andere, wie etwa Diskothekenbetreiber, ist dies keine Option. In der Landeshauptstadt Paris verkauften viele Betreiber darüber hinaus über die sozialen Medien auch ihre Rohwaren, um keine Lebensmittel zu verschwenden. 

Die, in den Augen vieler französischer Gastronomen, plötzliche Entscheidung des Premierministers sorgte vielerorts für Kritik. So erklärte der Präsident der Union des Métiers et des Industries de L'Hôtellerie (UMIH), Jean Terlon gegenüber dem Radiosender franceinfo: "Ich verstehe diese Hektik innerhalb der letzten 24 Stunde nicht." Die Entscheidung über die landesweiten Schließungen seien gegen 19 Uhr bei den Gastronomen eingetroffen, als diese mitten im Abendgeschäft waren. "Die Reservationen für den Sonntag waren schon da und die Waren ebenfalls. Wer bezahlt uns das?"

Auf die große kulturelle Bedeutung der geschlossenen Restaurants, Cafés und Bistros wies dagegen Jean-Pierre Chedal, Präsident für interprofessionelle Beziehungen bei der Groupement National des Indépendants (GNI), der Berufsorganisation für die unabhängige Gastronomie und Hotellerie in Frankreich hin. "Die landesweiten Schließungen sind ein wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Schock, denn das Zusammenleben wird durch Bistros symbolisiert. Ich denke, wir hätten Vorsichtsmaßnahmen treffen und ein wenig anders handeln können."

Das Café de Flore im Pariser Stadtviertel Saint-Germain-des-Prés ist von den landesweiten Schließungen ebenfalls betroffen.
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Das Café de Flore im Pariser Stadtviertel Saint-Germain-des-Prés ist von den landesweiten Schließungen ebenfalls betroffen.


Laut einer Schätzung des Wirtschaftsministers Bruno Le Maire sind die Umsätze im Hotelsektor in den vom Virus betroffenen Regionen um knapp 20 Prozent zurückgegangen. Für die Gastronomie liegen aktuell noch keine Zahlen vor. Dennoch betont Didier Chenet, Präsident der Groupement National des Indépendants (GNI): "Die Lage ist sehr ernst." Er fordert die Einrichtung eines nationalen Solidaritätsfonds, aus dem Gastronomen und Hoteliers ihre Kosten decken und Verluste kompensieren können. "Nur so werden wir unsere Unternehmen und unsere Arbeitsplätze retten können", ist er sich sicher. 

Hilfsmaßnahmen für die Branche

Bereits jetzt hat das Wirtschaftsministerum unter Bruno Le Maire eine Reihe von Maßnahmen beschlossen, mit denen es Gastronomen und Hoteliers helfen will. Dazu zählen die Aufschiebung von Sozialversicherungs-, Renten- und Lohnsteuerbeiträgen um bis zu drei Monate sowie die Aussetzung von Kredit- und Leasingverträgen bis August 2020 ohne das dafür Verzugszinsen anfallen. Zudem soll keinem Unternehmen  der Zugang zu neuen Krediten verweigert werden. Dafür erhalten die Banken eine staatliche Garantie auf Rückzahlung. Über die staatliche Investitionsbank BPI will der Minister der Branche zudem Darlehen in Höhe von 10.000 bis 10 Mio. Euro und mit einer Laufzeit von 3 bis 5 Jahren zur Verfügung stellen.

Auch den von Didier Chenet geforderten nationalen Solidaritätsfonds will der Minister einrichten. Dieser Fonds wird vom Staat und den Regionen gestiftet und kann private Mittel erhalten. Er richtet sich besonders an kleinere Unternehmen und solche, deren Umsätze um mindestens 70 Prozent gesunken sind und stellt ihnen Beihilfen zwischen 1.500 und 5.000 Euro in Aussicht.

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