Coronakrise / Europa

Grenzübergreifende Sorgen im Gastgewerbe

Vertreter der deutschsprachigen Verbände der Gastronomie und Hotellerie plädieren bei ihrem jüngsten Video-Meeting für länderübergreifend einheitlichere Maßnahmen in puncto Corona.
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Vertreter der deutschsprachigen Verbände der Gastronomie und Hotellerie plädieren bei ihrem jüngsten Video-Meeting für länderübergreifend einheitlichere Maßnahmen in puncto Corona.

20 Vertreter der deutschsprachigen Verbände der Gastronomie und Hotellerie tauschten sich im Juni 2020 über die national unterschiedlichen Herausforderungen der Corona-Krise aus. Im Zentrum der Diskussion, die auf Einladung von HotellerieSuisse per Videokonferenz geführt wurde, standen die Auswirkungen der Coronakrise und die Bewältigung der verheerenden Langzeitfolgen für die Branche.

Vor allem plädierten die Vertreter der deutschsprachigen Branchen-Verbände für ein einheitliches Vorgehen bei der Erweiterung der Reisefreiheit innerhalb Europas und bei der Anwendung der unterschiedlichen Branchen-Schutzkonzepte. Die geltenden Schutzkonzepte der Tourismusbranche, die von Land zu Land oder sogar innerhalb der Länder unterschiedlich geregelt sind, verunsichern die Gäste und dämpfen somit das Geschäft, kritisieren die Verbände.

Positive Zeichen

Die Aufhebung der Maskenpflicht für Gäste, die Verlängerung der Sperrstunde auf 1 Uhr oder die Verringerung der Distanz zwischen den Tischen auf 1 Meter in Österreich werten die Verbands-Vertreter als positive Zeichen, ebenso die Öffnung der Hotel-Wellnessbereiche in Österreich und der Schweiz oder die Erhöhung der Größe der Gästegruppen pro Tisch in der Gastronomie in allen Ländern.

Auch das Thema Geschäftsreisen stand im Fokus des Austausches. Während Betriebe im deutschsprachigen Raum, die auf den Freizeittourismus und entsprechende Nahmärkte fokussiert sind, langsam steigende Buchungszahlen vermelden, so verzeichnen Hotels und Restaurants mit vorwiegend Businesskundschaft oder mit Fokus auf Fernmärkte im Juni nach wie vor eine durchschnittliche Auslastung von unbefriedigenden 10 bis 15 Prozent, heißt es. Hinzu kommt die Prognose, dass sich diese Situation 2020 nur langsam verbessern werde.
"Wir müssen der Öffentlichkeit und insbesondere der Politik klar aufzeigen, dass wir hier von zwei Teilbranchen mit großen Unterschieden bezüglich Kundschaft und Angebotsgestaltung reden", betont Andreas Züllig, Präsident von HotellerieSuisse stellvertretend für alle Beteiligten. Erschwerend komme hinzu, dass die Regierungen und einige Unternehmen weiterhin das Arbeiten im Homeoffice empfehlen und Dienstreisen untersagen.
Jährliches Treffen pro länderübergreifende Zusammenarbeit

Die Hotel- und Gastronomieverbände aus Deutschland, Italien (Südtirol), Liechtenstein, Luxemburg, Österreich und der Schweiz treffen sich einmal jährlich zu einem Austausch. Das diesjährige Treffen auf Einladung von HotellerieSuisse war ursprünglich in Solothurn geplant, musste jedoch aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt werden. Die Verbände pflegen untereinander einen regen, partnerschaftlichen und konstruktiven Austausch, um gemeinsame Herausforderungen meistern zu können.



Das gewonnene Gehör nutzen

Die deutschsprachigen Verbände betonten übereinstimmend, dass sie die Anliegen der Gastronomie und Hotellerie während der Coronakrise in der Politik mit Nachdruck vertreten konnten und die Branche politisches Gehör gefunden habe. Das in den vergangenen Monaten gewonnene Profil solle nun genutzt werden, um für die besonders stark betroffenen Regionen und Betriebe aller Größenordnungen weitere Unterstützung zu erwirken. Im Mittelpunkt der Bemühungen müssen hier je nach Land bestimmte Schwerpunktthemen stehen, etwa die Verlängerung der Kurzarbeit, nicht rückzahlbare Zuschüsse zu Betriebskosten, Senkungen der Mehrwertsteuer oder die Stundung von Rückzahlungen für Überbrückungskredite und Darlehen.

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