Coronakrise / Re-Start Schweiz (III)

SV Group hofft auf 60 Prozent des Vorjahresumsatzes

 Der Lockdown und der damit verbundene Stillstand hat die SV Group Schweiz veranlasst, eine eigene Delivery-Lösung "Andiamo" zu entwickeln. Im Moment funktioniert sie an drei Standorten – Zürich, Bern und Basel.
SV Group Schweiz
Der Lockdown und der damit verbundene Stillstand hat die SV Group Schweiz veranlasst, eine eigene Delivery-Lösung "Andiamo" zu entwickeln. Im Moment funktioniert sie an drei Standorten – Zürich, Bern und Basel.

Die Gastronomie in der Schweiz ist seit 11. Mai wieder geöffnet. Nach achtwöchiger Lockdownphase gelten nun strenge Abstands-Auflagen, am Tisch sind maximal vier Personen erlaubt, weitere Schutzvorschriften sind einzuhalten. Ab 6. Juni sind weitere Lockerungen seitens des Schweizer Bundesrates beschlossen. Redaktion FOOD SERVICE sprach mit Gastronomen verschiedener Segmente – hier der Catering- und Gemeinschaftsgastro-Spezialist SV Group Schweiz zu den Perspektiven nach dem Re-Start.

Neu eröffnete Restaurants, der binnen kürzester Zeit neuentwickelte, unternehmenseigene Lieferservice Andiamo Delivery, Ausbau der digitalen Services und ein behutsamer Umgang mit Investitionen. Dies sind die wesentlichen Eckpfeiler des Maßnahmenkataloges der SV Group Schweiz, die während des Lockdowns und im Zuge des Re-Starts die unternehmerische Zukunft sichern sollen. "Wir haben uns sehr gefreut, dass wir endlich wieder Gäste bei uns begrüßen dürfen" sagt Manuela Stockmeyer, Group Communications Manager, SV Schweiz AG, Dübendorf. "Entsprechend haben wir die Wiedereröffnungen sorgfältig vorbereitet und ein feines, saisonales Menü-Angebot kreiert."

60 Prozent der Gastro geöffnet

Rund 60 Prozent der Betriebe der SV Group sind in der dritten Maiwoche geöffnet oder teilgeöffnet. Aufgrund der behördlichen Vorgaben (4 Gäste ein einem Tisch, max. 2 m Abstand etc.) sind diese zu etwa 50 Prozent bestuhlt. Weiterhin geschlossen sind noch viele Schulmensen, da viele Schulen und Universitäten in der Schweiz ihren Betrieb erst am 8. Juni wiederaufnehmen. "Da immer noch viele Gäste im Home-Office arbeiten, sind die Gästefrequenzen leider sehr niedrig. Diejenigen Gäste aber, die wiederkommen, freuen sich, wieder ein Stück weit Normalität zu erleben", konstatiert Stockmeyer.
Mit Gästeplakaten begrüßt die SV Group Schweiz ihre Gäste in den Restaurants (wieder) willkommen.
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Mit Gästeplakaten begrüßt die SV Group Schweiz ihre Gäste in den Restaurants (wieder) willkommen.

Eröffnen, wo es Sinn macht

Darum eröffnet die SV Group Schweiz nur Restaurants, für die mit dem Auftraggeber bzw. dem Kunden, eine Vereinbarung hinsichtlich der Kosten gefunden werden konnte. "Eines ist klar: Unter den gegebenen Umständen ist ein wirtschaftliches Arbeiten ohne Unterstützung des Kunden nicht möglich. Die Gästepreise selbst bleiben unverändert und werden nicht angepasst", betont Manuela Stockmeyer. Trotzdem hoffe die SV Group Schweiz, in diesem Jahr rund 60 Prozent des Vorjahresumsatzes erwirtschaften zu können.

Eigene Delivery-Lösung entwickelt

"Der Lockdown und der damit verbundene Stillstand haben uns dazu bewegt, unsere eigene Delivery-Lösung "Andiamo" zu entwickeln. Im Moment funktioniert sie an drei Standorten – Zürich, Bern und Basel – und richtet sich an Unternehmen ohne Restaurant oder an solche, deren Restaurant geschlossen ist", berichtet Stockmeyer. Im Rahmen von Andiamo können Gäste ihre Bestellung via einer eigens kreierten Plattform mit integrierter Online-Zahlung aufgeben. Sie wählen aus einer Vielzahl von Lunchboxen, fixfertigen Salaten, Sandwiches, Müeslis und Getränken.

Bis um 9 Uhr am Liefertag werden Bestellungen angenommen, was den Gästen Flexibilität in ihrer Tagesplanung ermöglicht. Die Menus werden zum vereinbarten Ort und Zeitpunkt gekühlt ausgeliefert. "Speziell in Zeiten wie diesen, wo vieles geschlossen ist, schätzen die Arbeitnehmer die pünktliche Lieferung einer frisch zubereiteten Mahlzeit. Diesen Service wollen wir weiter ausbauen und entwickeln", kündigt Stockmeyer an.
Über die SV Group
Die SV Group mit Sitz in Dübendorf ist eine Gastronomie- und Hotelmanagement-Gruppe mit den Geschäftsfeldern Gemeinschaftsgastronomie, öffentliche Gastronomie und Hotel. Unter der Marke SV Restaurant betreibt das Unternehmen mehr als 300 Mitarbeiterrestaurants und Mensen in der Schweiz.

Das Unternehmen geht auf die 1914 von der Pionierin Else Züblin-Spiller gegründete Non-Profit-Organisation "Schweizer Verband Soldatenwohl" zurück. Sie betrieb Soldatenstuben und bot dort ausgewogene und preiswerte Verpflegung an. Die ideellen Werte des Gründervereins werden heute von der SV Stiftung weitergeführt.

Im exklusiven Top CH Ranking von foodservice belegt der Catering- und Gemeinschaftsgastro-Spezialist SV Group Schweiz Rang 3 mit einem gastronomischen Netto-Umsatz 2018 von 513 Mio. Schweizer Franken (+ 1,6 % zum Vj.; Schätzwerte der Redaktion) in 316 Betrieben. Die SV (Deutschland) belegt im exklusiven gv-praxis-Ranking der Contract Caterer 2019 Platz 7 mit einem Jahresumsatz von 187,8 Mio. € (+2,8 %).

Umfassendes Schutzkonzept

Unverändert wichtig seien der Schutz und die Gesundheit der Gäste und der eigenen Mitarbeitenden. Dazu wurde in der SV Group Schweiz in den letzten Wochen ein umfassendes Schutzkonzept erarbeitet, das sich auf die Hygiene- und Verhaltensregeln der Behörden stützt und mit Konzepten der Branche und der Verbände abgestimmt ist. "Darauf basierend haben wir für jeden Betrieb ein detailliertes Schutz- und Hygienekonzept erstellt", ergänzt Stockmeyer.

Digitale Lösung für Kontaktdaten

Da Gäste in der Schweiz ihre Kontaktdaten freiwillig hinterlegen, hat die SV Group eine digitale Lösung entwickelt: Mittels QR-Code werden die Gäste auf ein Formular verwiesen, in das sie ihre Angaben einfach und bequem eintragen können. Nach zwei Wochen werden diese Daten gelöscht. "Allerdings stellen wir und auch die Branche fest, dass viele Gäste keine Lust haben, ihre persönlichen Daten mitzuteilen", bedauert Manuela Stockmeyer.

Zurückhaltung bei Investitionen

Bezüglich Renovierungs- und Investitionsplänen zeigt sich die SV Group in ihren Betrieben derzeit eher zurückhaltend. "Primär investieren wir in zukunftsträchtige Projekte, die es uns u.a. erlauben, noch besser auf die Gästewünsche einzugehen. Sichtwort Digitalisierung. Dennoch treiben wir unsere Wachstumsstrategie weiter voran. Die Coronakrise wird dies sicher etwas verlangsamen, aber nicht aufhalten", bekundet Stockmeyer.

Umsätze sanken schnell

Generell sei Corona-bedingt zu beobachten: "Auch wenn wir bereits in einem frühen Stadium eine Vielzahl an Maßnahmen eingeleitet und DACH-weit Kurzarbeit eingeführt haben, sind die Umsätze schneller zurückgegangen, als wir Kosten reduzieren konnten. Dies führte vor allem im März und April zu einem großen Abfluss an Liquidität, der sich, so wie sich die Lage heute präsentiert, in die Folgemonate weiterziehen wird. Nicht zuletzt dank dem Beitrag unserer Kunden und Partner sind wir zuversichtlich, dass wir auch bei einem Anhalten der Krise in keinen Liquiditätsengpass kommen werden. Diese Situation bedeutet aber auch, dass wir hinsichtlich Investitionen zurückhaltend und überlegt agieren."



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