Coronakrise / Schweiz

Gastro-Kampagne zeigt Herzblut

Gastgeber aus zehn Städten der Schweiz zeigen derzeit auf Plakaten, dass sie ihre Gäste vermissen; eine Aktion des Branchenverbandes Gastrosuisse.
Gastrosuisse
Gastgeber aus zehn Städten der Schweiz zeigen derzeit auf Plakaten, dass sie ihre Gäste vermissen; eine Aktion des Branchenverbandes Gastrosuisse.

Mit einer landesweiten Plakat- und Social Media-Kampagne geht derzeit der Schweizer Branchenverband Gastrosuisse für die Gastronomie bzw. das Gastgewerbe in die Offensive. Die Marketing-Aktion soll das Herzblut und Engagement der Gastronomie kommunizieren, die mehrheitlich wieder geöffnet hat und die Schweizer Bevölkerung anregen, wieder die gastronomischen Angebote zu nutzen, gerne vor Ort. Redaktion FOOD SERVICE fragte Gastrosuisse-Marketingleiter Michael Siebenmann, welche Ziele sich erfüllen sollen.

Lieber Herr Siebenmann, wie groß ist derzeit die Bereitschaft der Schweizer Bevölkerung, wieder in den Restaurants essen zu gehen und welche Resultate erhoffen Sie sich durch die Kampagne?
Michael Siebenmann: Zahlen zur Bereitschaft der Gäste, wieder auswärts essen zu gehen, liegen uns nicht vor. Die Situation ist enorm dynamisch und jedes Stimmungsbild spiegelt nur eine Momentaufnahme wider. Wir glauben jedoch, dass viele Menschen wieder das Bedürfnis nach einem gastronomischen Angebot und gesellschaftlichem Austausch haben. Eventuell vorhandene Hemmungen, diesem Bedürfnis nachzugeben, wollen wir mit unserer Kampagne aktiv abbauen.
Restaurants, Bars und Clubs haben eine große soziale Bedeutung. Wie viel Mehrumsatz die Kampagne in einem einzelnen Betrieb auslösen kann, ist schwer vorauszusagen. Bei einem Restaurantbesuch spielen viele verschiedene Faktoren zusammen. Uns geht es aber vielmehr darum, die grundsätzliche Freude des Gastgewerbes auf das Wiedersehen mit den Gästen zum Ausdruck zu bringen. Wir möchten aufzeigen, dass sich tagtäglich sehr viele Menschen mit Herzblut dafür einsetzen, um ihren Gästen nach den Zeiten der Entbehrung ein schönes Erlebnis bieten zu können. Und es geht darum, in der Bevölkerung Vertrauen zu schaffen und allfällige Unsicherheiten abzubauen.
Marketingkampagne: "Wir haben Euch vermisst“"
Seit 15. Juni 2020 signalisiert die landesweite Marketingkampagne des Schweizer Branchenverbandes Gastrosuisse der Bevölkerung die Herzensbotschaft: "Wir haben Euch vermisst!"
Im Zentrum steht eine in drei Sprachen geführte Plakatkampagne, die auch in den sozialen Medien und in Newsportalen ihren Niederschlag finden soll – geplante Dauer bis Anfang Juli.
Die Freude des Gastgewerbes auf das Wiedersehen mit den Gästen nach dem Corona-Lockdown wird durch authentische Bilder zum Ausdruck gebracht, auf denen Gastgeberinnen und Gastgeber aus der ganzen Schweiz die Bevölkerung in ihren Betrieben wieder willkommen heißen. "Mit dieser Kampagne möchten wir zum Ausdruck bringen, dass die Zeit gekommen ist, um wieder auszugehen und das vielfältige gastgewerbliche Angebot zu genießen", stellt Gastrosuisse-Direktor Daniel Borner fest, der maßgeblichen Anteil an der Entstehung der Kampagne hat.  Es gehe darum, die Bevölkerung darin zu bestärken, allfällige Unsicherheiten abzubauen und wieder Vertrauen zu fassen.

In Ihrer jüngsten Umfrage zeigte sich, dass rund drei Viertel der Schweizer Gastro-Betriebe den Re-Start wagten und es unklar ist, ob und wie viele geöffnet bleiben werden. Wie ist Ihre Prognose und Hoffnung, an diesen Werten etwas zu verändern und in welchem Ausmaß?
Einer ersten Umfrage unter unseren Mitgliedern zufolge ging die Mehrheit davon aus, einen Verlust zu erwirtschaften. Seit der Umfrage gab es weitere Lockerungen, so sind beispielsweise wieder größere Gästegruppen erlaubt. Hiervon erhoffen wir uns positive Auswirkungen auf die Geschäftslage. Für eine tiefergehende Beurteilung ist die Situation noch nicht verlässlich genug. Konkrete neue Zahlen liegen uns deshalb noch nicht vor.

Derzeit läuft die Kampagne in zehn großen Schweizer Städten, wie viele Gastronomen werden als Testimonials pro Stadt präsentiert und wie haben Sie diese ausgewählt? #wemissedyoutoo wurde bewusst so gestaltet, damit sich die ganze Branche repräsentiert fühlt. Darum wurden echte, authentische Gastgeberinnen und Gastgeber gewählt, die die Krise am eigenen Leib erlebt haben und die nun wieder neu aufmachen können. Wir wollten keine bekannten Promi-Gesichter verwenden, sondern "Local Heroes", die ihre Betriebe ebenfalls mit Herzblut und Freude führen. Konkret ausgewählt wurden sie aufgrund von Empfehlungen der Kantone und der Redaktion unseres Fach- und Verbandsmagazins GastroJournal.
„Wir möchten aufzeigen, dass sich tagtäglich sehr viele Menschen mit Herzblut dafür einsetzen, um ihren Gästen nach den Zeiten der Entbehrung ein schönes Erlebnis zu bieten.“
Gastrosuisse-Direktor Daniel Borner

In welchen Städten läuft aktuell die Aktion und welche sollen wann folgen?
Am 15. Juni startete die Kampagne in den zehn größten Schweizer Städten: Zürich, Bern, Basel, Biel, Luzern, Lugano, St. Gallen, Winterthur, Genf und Lausanne. In einer zweiten Phase ab dem 22. Juni folgt dann der Schritt in die kleineren Städte und in die Peripherie.

Und wie funktioniert die weitere Verbreitung? Wer ist da involviert bzw. unterstützt die Kampagne?
Begleitend zu den Plakaten wird die Kampagne auch auf den sozialen Medien ausgerollt. Hierbei geht es uns um Reichweite, aber auch darum, dass sich jeder und jede Betroffene beteiligen kann und sein Statement ebenfalls geben kann. Partnerverbände und andere Branchenpartner haben die Möglichkeit, die Kampagne via eigener Kanäle zu unterstützen und in ihrer Region zu verstärken. Jeder Betrieb kann den Schriftzug der Kampagne nutzen, diesen mit einem Bild personalisieren und so die Botschaft #wemissedyoutoo ebenfalls auf den eigenen Kanälen weiter verbreiten. Finanziell wurde die Kampagne von Schuler Weine und ihrer Solidaritätsaktion helpwithabottle.today unterstützt.
Über Gastrosuisse

Gastrosuisse definiert sich als größter gastgewerblicher Arbeitgeberverband der Schweiz mit rund 20.000 Mitgliederbetrieben (davon rund 2.500 Hotels), organisiert in 26 Kantonalverbänden und vier Fachgruppen.





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