Education, London

Die Garten-Schule

Bei der Gartenarbeit lenen die Kinder lesen, schreiben und rechnen – und schöpfen Selbstvertrauen im Team.
John Baker
Bei der Gartenarbeit lenen die Kinder lesen, schreiben und rechnen – und schöpfen Selbstvertrauen im Team.

"Taten statt Worte" lautet das Motto der staatlichen Charlton Manor Grundschule in Londons Südosten. Sie motiviert Kinder aus sozial schwachen Familien vorbildlich zum Lernen – mit einem Thema, das alle interessiert: Essen. Und das gibt es für die meisten sogar kostenfrei.

Dieser Text ist ein Exzerpt. Der Bericht ist im Special Ess-Klasse junior der Februar-Ausgabe der gv-praxis erschienen.

Secret Garden – verheißungsvoll prangt der Name auf dem Eisentor. Verschlungene Pfade führen zum Teich, zu Hochbeeten, Gewächshäusern. Hier bauen Schüler Artischocken, Sauerklee und Oliven an und versorgen 24 Hühner, die für sie Eier legen. Der erste Bienenstock hat 2018 Gesellschaft von einem zweiten bekommen. So soll der bisherige Ertrag von jährlich 80 Gläsern Honig (je 300 ml) verdoppelt werden.

Gärtnern, kochen, verkaufen – genießen

Insgesamt macht die Gartenernte je nach Saison bis zu 30 Prozent der für die Schule benötigten Lebensmittel aus. Ein Teil wird an das Restaurant Sticks 'n' Sushi im benachbarten Viertel verkauft. Im Kiosk verkaufen acht Kinder im Wechsel Frisches aus dem Garten sowie Selbstgemachtes aus der Küche. Einnahmen bei nur kurzen Öffnungszeiten pro Woche: immerhin 33 Euro. Lerneffekt: Unternehmerdenken.

Charlton Manor Primary School, London: Die Garten-Schule


Während die Kids Insekten beobachten oder die nächste Aussaat planen, sitzen sie auf Baumstümpfen, die ihr Lehr-Gärtner aufgestellt hat. Sie pflücken Kiwis, ernten Erdnüsse, setzen Kartoffeln und lernen dabei rechnen, schreiben und lesen – ohne Stillsitzen im Klassenzimmer. Mehr als 80 Prozent der 450 Grundschüler zwischen vier und elf Jahren kommen aus armen Familien oder leben in staatlicher Obhut. Echte Arbeit soll ihre schulische und persönliche Entwicklung fördern. Lernen fürs Leben nennt es der Kopf des Konzepts, Schuldirektor Timothy Baker, und spricht von seiner Food Revolution. "Die Frage ist: Wie können wir Kinder auf das Leben vorbereiten, damit sie verantwortungsvolle Erwachsene werden?" Bakers Methode: Anpacken und praktisch arbeiten.
„Essen ist ein erstaunliches Medium, um nahezu alle Lernziele des Nationalen Lehrplans zu vermitteln – inklusive Mathe oder Geschichte.“
Timothy Baker, Schulleiter
Der Schulleiter wünscht sich selbstständige, fantasievolle Kinder, die in der Gemeinschaft gedeihen, von ihr profitieren und sie bereichern. "Unsere Schüler sind motiviert und lösungsorientiert. Sie sind selbstbewusst bei der Sache", erzählt er. Problemfälle aus anderen Schulen blühen hier auf, weil die Lehrmethoden alle Sinne ansprechen. Die kindgerechte Küche wurde 2013 auf Drängen der Kinder hin installiert!

Charlton Manor Primary School, London
Schulleiter: Timothy Baker
Schüler: 450 in 18 Klassen, 4 bis 11 Jahre
Nachmittags: pro Jahr 400 Schüler bis 15 Jahre
Personal: 60, davon 1 Lehr- und 1 Mensakoch, 1 Gärtner, 18 Klassenlehrer
Lernorte: Schulgarten mit 2 Hochbeeten, 700 qm Woodland Farmfläche, Lehrküche, Restaurant, Kiosk, TV-/Radio-Studio
Essen: 500/Tag
Angebot: Fleischgerichte, Suppe, vegan, vegetarisch, Salat- und Obsttheke
Preis: kostenfrei bis 7 Jahre, 2,70 €/Essen
Ernte: Eier, Honig, Kartoffeln, Oliven, Artischocken, Kiwis, Kürbisse, Erdnüsse...
Lebensmittel: 30 % Eigenproduktion, 70 % Zukauf
Kiosk-Erlös: 33 €/Woche


Wie man die Lehrplan-Lektüre, die Geschichte des altens Roms und Sozialkunde über die Arbeit in Küche, Garten und Schulrestaurant vermittelt lesen gv-praxis-Abonnenten im Februar-Heft oder im E-Paper.




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