Großbritannien

Rindfleischfrei studieren in London

Das Wintersemester der Hochschule für Kunst und Sozialwissenschaften in London startet ohne Rindfleisch pattys in Burgern.
Sol Ingrao/unsplash.com
Das Wintersemester der Hochschule für Kunst und Sozialwissenschaften in London startet ohne Rindfleisch pattys in Burgern.

In den Mensen des Goldsmith College in London verschwindet ab September jegliches Rindfleisch von den Tellern. Kein Burger, kein Chili con Carne mehr. Auch die Rindswurst ist passé. Die neue Rektorin Professor Frances Corner will die Hochschule bis 2025 kohlendioxidfrei machen.

Mit zu den Maßnahmen der resoluten neuen Chefin gehören der baldige Wechsel zu einem hundertprozentigen Ökoenergie-Anbieter, der Ausbau der Schrebergärten am College und ein Aufpreis von 10 Pence auf Wasser in Flaschen und Einwegbecher. Die Mehreinnahmen fließen in eine ökologisch orientierte studentische Initiative. Flankiert werden die Maßnahmen durch ein organisiertes Recycling- und Wiederverwertungsprogramm. So werden in dem College mit etwa 10.000 Studierenden noch haltbare Lebensmittel, gut erhaltene Kleidung, Schuhe und auch Fahrräder regelmäßig eingesammelt und gemeinnützigen Organisationen übergeben.

Klimawandel geht alle an

"Keine Organisation kann es sich leisten, den Klimawandel zu ignorieren", sagt Corner. "Jeder muss seinen Teil dazu beitragen, die Klimaerwärmung aufzuhalten." Und im College erkennt sie hohes Engagement seitens der Studierenden und Mitarbeiter. So sei der CO2-Austoß in den letzten drei Jahren bereits um rund 10 Prozent reduziert worden, indem unter anderem 107.000 KWh Solarstrom selbst erzeugt wurden. Die Zahl der Solarpanele soll weiter erhöht werden. Auch will das College künftig nicht mehr in Fonds investieren, zu deren Portfolio mehr als 10 Prozent Erlöse aus der fossilen Energiewirtschaft gehören.

Die aktuelle Erklärung aus London passt zum kürzlich im Königreich ausgerufenen Klimanotstand und reiht sich ein in die Aktivitäten mehrer britischer Hochschulen. Bereits 2016 fasste die Universität Cambridge den Beschluss, die Verpflegung seiner Studenten möglichst umweltfreundlich zu gestalten und stellte für den Universitiy Catering Service den Maßnahmenkatalog "Sustainable Food Policy" auf. Rind- und Lammfleisch wurden aus dem Speisenplan gestrichen. Andere tierische Produkte sollen aus britischer Haltung gemäß dem "Red Tractor Assured"-Standard stammen. Dafür sollten vegetarische und vegane Gerichte stärker promotet werden. Fisch wird aus zertifizierter nachhaltiger Aufzucht (MSC) bezogen und die Lebensmittelverschwendung gezielt reduziert zum Beispiel über Schulungsmaßnahmen für das Mensapersonal.

Fleischverzicht für Gesundheit und Volkswirtschaft

Auch einige Colleges in Oxford haben fleischfreie Tage in ihren Mensen eingeführt. Eine Studie der Universität Oxford hatte zudem im Herbst 2018 ergeben, wie sehr die herkömmliche Fleischproduktoin das Klima belastet und wie teuer Fleisch sein müsste, um das Klima wie auch die Gesundheit der Verbraucher effektiv zu schützen. Die Studie hat errechnet, dass sich allein in Deutschland 19.000 Todesfälle jährlich vermeiden ließen, wenn die Preise für unverarbeitetes Fleisch von Rind, Schwein und Schaf um 28 Prozent, für Produkte wie Würstchen, Schinken oder Speck sogar um 166 Prozent stiegen. Um vier Milliarden US-Dollar könnte die Volkswirtschaft entlastet werden, so die Untersuchung. Die Zahl entspricht den Kosten für die Behandlung von Krebs- und Herzkreislauferkrankungen infolge zu hohen Fleischkonsums inklusive dem so verursachten Produktivitätsverlust.

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