Magdas Social Business, Österreich

Nachhaltig planen und kochen

Re-use und Upcycling haben bei Magdas Methode und sind schick: die design-starke Paneelwand war früher die Deckenverkleidung eines Bürogebäudes, das Parkett lag in einem Caritas-Seniorenhaus.
ATP/Forian Schaller
Re-use und Upcycling haben bei Magdas Methode und sind schick: die design-starke Paneelwand war früher die Deckenverkleidung eines Bürogebäudes, das Parkett lag in einem Caritas-Seniorenhaus.

Die Catering-Sparte der Caritas-Tochter Magdas in Wiens 23. Bezirk betreibt seit einigen Monaten eine neue Großküche – in einem zertifiziert nachhaltigen Gebäude. Viel Energie für die im Cook&Chill-Verfahren zubereiteten Speisen wird selbst erzeugt oder "wiederverwertet". Up- und Recycling lautet die Philosopie des Social-Business-Unternehmens.

Rund ein Drittel der 35 Mitarbeiter der neuen Großküche sind Menschen, die es aus unterschiedlichen Gründen schwer hatten einen Job zu finden – ehemals langzeitarbeitslose Menschen, Menschen mit Fluchthintergrund sowie Menschen mit Behinderung. Sie bereiten das Mittagessen für das Office-Team des Unternehmens zu sowie für Seniorenhäuser, Kitas, Schulen, Büros und Kantinen – und für sich selbst. Insgesamt etwa 15.000 Portionen pro Woche. Die Kapazität der Großküche ist auf 25.000 Essen ausgelegt.

Magdas Social Business, Österreich : Rundum nachhaltig


Den Großteil der Zutaten liefern österreichische Bauern und Produzenten, berichtet der Leiter von Magdas Essen, Markus Gerauer. Die Bio-Quote liegt bei etwa 30 Prozent. "Damit stärken wir heimische Unternehmen, sichern Arbeitsplätze und verhindern, dass Lebensmittel unnötig lang in der Gegend herumfahren." Zudem gibt der eigene Garten einiges her: Urban Gardening wird auf der Dachterrasse betrieben, rund um das Haus ist ein sortenreicher Obstgarten entstanden, dazu gibt es Hochbeete aus Altholz im Gemeinschaftsgarten. Wichtig sind ihm als Unternehmer die fairen Arbeitsbedingungen der Produzenten. "Auch das ist Teil einer Küche mit sozialem Mehrwert", sagt er.

Sozio-ökologischer Ansatz

Seit der Eröffnung Ende Februar hat sich die Qualität herumgesprochen und das Team freut sich über immer mehr externe Gäste. Waren es anfangs hauptsächlich Caritas-Einrichtungen, die beliefert wurden, ist das Spektrum der Kunden ebenfalls breiter geworden. "Wir wollen beweisen, dass soziales Handeln und wirtschaftlicher Erfolg kein Widerspruch sind" erklärt Caritas Wien-Geschäftsführer Alex Bodmann. "Wir fokussieren auf die Stärken unserer MitarbeiterInnen und nicht auf etwaige Defizite." Folglich ist das Gebäude natürlich barrierefrei, die 3.200 Quadratmeter auf zwei Ebenen vor allem aber auch nachhaltig in punkto Energieverbrauch und verwendetem Material. Die Philospophie heißt Wiederverwenden und neu Aufarbeiten.

Cook&Chill-Energie im Kreislaufsystem

Das Gebäude vereint neueste Umwelttechnik mit Bauteilen, die Geschichten erzählen. Der Parkettboden stammt aus einem ehemaligen Seniorenhaus der Caritas, die auffällig gestaltete Paneelenwand in der Kantine diente zuvor als Deckenverkleidung in einem Bürogebäude, die Holzverkleidung und der Boden der Terrasse waren in ihrem früheren Leben ein alter Stadel. Selbst die Terrassenmöbel und Hochbeete sind aus den Handläufen eines aufgelassenen Industriegebäudes gefertigt.

Die Abwärme der Großküche heizt das gesamte Gebäude ohne weitere Energiequellen. Das Regenwasser bewässert und reinigt die Außenanlagen. Die Energie für den Küchenbetrieb kommt teilweise vom Solardach. Laut Planungsbüro ATP Architekten Ingenieure wurde die Großküche mit Gold (961 von 1.000) möglichen Punkten der Nachhaltigkeitszertifizierung ÖGNB ausgezeichnet. Auch E-Ladestationen gehören zur Anlage.

So fühlt sich das Social Business fühlt nun gut aufgestellt für noch mehr Aktivitäten. Neben der Gemeinschaftsverpflegung wird auch eine Event-Catering-Sparte aufgebaut.

Über Magdas
Magdas wurde im April 2012 als Tochter der Caritas der Erzdiözese Wien gegründet. Der Social-Business-Gedanke geht auf Nobelpreisträger Muhammad Yunus zurück: Alle Magdas Projekte tragen sich wirtschaftlich selbst und ihr oberstes Unternehmensziel ist die Lösung eines sozialen Problems. Magdas betreibt die vier Sparten Hotel, Reinigung, Essen und Recycling. Hinzu kommt Magdas Kantine in der Ankerbrotfabrik mit Frühstück, Mittagstisch und Snack-Angebot. Mit "Magdas mag's wissen" bietet das Unternehmen auch Trainings und Personalentwicklungsmaßnahmen, um vorhandene Potenziale der Mitarbeiter zu fördern. So sollen Menschen mit geringeren Jobchancen langfristig in den Arbeitsmarkt integriert werden.


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