Mediamatic Eten, Amsterdam

Vegan dinieren im Gewächshaus-Séparée

Speisen in der gläsernen Loge. Die kleinen Gewächshäuser beherbergen sonst Kunst und Foodforschung. Nun wurden sie virengeschützte Dinner-Plätze für Zwei.
Anne Lakeman for Mediamatic Amsterdam
Speisen in der gläsernen Loge. Die kleinen Gewächshäuser beherbergen sonst Kunst und Foodforschung. Nun wurden sie virengeschützte Dinner-Plätze für Zwei.

Vor Wind, Wetter und Viren geschützt speisen die Gäste im Restaurant des Amsterdamer Kulturzentrums Mediamatic vorübergehend in gläsernen Logen direkt an der Mole. Die fünf kleinen Gewächshäuser laden zum veganen Erlebnis in besonderem Ambiente ein – bis das Restaurant wieder öffnen darf.

Vegane 3- oder 4-Gänge Menüs für Zwei im intimen Mini-Glashaus sind die aktuelle Spezialität des Mediamatic Eten in Amsterdam. Zwei bis drei Personen – selbstverständlich aus einem Haushalt – finden gemeinsam Platz zum exklusiven Dinieren in einem der fünf Mini-Gewächshäuser.


Reservieren konnte man Termine zwischen dem 21. Mai und 27. Juni, pro Abend zwei Timeslots pro Tisch. Man erwirbt jeweils Tickets für Zwei und zahlt im Voraus. Für einen dritten Gast zahlt man den Aufpreis vor Ort. Genießt man lieber ganz allein, gibt es entsprechenden Rabatt. Allerdings! Das Konzept hat schnell seine Fans gefunden: Alle Termine sind längst ausgebucht.

Getestet wurde das Konzept Ende April. Nun warten die Schöpfer der gläsernen Dinner-Intimität auf die behördliche Genehmigung.

Gemüse essen wo es wächst

Normalerweise werden die Menüs im großen Gewächshaus serviert und besonders inszeniert. Dort sind die Gäste umgeben von Kunstwerken und Pflanzen. Verwendet werden Gemüse, Kräuter und essbare Blumen aus eigenem Anbau im Aquaponik-Kreislaufsystem. Nach Möglichkeit kommen biologische, nachhaltige und lokale Speisen in Töpfe und Pfannen.

Sonntag, Montag und Dienstag steht Pizza auf der Karte – eine Minute gebacken bei 450 Grad Celsius. "Nero, Rosso, Verde sind nur einige der Pizzas, aus denen Sie wählen können. Dies ist eine laufende Forschung, also erwarten Sie unerwartete Geschmacksrichtungen!", verheißt die Karte. Gibt es auch einmal Fisch, stammt er aus Amsterdamer Gewässern.

Um den Lebensmittelkreislauf zu schließen, werden die organischen Abfälle der Küche in besonderen Containern vor Ort kompostiert. Diese Erde füllt die ausgeklügelten Aquaponik-Anlagen, die wiederum im Wasser- und Nährstoffaustausch mit einem Aquarium funktionieren.

Mediamatic Eten, Amsterdam: Vegan im Glashaus


Ernährung neu denken

Vegan, fermentiert oder mit Fisch – die Köche des Mediamatic Eten kreieren maßgeschneiderte Menüs für viele Gelegenheiten. Die Küche ist offen gestaltet. Stolz präsentiert man den selbstgebauten Lehmofen für Pizza und Brot, der die Standardausrüstung ergänzt.

Küchenteam und das zum Networking-Ensemble gehörende Mediamatic Biotoop organisieren und catern zudem Events, Workshops und Vortragsreihen – und laden regelmäßig selbst zum Koch- und Food-Workshop ein. Zum Beispiel Food Design mit Giulia Soldati and Tommaso Buresti, Fermentieren oder "How to Tofu".

Die beiden kreativen Köpfe der Mediamatic-Küche haben beispielsweise das Dinner-Konzept A La Mano entwickelt. Der als Neo Futurist Dinners bezeichnete Ansatz legt Besteck ad acta und holt die sinnliche Erfahrung des Essens wieder aus der kulturellen Versenkung.
Über das Mediamatic Eten
Die 25 kreativen Macher rund um Gründer Wilhelm Velthoven sind Pädagogen, Köche, Eventmanager, Food-Designer, Künstler und Wissenschaftler. Der Networking-Hub Mediamatic widmet sich seit 1983 widmet konsequent bio-technologischen Entwicklungen und zeitgenössischer Kunst. Zum Konzept gehören Co-Working-Spaces, Vortragsreihen, Workshops und Kunstprojekte in einem dynamischen, internationalen Netzwerk aus Kunst und Wissenschaft. "Wie können Kunst, Design und Wissenschaft gemeinsam neue lebendige Materialien hervorbringen?", lautet die Frage. Experimentiert wird mit ungewohnten Grundstoffen wie Bakterien, Pilzen oder auch Urin – unter anderem, um beispielsweise bald Plastik zu ersetzen.




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