Nestlé-Offensive

Nährwertampel nicht in Deutschland

Nestlé wartet für die Kennzeichnung seiner Produkte in Deutschland auf eine Entscheidung des Bundesernährungsministeriums.
Nutri-Score
Nestlé wartet für die Kennzeichnung seiner Produkte in Deutschland auf eine Entscheidung des Bundesernährungsministeriums.

In Frankreich, Belgien und der Schweiz will der Schweizer Nahrungsmittelkonzern Nestlé das Nährwert-Logo "Nutri-Score" auf seinen Produktverpackungen verwenden. In diesen drei Ländern empfehlen die dortigen Gesundheitsbehörden den Farb-Code. In Deutschland wartet man noch auf das Okay des Ernährungsministeriums.

Das deutsche Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) unter Julia Klöckner arbeitet noch an einer eigenen Kennzeichnung und will eine Verbraucherbefragung im Sommer abwarten. Danach will man entscheiden, welches Informations-Modell angewendet werden soll. Darauf will das Schweizer Unternehmen jedoch nicht mehr warten und startet außerhalb Deutschlands mit der Nährwert-Farbampel Nutri-Score. Diese fasst die Nährwertqualität von Lebensmitteln in eine fünfstufige Skala von A bis E, die den Konsumenten über den Gehalt von Zucker, Fett, Salz, Ballaststoffen und Proteinen informiert.


Ermittlung des Nutri-Score-Wertes

Der Nutri-Score basiert auf den Nährwertangaben für 100 Gramm. Zur Berechnung werden ungünstige und günstige Nährwerte eines Lebensmittels ermittelt und miteinander verrechnet. Ungünstig wirken sich beispielsweise aus: Zuckergehalt, gesättigte Fettsäuren, Natrium und Energiegehalt. Positiv hingegen: Ballaststoffe, Proteine und generell Obst, Gemüse oder Nüsse. Jedem Nährwertgehalt werden Punkte zugeordnet: Ungünstige Nährwerte erhalten jeweils Punkte von null bis zehn, günstige von null bis fünf. Nach Verrechnung ungünstiger und günstiger Nährwerte ergibt sich eine Gesamtpunktzahl zwischen -15 und +40, die einer Stufe innerhalb des Nutri-Score-Systems zugeordnet wird. Die Skala reicht von "A" (grün) bis "E" (rot). Je niedriger der Nutri-Score, desto höher ist die Nährwertqualität eines Lebensmittels.


"Die Europäer sind immer interessierter daran, was in den Lebensmitteln und Getränken enthalten ist, die sie konsumieren", sagte Marco Settembri, Chef von Nestlé für Europa, den Mittleren Osten und Nordafrika. Man befürworte den Nutri-Score als einheitliche und transparente Kennzeichnung. Man wolle damit eine leicht verständliche Nährwertinformationen zur Verfügung stellen und zwar möglichst schnell, so Settembri weiter. Damit startet Nestlé nun in Frankreich, Belgien und der Schweiz, wo Gesundheitsbehörden den Nutri-Score empfohlen haben. In Deutschland wolle man die Farbskala "unverzüglich" einführen, "sofern die rechtlichen Voraussetzungen hierfür geschaffen werden".

Foodwatch kritisiert Ernährungsministerin Klöckner

Die Verbaucherorganisation Foodwatch kritisiert die Ministerin und mahnt zur Eile. "Frau Klöckner betreibt Verbraucherschutz-Verhinderungspolitik. Nestlé will freiwillig die Nutri-Score-Ampel auf seine Produkte drucken – darf das in Deutschland aber nicht, solange Julia Klöckner nicht die rechtliche Grundlage dafür schafft", erklärte Luise Molling von Foodwatch. Die Aktivistin hält es für schwer vermittelbar, dass Unternehmen Steine in den Weg gelegt werden, die freiwillig vorangehen wollten. Der Nutri-Score sei nachweislich ein verbraucherfreundliches und von unabhängigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern entwickeltes Modell.



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