Plantbased / USA

Coronakrise pusht Veggie-Absatz

Sieht aus wie Fleisch, ist aber keins. Diese Koteletts wurden auf Basis von Walnüssen produziert.
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Sieht aus wie Fleisch, ist aber keins. Diese Koteletts wurden auf Basis von Walnüssen produziert.

Mit Absatzzuwächsen von über 200 Prozent explodiert die Plantbased-Sparte in den USA im Zuge der Coronakrise. Ob der Hype über die Krise hinaus Bestand hat, bezweifeln Analysten. Dennoch sei der Trend zum Fleischersatz eindeutig.

Der US-Einzelhandelsumsatz mit frischem Fleisch auf pflanzlicher Basis wuchs in der Woche bis zum 14. März um fast 280 Prozent. Bis zum 18. April, über acht Wochen betrachtet, errechnet das Marktforschungsinstitut Nielsen ein Plus von 265 Prozent – ein sechsmal schnellerer Zuwachs als bei konventionellem Fleisch. Der LEH-Absatz von Hafermilch sei bis zum 14. März gar um 477 Prozent gestiegen. Im Vergleich dazu lag der Absatzzuwachs bei Milchprodukten bei nur 32 Prozent. Ein entscheidender Vorteil von Hafermilch insbesondere für Hamsterkäufer: ihre lange Haltbarkeit.

Anhaltender Trend beschleunigt

Die Coronakrise hat offenbar einen anhaltenden Trend rasant beschleunigt. Die gemeinnützige Organisation Good Food Institute (GFI) hat für 2019 ein 18-prozentiges Umsatzplus im US-LEH für pflanzliche Fleischalternativen ermittelt. Auch hier ein sechsmal schnellerer Anstieg als bei konventionellem Fleisch und sogar neunmal schneller als der gesamte US-Einzelhandelszuwachs. Laut GFI ist der Umsatz mit pflanzlichen Fleischalternativen in den USA von 2017 bis 2019 um fast 38 Prozent angestiegen. 14 Prozent mehr Milch und Butter wurden verkauft. Besonders hoch fiel das Plus bei Eiern aus: 228 Prozent. Insgesamt hat das GFI für den Zeitraum 2017 bis 2019 einen Umsatzzuwachs pflanzlicher Ersatzprodukte von knapp 29 Prozent ermittelt.

Marktbeobachter und -Erneuerer hoffen auf ein Umdenken in der Gesellschaft. Rebellyous-Foods-Gründerin Christie Lagally glaubt, dass Verbraucher über Medienberichte in der Massentierhaltung allmählich ein Risiko für die globale Gesellschaft ausmachten. Vogelgrippe, Schweinegrippe und – als vorläufiger Höhepunkt – Covid-19 als Infektionskrankheiten, die vom Tier auf den Menschen übergehen, beeinflussten zunehmend Kaufentscheidungen und Ernährungsgewohnheiten in Richtung Veggie. Ihr US-amerikanisches Start-up Rebellyous Foods produziert vegane Chicken Nuggets und -Patties für Endverbraucher und den Außer-Haus-Markt inklusive Schulen oder Health-Care-Bereich.

Potenzial für Gastronomie

Wie die langfristige Entwicklung aussehen könnte, hängt nicht zuletzt von der Preisentwicklung ab, kosten doch die plantbased-Produkte in der Regel mehr als die tierischen Originale. Analysten des Schweizer Finanzdienstleistungsriesen UBS schätzen, dass der US-Markt für Pflanzenfleisch bis 2030 jährlich um 28 Prozent auf 85 Milliarden US-Dollar wachsen könnte. Die UBS-Schätzung vom November 2019 liegt bei einer globalen plantbased-Wachstumsrate von 31 Prozent bis 2025. Demgegenüber erwarten sie beim Verkauf konventionellen Fleisches nur ein Plus von 0,9 Prozent. Wohlgemerkt Zahlen, die vor der Corona-Pandemie erhoben wurden.

Auch bei Dunkins zu haben: Beyond Meat in einem New Yorker Dunkin Restaurant.
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Auch bei Dunkins zu haben: Beyond Meat in einem New Yorker Dunkin Restaurant.
Besonders das Gastgewerbe könne von der Experimentierfreude seiner Gäste profitieren. Während plantbased-Produkte im Lebensmittelbereich Handel und Herstellern neue Umsatzfelder erschließen könnten, steigere das Veggie-Angebot in der Gastronomie Traffic und Umsatz, so die Experten-Prognose. Wie groß das Potenzial der pflanzlichen Fleischalternativen ist, belegen die aktuellen Zahlen des kalifornischen Veggie-Fleisch-Vorreiters Beyond Meat. Im 1. Quartal 2020 stiegen dessen Umsätze auf insgesamt 97,1 Mio. US-Dollar – gegenüber 40,2 Mio. im Vorjahreszeitraum. 1,8 Mio. US-Dollar Gewinne schlagen zu Buche! Vor einem Jahr, im 1. Quartal 2019, musste das Unternehmen noch ein Minus von 6,6 Mio. US-Dollar hinnehmen.


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