Re-Start UK / Maßnahmenpaket

Konsum-Push vom Finanzminister

Schluss mit leeren Pubs: Ein milliardenschweres Finanzpaket soll in Großbritannien den Neustart des Gastgewerbes pushen und Arbeitsplätze schaffen.
imago images / Vedat Xhymshiti
Schluss mit leeren Pubs: Ein milliardenschweres Finanzpaket soll in Großbritannien den Neustart des Gastgewerbes pushen und Arbeitsplätze schaffen.

Mehrwertsteuer runter, Gutscheine für den Außer-Haus-Verzehr und Bonuszahlungen für Arbeitsplätze im Gastgewerbe: In Großbritannien hat Finanzminister Rishi Sunak ein milliardenschweres Maßnahmenpaket geschnürt, das den Außer-Haus-Konsum ankurbeln soll. Es gehe um den Erhalt von über 2,4 Millionen Arbeitsplätzen.

Während in Deutschland bereits zumindest eine Senkung der Mehrwertsteuer greift und eine Überbrückungshilfe eingesetzt wird, schafft die britische Regierung noch umfangreichere Anreize, um das Gastgewerbe zu unterstützen. Ein besonders großes Finanzpaket soll Arbeits- und Ausbildungsplätze erhalten und neue schaffen.
Vom 15. Juli 2020 bis 12. Januar 2021 soll in Großbritannien die Mehrwertsteuer für Waren und Dienstleistungen im Tourismus- und Gastgewerbesektor von 20 auf 5 Prozent gesenkt werden. Um Restaurants und ihre Mitarbeiter zu unterstützen, lanciert die Regierung zudem die Gutscheininitiative "Eat Out To Help Out". Pro Gast erhält ein Wirt bis zu 10 Pfund vom Staat zurück, die er als 50-%-Rabatt auf Speisen am Tisch und alkoholfreie Getränke gewährt.
Die zu erstattenden Beträge sollen innerhalb von fünf Tagen auf dem Konto eingehen. Laut Finanzminister Sunak hat das Maßnahmenpaket einen Umfang von 4 Mrd. Britischen Pfund (4,45 Mrd. €) und soll zum Erhalt von 2,4 Millionen Arbeitsplätzen beitragen.

Jobmotor fürs Gastgewerbe

9 Mrd. Pfund (10,2 Mrd. €) werden zusätzlich bereitgestellt für Bonuszahlungen von 1.000 Pfund an Arbeitgeber, die freigestellte Mitarbeiter wieder beschäftigen und bis Januar mindestens 520 Pfund Lohn erhalten. Für Ausbildungsplätze, die erhalten oder neu geschaffen werden, sind Bonuszahlungen von 1.000 und 2.000 Pfund vorgesehen. So sollen gezielt junge Menschen zwischen 16 und 24 Jahren vor der Langzeitarbeitslosigkeit bewahrt werden.

Kate Nicholls, Geschäftsführerin von UKHospitality, twitterte: "Dies ist ein wirklich starkes Maßnahmenpaket zur Unterstützung des Gastgewerbe- und Tourismussektors – der Motor für Wirtschaftswachstum und die Schaffung von Arbeitsplätzen seit dem letzten Finanzcrash." Nicholls betont, dass Vertrauen einer der Schlüsselfaktoren sei, um Restaurants, Hotels und Pubs wieder mit Leben zu füllen. Alle Vorsichtsmaßnahmen zum Schutz vor Infektionen seien nutzlos, wenn die Gäste ausblieben.

Auch Steve Alton, Geschäftsführer des British Institute of Innkeeping, zeigt sich erfreut, dass die Regierung den Außer-Haus-Konsum ankurbeln will, ergänzt jedoch: "Wir werden die Regierung weiterhin auf weitere wichtige geschäftliche Unterstützung drängen, um sicherzustellen, dass unsere Pubs auch langfristig überleben können", ergänzt Alton.

Gut, aber verbesserungsfähig

Der Vorsitzende von JD Wetherspoon, Tim Martin, sagte, er hoffe, dass die kurzfristige Senkung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel in Kneipen und Restaurants zu einer langfristigen Veränderung führen werde: "Wetherspoon setzt sich seit Jahren für die steuerliche Gleichstellung von Gaststättenbetrieben und Supermärkten ein. Kneipen und Restaurants zahlen 20 Prozent auf den Verkauf von Lebensmitteln und etwa 20 Pence pro Pint für die Unternehmenssteuern. Supermärkte zahlen keine Mehrwertsteuer auf Lebensmittel und etwa 2 Pence pro Pint an Steuersätzen. Die Initiativen des Finanzministers tragen wesentlich dazu bei, diese Ungleichheit anzuerkennen, wenn auch nur kurzfristig. Es bleibt zu hoffen, dass dies eine langfristige Veränderung wird. Gleichheit und Fairness sind die wichtigsten Wurzeln eines vernünftigen Steuersystems".
Kritik kommt indessen vonseiten der Betreiber kleinerer Pubs ohne Speisenangebot. Chris Jowsey, Chef der Admiral Taverns, befürchtet, dass die aktuellen Maßnahmen Gäste davon abhalten könnten, kleinere, lokale Pubs zu besuchen: "Viele Gemeindekneipen bieten wenig oder kein Essen an, haben aber unermüdlich gearbeitet, um ihre Gemeinden während des Lockdowns zu unterstützen. Die Maßnahmen des Kanzlers helfen diesen Pubs überhaupt nicht. Wir fordern den Finanzminster dringend auf, alle Pubs unabhängig von ihrer Größe, Lage und ihrem Einzelhandelsangebot zu nivellieren und zu unterstützen".


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