Madrid / Coronakrise

Eklat ums Ersatz-Schulessen

Fast Food-Ketten bekamen den Zuschlag für das Gratisessen.
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Fast Food-Ketten bekamen den Zuschlag für das Gratisessen.

Seit Mitte März sind in Spanien alle Schulen und Kitas geschlossen. Nur langsam tastet man sich an den Re-Start heran. Die spanische Regionalregierung Madrid unterstützt während dieser Zeit Kinder aus bedürftigen Familien mit einer Essens-Spende, fällt doch das so wichtige Schulessen derzeit weg. Doch bei der Ausschreibung dafür kamen Fastfood-Ketten zum Zuge. Der Aufschrei war groß. Nun haben die Verantwortlichen ihre Entscheidung korrigiert.

Der Regelbetrieb in den spanischen Schulen und Kitas wird voraussichtlich erst wieder nach den Sommerferien im Herbst starten – zum Nachteil der Kinder aus bedürftigen Familien. Für sie ist das warme Essen in Kita und Schule extrem wichtig. Viele spanische Regionen unterstützen deshalb während der Corona-Pandemie diese Kinder mit einer kostenfreien Mahlzeit. So auch die Regionalregierung in Madrid. Eigens dafür haben die politischen Entscheidungsträger eine separate Ausschreibung für die Produktion und Verteilung der Essen gemacht.

Pizza und Pommes

Denn allein in der Hauptstadt sind laut Ärzte Zeitung rund 11.500 Kinder im Alter zwischen sechs und 13 Jahren bedürftig und auf die Essens-Spende angewiesen. Doch was seit Mitte April den Kindern als Ersatz für das Schulessen serviert wurde, sorgte für landesweite Empörung. Statt einer ausgewogenen Mahlzeit standen Pizza, Hamburger, Sandwiches, Kroketten und Pommes frites auf dem Speiseplan – begleitet von Limonade und Cola. Fett und Zucker statt Gemüse und hochwertige Eiweiße. Ernährungswissenschaftler und Elternräte gingen auf die Barrikaden.

Wie so etwas kommen konnte? Bei der Ausschreibung entschied sich die Madrider Regionalregierung schlichtweg für die günstigsten Anbieter am Markt. So kamen Fast-Food-Ketten wie Telepizza und die Sandwich-Marke Rodilla zum Zuge – mit fatalen Folgen. Einige Kinder hätten ersten Studien zufolge in den sechs Wochen Ausgangssperre durch das einseitige Essen bis zu sechs Kilo zugenommen. Nun ruderte die Regionalregierung schließlich zurück und hat aufgrund der Proteste die Verträge mit den drei Fast-Food-Ketten nicht weiter verlängert. Seitdem gibt es wieder altersgerechtes und ausgewogenes Essen für die Madrider Kinder.




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