Coronakrise

Valora will schnell gegensteuern

Die Backshop-Formel BackWerk wurde jüngst in die neue Geschäftseinheit Food Service DE von Valora integriert.
Valora
Die Backshop-Formel BackWerk wurde jüngst in die neue Geschäftseinheit Food Service DE von Valora integriert.

Frequenzverluste und geschlossene Locations infolge der Coronakrise senken die Umsätze drastisch. Das Management des Schweizer Gastronomiekonzerns Valora versucht die Kosten zu senken, ohne die Mitarbeiter zu belasten.

Die behördlichen Anordnungen, um die Ausbreitung des Coronavirus (COVID-19) zu verlangsamen, haben die Umsätze von Valora drastisch reduziert. Im B2C-Geschäft von Food Service verzeichnet das Retail-Netzwerk seit dem Ausbruch der Coronakrise Anfang März in den relevanten Märkten auf gleicher Fläche einen Umsatzverlust von circa 10 Prozent gegenüber Vorjahreszeitraum. Im Food-Service-Netzwerk betrage der Rückgang rund 30 Prozent.
„Wir wollen im Rahmen der Möglichkeiten unseren Beitrag für Kunden, Mitarbeitende und Partner leisten, um gut durch diese Krise zu kommen und danach gemeinsam wieder zur alten Stärke zurückzufinden.“
Michael Mueller, CEO, Valora Gruppe
Vorerst könnten 80 Prozent der Verkaufsstellen offen gehalten werden, teilt Valora mit, bis auf die Standorte in Österreich und den Niederlanden. Dennoch stelle man sich darauf ein, dass die Frequenzen weiter sinken und Personalausfälle zu weiteren Schließungen führen könnten. Bislang weitgehend keine Einschränkungen gibt es beim B2B-Geschäft mit Laugenbackwaren. Auch insgesamt bleibe das B2B-Geschäft nur "leicht unter Vorjahr".

Kosten mitarbeiterfreundlich senken

Der Schweizer Spezialist für Foodservice und Convenience an Verkehrsstandorten will nun Kosten reduzieren. Sämtliche Investitionen in Expansion und Umbauten würden vorerst zurückgehalten, wie beispielsweise der Umbau der in der SBB-Ausschreibung gesicherten Verkaufsstellen. Gleichzeitig habe man mit den wichtigsten Vermietern eine Stundung der Mietzahlungen vereinbart. Das Unternehmen führt für die Mitarbeiter in Verwaltung, Produktion und Logistik per 1. April Kurzarbeit ein und will sämtliche zur Verfügung stehenden Unterstützungsleistungen der Regierungen in Anspruch nehmen. Gleichzeitig übernimmt Valora die Lohndifferenzen auch für bereits im März betroffene Mitarbeiter zunächst bis Ende April.

Mit den Agentur- und Franchisepartnern sollen Lösungen gefunden werden, um die wirtschaftliche Tragbarkeit auch für die selbständigen Unternehmer und deren Mitarbeitende zu sichern. So wird zum Beispiel in der Schweiz für die Mitarbeitenden der Retail-Agenturen in Kurzarbeit der volle Lohnausgleich im März und April garantiert. Damit will Valora auch die wirtschaftliche Handlungsfähigkeit und die Stabilität ihres Netzwerks für die Zeit nach der Coronakrise gewährleisten.

Guter Jahresstart bis Februar

Trotz eines guten Starts in das Jahr 2020 bis Ende Februar rechnet Valora sowohl für das Halbjahr wie auch für das gesamte Jahr 2020 mit einem deutlich negativen Effekt auf EBIT und Reingewinn, erwartet jedoch nur eine leicht steigende Netto-Verschuldung. Als einmalige Maßnahme will der Verwaltungsrat deshalb die Dividende für das Geschäftsjahr 2019 aussetzen.

Der CEO der Valora-Gruppe Michael Mueller blickt dennoch verhalten optimistisch in die Zukunft: "Wir stellen uns auf einen Prozess ein, der uns nicht nur in den nächsten Wochen, sondern über das gesamte Jahr 2020 fordern wird. Entsprechend planen wir alle unsere Maßnahmen langfristig und investieren in unser Verkaufsnetzwerk und in unsere Partnerschaften. Wir danken allen Mitarbeitenden für ihren unermüdlichen Einsatz in den Verkaufsstellen, in der Produktion, in der Logistik und in der Verwaltung."

2019 über Erwartung

Das Geschäftsjahr 2019 wurde mit einem Konzernergebnis von absolut 73,7 Mio. Schweizer Franken (CHF) beschlossen, das entspricht einem deutlichen Wachstum von 35 Prozent gegenüber 2018. Über den Erwartungen von 90 Mio. CHF präsentierte sich der EBIT 2019 mit 91,5 Mio. CHF (unter Vorjahr: 2018 96,3 Mio. CHF) – die Geschäftsfelder Food Service und Retail leisteten dazu einen maßgeblichen Beitrag, so die Unternehmensmitteilung.
Über Valora
Das Schweizer Unternehmen ist in erster Linie an Verkehrsstandorten in der Schweiz, Deutschland, Österreich, Luxemburg, Niederlande und Frankreich tätig. Neben Kiosk-Konzepten gehören die Foodservice-Marken Ditsch, Brezelkönig, Caffè Spettacolo und Backwerk zum Portfolio. Ebenso betreibt Valora eine der weltweit führenden Produktionen von Laugengebäck und profitiert im Bereich Backwaren von einer stark integrierten Wertschöpfungskette. Valora erzielt nach eigenen Angaben jährlich einen Außenumsatz von über 2,7 Mrd. Schweizer Franken. Der Hauptsitz der Gruppe befindet sich in Muttenz, Schweiz. In Deutschland betrug der Foodservice-Umsatz (netto) im Jahr 2019 geschätzt 265 Mio. Euro (+ 1 %) bei 495 Units (-19 vgl. Vj.) (Stand: 31.12.2019, Quelle: foodservice Top 100)



Sie möchten Aktuelles zum Thema "Coronavirus und die Gastro-Branche" lesen? Mehr fachlichen Input finden Sie in unserem "Coronavirus und die Gastro-Branche"-Dossier.
stats