Insolvenz

Rosenberger im Sanierungsverfahren

Seit 1972 gibt es die Rosenberger-Restaurants an Österreichs Autobahnen, eine Institution.
Rosenberger Restaurant GmbH
Seit 1972 gibt es die Rosenberger-Restaurants an Österreichs Autobahnen, eine Institution.

Die Rosenberger-Gruppe, Betreiber der österreichischen Rosenberger Autobahnrestaurants, beantragt am Dienstag, 11. Dezember, beim zuständigen Landesgericht in St. Pölten die Eröffnung eines Sanierungsverfahrens.

„Oberstes Ziel ist es nun, das Unternehmen im Rahmen des Sanierungsverfahrens zu gesunden und fortzuführen sowie die Arbeitsplätze der Mitarbeiter zu sichern und eine nachhaltige Lösung für den Fortbestand der Rosenberger-Gruppe zu ermöglichen“, heißt es auf Anfrage von FOOD SERVICE aus dem Unternehmen. Für Kenner der Außer-Haus-Markt-Branche kommt der Sanierungsantrag nicht ganz überraschend. Schon seit längerem habe die Raststätten-Kette Verluste hinnehmen müssen – von rund 13 Mio. Euro ist die Rede – und der Unterstützung der Banken bedurft.

Statement zur Insolvenz

Nach Übernahme der Rosenberger-Gruppe haben die neuen Eigentümer erhebliche finanzielle Beiträge geleistet, mit dem Ziel, das Unternehmen wieder finanziell auf sichere Beine zu stellen, heißt es. Im Juli 2018 wurde ein Geschäftsführungswechsel vollzogen, um den eingeschlagenen Weg konsequent umzusetzen. „Trotz intensiver Verhandlungen mit der Bank wurden benötigte Kreditlinien für das Unternehmen überraschend nicht freigegeben, weshalb nun der Antrag auf Eröffnung eines Sanierungsverfahrens gestellt werden muss.“ Mit ausschlaggebend für die Abwärtsentwicklung seien folgende Faktoren: „Das Reiseverhalten und somit auch das Rasten haben sich in den letzten Jahren massiv geändert. Ein Konzept aus dem vorigen Jahrhundert für ein Rasten auf der Autobahn ist nicht mehr zeitgemäß.“

Lasten zu groß

Dies haben sowohl die Gesellschafter als auch die Geschäftsführung erkannt und dementsprechende Lösungsansätze wie Konzepte für neue Food Halls, angepasste Öffnungszeitungen und weitere Prozessoptimierungen ausgearbeitet. „Die Lasten der Vergangenheit konnten von der neuen Geschäftsführung zwar teilweise, aber nicht zur Gänze beseitigt werden. Letztlich scheiterte eine Umsetzung der Konzepte an der fehlenden Zeit“, heißt es aus dem Unternehmen.

2013: Verkauf von Rosenberger

Im August 2013 verkaufte das Geschwisterpaar Melina und Kris Rosenberger an neue Eigentümer: zwei chinesische Unternehmerfamilien. Verbindlichkeiten in Höhe von 18 Mio. € machten diesen Schritt notwendig. Mit den drei zuletzt eröffneten Betrieben – Investitionen jeweils 25 Mio. € – hatte man sich wohl übernommen und rutschte in die Verlustzone. 2012 wurden mit 19 Standorten etwa 40 Mio. € erwirtschaftet. Aktuell betreibt Rosenberger in Österreich 16 Autobahn-Raststätten, 3 Seminar-Hotels, 6 Tagungszentren, 11 Tankstellen und 2 First Cityrestaurants in Wien und Salzburg. Die Unternehmensgruppe beschäftigt rund 800 Mitarbeiter. Von 50 Mio. Euro ist in der Branche die Rede, die nötig sein sollen, um das Unternehmen wieder flott zu machen.

Die Rosenberger Unternehmensgruppe besteht aus der Rosenberger Tankstellen GmbH und der Rosenberger Restaurant GmbH, die jeweils 100%ige Töchter der Rosenberger Holding GmbH sind. Die drei Gesellschafter dieser Rosenberger Holding GmbH sind Jiang Haiping, Liu Xudon und Liu Wen-Yi.
Fakten zum Unternehmen
Die 1972 von Heinz J. Rosenberger gegründete Marke „Rosenberger“ steht für ein großes Kapitel Pioniergeschichte moderner Verkehrs-Gastronomie an österreichischen Autobahnen. Als der mehrfach ausgezeichnete Gründer (u.a. 1987 Hamburger Foodservice Preis) 1999 im Alter von nur 62 Jahren verstarb, wurde 2004 das Unternehmen in der Familie aufgeteilt. Melina und Kris Rosenberger führten ihren Unternehmens-Teil (14 Standorte) unter dem alten Namen weiter.
Der andere Teil des Familienunternehmens (2004: 13 Restaurants) wurde zur Marke „Landzeit“, die aktuell unter der Regie von Wolfgang Rosenberger (Geschäftsführer) und Schwester Elisabeth (Marketing-Chefin) mit 16 Standorten rund 50 Mio. Euro Netto-Umsatz pro Jahr generiert. Wichtig: "Landzeit" ist von der Insolvenz nicht betroffen.



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