Zentralküche Nizza

Null Plastik in Nizza

Nizzas Bürgermeister Christian Estros bei der feierlichen Inbetriebnahme der Zentralküche Ende August 2019.
Ville de Nice
Nizzas Bürgermeister Christian Estros bei der feierlichen Inbetriebnahme der Zentralküche Ende August 2019.

"Zéro Plastique!" lautet das Leitmotiv der neuen städtischen Zentralküche Nizzas. Versorgt werden von dort aus 26.500 Kinder in 99 Schulmensen und 27 städtischen Krippen. Doch die Stadt leistet sich noch mehr. Ein Leuchtturmprojekt.

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Als Lieblingsadresse für Frankreich-Fans nimmt die malerische Stadt an der Côte d’Azur das Thema Nachhaltigkeit nicht auf die leichte Schulter. Und hat sich mit dem Neubauprojekt zu den ehrgeizigen Klimazielen der französischen Regierung bekannt – ja, geht noch darüber hinaus. Die neue Zentralproduktion, entstanden mit 32 Mio. Euro Investitionen und Ende August 2019 nach zwei Jahren Bauzeit offiziell in Betrieb genommen, hat eine Kapazität von bis zu 30.000 Mahlzeiten pro Tag. Damit sieht man sich gewappnet für die nächsten drei Dekaden. Daneben gibt es eine Küche speziell für Kinder mit Allergien. Eine Patisserie. Und einen Lernparcours samt Aroma-Garten.


Nizzas Bürgermeister Christian Estrosi, politisch dem konservativen Lager zuzurechnen, erklärte anlässlich der Einweihung der Zentralküche, mit der Verbannung von Plastik im gesamten Produktions- und Distributionsprozess sei man den Vorgaben des sogenannten Loi EGALIM um fünf Jahre voraus. Das im Oktober 2018 verabschiedete Gesetz widmet sich vornehmlich den Beziehungen zwischen Agrokultur und Ernährungswirtschaft sowie einer gesunden und nachhaltigen Ernährung. Unter anderem nimmt es die französische Gemeinschaftsgastronomie in die Pflicht, bis spätestens zum 1. Januar 2025 auf den Einsatz von Kunststoffverpackungen jeglicher Art zu verzichten.

Projekt-Anspruch
  • Sicherstellen nachhaltiger Speisen-Produktion
  • gesundes Verpflegungsangebot
  • Verzicht auf Plastik jeder Art
  • regionale Beschaffung
  • Priorität für eigene Herstellung statt Convenience
Die Stadt Nizza hat diese Regelung bereits vorweggenommen. Generell sind unsere französischen Nachbarn europaweit forsche Vorreiter, was gesetzliche Vorgaben zur Eindämmung von Plastikmüll und auch Foodwaste betrifft. Selbst das Thema gesunde, qualitativ hochwertige Ernährung hat der Gesetzgeber im Auge und schreibt der Gemeinschaftsgastronomie beispielsweise vor, in Zukunft den Anteil verwendeter Produkte aus regionaler, mit Gütesiegeln versehener sowie biologischer Erzeugung drastisch zu steigern.

Die Vorgeschichte

2011 nahm die Stadt nach 30 Jahren die direkte Verantwortung für die Schulversorgung wieder in eigene Obhut. Warum dieser unkonventionelle Schritt? Letztlich die Sorge um die gesunde Ernährung der Kinder – "le bien manger", nennt man das in Frankreich lieber. Zumal angesichts des wachsenden Problems der Übergewichtigkeit schon in jungen Jahren. Auf dem direkten Weg lässt sich, so der Standpunkt der Initiatoren, die Qualität der servierten Produkte – seien es Bio-Produktion, Herkunfts- oder Gütesiegel, regionale Herkunft, generell die Priorisierung kurzer Beschaffungswege – besser und effizienter gewährleisten. Auch wirtschaftlich mache die Lösung Sinn. Wohlgemerkt: Das Projekt muss keinen Profit generieren!

Schnell stand fest, die bisherige Zentralküche, in Betrieb seit 1987, würde den wachsenden Ansprüchen künftig nicht mehr genügen. Allein die Zahl der jährlich servierten Mahlzeiten stieg im Zeitraum 2008 bis 2016 von knapp 3 auf fast 3,8 Millionen. Kaum Spielraum mehr nach oben. Zudem ließen sich auch qualitative Ansprüche – wie die strikt separate Zubereitung von Mahlzeiten für Kinder mit Allergien oder Stoffwechselerkrankungen – angesichts der begrenzten Kapazität der 30 Jahre alten Zentralküche nicht mehr optimal bewältigen.


Wie die neue Zentralküche organisiert ist und wie der vollständige Verzicht auf Plastik funktioniert,lesen gv-praxis-Abonnenten vollständigen Artikel . Noch kein Abo? Hier geht es zum Probe-Abo.



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