Horst Abel

35-jähriges Jubiläum des 'Wurstkönigs von Mallorca'

Einer der bekanntesten Deutschen auf der Balearen-Insel Mallorca feiert in diesen Tagen sein 35-jähriges Unternehmer-Jubiläum dort in Spanien. Im Zentrum des Erfolgs stehen Wurst- und Fleischspezialitäten, Imbisse/Cafeterien und Fast Food. Der aus Fulda stammende Metzgermeister Horst Abel zählt heute 200 Angestellte, freie Mitarbeiter und Teilhaber. Seine hochmoderne Wurstfabrik verarbeitet jährlich 500.000 kg Fleisch. Daraus werden unter anderem 1 Million Frikadellen produziert (aktuell das meistverkaufte Produkt an die einheimische Bevölkerung). Der Name Abel steht auf Mallorca für fleischgeprägte Delikatessen, für handwerkliche Rezepturen aus deutschen Landen. Als der gut 30-jährige 1969 auf die Insel kam, war er längst ein gemachter Mann (Waschautomaten-Verkauf!). Doch dann ging's mit der deutschen Metzgerei Bock und Rudis Wurstladen neu los. Innerhalb weniger Jahre wurden die guten deutschen Wurstwaren von Abel inselweit bekannt. Mit seinem System der Teilhaberschaft baute Abel bis Anfang der 80er ca. 20 deutsche Imbiss-Betriebe in allen Touristen-Orten auf. Sein Ziel, Einkommens-Millionär zu werden, wurde endlich Wirklichkeit. Heute sind die meisten dieser Betriebe unterverpachtet. Legal jährlich über 1 Mio. DM zu verdienen sei nur zu Franco-Zeiten möglich gewesen. Zwar wurde Abel in dieser Zeit zum größten gastronomischen Steuerzahler der Insel, trotzdem betrug die jährliche Steuerlast noch nicht einmal 1 % vom Gesamtumsatz, so der Unternehmer über die Goldgräberzeit. Wohlgemerkt, dem gingen reichlich Lehrjahre voraus. Das heutige Herzstück des Abel-Unternehmens ist eine Fleischfabrik in einem Gewerbegebiet von Palma. Die hochmoderne Anlage produziert über 70 Wurstartikel, außerdem leckere Fertiggerichte wie Goulaschsuppe, Gyros, Döner Kebap sowie die bereits genannten Frikadellen. Das Gros der Rohware kommt täglich aus Girona in Nordkatalonien. Nur noch 30 % der Fleisch- und Wurstwaren-Herstellung wandert in die eigenen Betriebe, der Löwenanteil an rund 700 externe Kunden auf der Insel. Zu ihnen gehören Luxushotels, das Möbelhaus Ikea sowie die Märkte von Carrefour und Lidl. Demnächst will der Pionier sein Mallorca-Imperium an seine Kinder Alexandra, Dirk und Andreas übergeben und auf dem spanischen Festland im Großraum Barcelona sowie in Deutschland Neues anpacken. Die fachliche Jubi-Historie wäre unvollkommen, würde man zwei Dinge unterschlagen:
  • 1974 übernahm Horst Abel die Wienerwald-Lizenz für Spanien. Mallorcas erste Filiale war anfangs ein großer Erfolg, später wurde sie geschlossen. Der Fast Food-Pionier Abel studierte dann Konzepte wie McDonald's, Burger King & Co. und entwarf seine eigene Formel. Sie trug den Namen Andys. Leider fehlten zum Erfolg ein paar Komponenten, zum damaligen Zeitpunkt insbesondere die richtige Convenience-Ware. Auch der nächste Versuch 1975 mit der ersten Pizzeria auf Mallorca war nicht wirklich erfolgreich. Zu früh!
  • Mitte der 70er Jahre folgte ein geschäftlicher Ausflug in die USA. Ein Büro in Ford Lauderdale, Kauf des größten fleischverarbeitenden Betriebes in Florida und Gründung der 'Bavarian Wurst Highlight Inc.' (sollte später an die Börse gebracht werden). Einer der größten Interessenten für deutsche Wurstware made in USA war das Gastro-Management von Disney. Wöchentlicher Bedarf: rund 30.000 kg Würstchen ... Jetzt war der Hesse auf dem Höhepunkt seiner geschäftlichen Laufbahn...
  • Stopp: Dieses Mal hatte er die Rechnung ohne Frau und Kinder gemacht, sie wollten definitiv nicht nach Nordamerika auswandern, sondern in ihrer neuen Heimat Mallorca bleiben. Ende des Florida-Traums und zurück auf die Mittelmeer-Insel.
Herzlichen Glückwunsch zum Jubiläum. Und noch etwas: Abel ist seit 1982 leidenschaftlicher Leser unserer Wirtschaftsfachzeitschrift food-service (anfangs fast food-praxis). Kürzlich, bei einem Besuch im Frankfurter Büro, haben wir ihn zum ersten Mal persönlich gesehen.


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