ADAC 2002

65 europäische Raststätten im Test

Dresdner Tor Süd und Aichen mit besten Noten in Deutschland, schlechte Ergebnisse bei Autohöfen. Beim vierten Raststätten-Test des ADAC in Folge standen 65 Betriebe auf dem Prüfstand. Neben den klassischen Testländern Österreich, Schweiz, Deutschland, Frankreich und Italien wurden heuer erstmals die osteuropäischen Länder Slowenien, Tschechische Republik und Ungarn in den Test miteinbezogen. Ebenfalls zum ersten Mal dabei: die Autohöfe an Deutschlands Autobahnen.



Testsieger wurde, wie schon im vergangenen Jahr, eine Raststätte in unserem Nachbarland Frankreich: Mit 89,86 % der möglichen Punkte erzielte Montélimar Ost an der A7 Valence - Orange zwischen Montélimar Nord und Süd die Note "gut". Die Schweizer Anlage Gunzgen Süd an der A1 Bern - Zürich zwischen dem Kreuz Härkingen und der Ausfahrt Rothrist liegt auf Platz 2 mit 88,05 % und ebenfalls der Note "gut". Auf Platz 3 findet sich schließlich die erste deutsche Raststätte mit 86,31 % und einem weiteren "Gut": Dresdner Tor Süd an der A4 Chemnitz - Dresden zwischen dem Dreieck Nossen und der Ausfahrt Dresdner Altstadt.



Mit der Auszeichnung "gut" wurden insgesamt 9 Raststätten bewertet. Kein einziges Mal konnte die Note "sehr gut" vergeben werden, dagegen kassierten gleich neun Testkandidaten die schlechteste Bewertung "sehr mangelhaft". Auf dem letzten Platz mit gerade mal 38,02 % landetet der Betrieb Obarok Nord an der M1 Budapest - Györ zwischen Bicske und Tatabánya in Ungarn. Am stärksten ist wieder einmal die Note "ausreichend" vertreten: 32 Raststätten liegen damit im Mittelfeld. 15 Mal schließlich findet sich die Negativ-Auszeichnung "mangelhaft".



Im Ländervergleich hat die Schweiz mit lauter guten Bewertungen eindeutig die Nase vorne, gefolgt von Frankreich. Österreich hat zwar ein "Gut", aber auch zwei "Mangelhaft". Slowenien und Italien liegen im Mittelfeld, im Großen und Ganzen genügten die Raststätten hier den Ansprüchen - aber eben auch nicht mehr. In Ungarn und Tschechien fielen die Ergebnisse nahezu katastrophal aus: Alle getesteten Raststätten mussten sich mit der Note "mangelhaft" oder gar "sehr mangelhaft" begnügen. Die deutschen Autohöfe, die unter den selben Bedingungen wie die Raststätten getestet wurden, halten längst nicht das, was sie versprechen. Während 90 % der Raststätten mit der Note "gut" oder zumindest "ausreichend" bestanden, konnten bei den Autohöfen nur 30 % der Kandidaten die Mindestanforderungen erfüllen, wobei keiner die Note "gut" erreichte. Zwei Drittel der Autohöfe fielen mit einem "mangelhaft" oder "sehr mangelhaft" schlichtweg durch.



Während von den 20 getesteten deutschen Raststätten wenigstens zwei die Note "gut" erreichen konnten (Dresdner Tor Süd und Aichen) und nur zwei Betriebe mit der Note "mangelhaft" bewertet werden mussten (Grundbergsee Nord und Herleshausen Nord), findet sich bei den 20 deutschen Autohöfen nur die Note "ausreichend" als Bestnote, die sieben Anlagen erhielten. Der Rest der Autohöfe fiel mit "mangelhaft" (Lehre Wendhausen, Crailsheim Satteldorf, Mücke, Diemelstadt, Neumarkt, Dasing und Geiselwind) und "sehr mangelhaft" (Bockel, Wittenburg, Regensburg, Sinsheim, Raubing und Kleinostheim) durch. Das Testergebnis zeigt also einen einheitlichen Trend: Das Leistungsangebot der getesteten Autohöfe kann noch nicht mit dem der Raststätten mithalten.

Beim Checkpunkt Verkehrssicherheit werden die geforderten Standards von rund 29 % der Raststätten erreicht. Sehr gut abgeschnitten haben hier die Betriebe Aichen, Dresdner Tor Süd, Lechwiesen Nord und Pringnitz Ost. Bei den Autohöfen ist das Bild hingegen trostlos: Hier finden sich 75 % in der schlechtesten Kategorie. Die Optik der Außenanlage kann bei einem Drittel der Raststätten voll überzeugen. Nur ein einziger Autohof, nämlich Nossen (Im Industriegebiet 1), erhielt hier die Note "gut":

Im Bereich Gastronomie markieren die Raststätten Dresdner Tor Süd und Aichen die Top-Positionen. Die Autohöfe sind wiederum weit abgeschlagen. Bestnoten konnten hier keine vergeben werden, nur fünf Betriebe erhielten die Note "gut", die Hälfte der Autohöfe nur ein "ausreichend", vier gar ein "sehr mangelhaft".

70 % der Raststätten schlossen in der Gesamtkategorie Hygiene mit "sehr gut" oder "gut" ab. Jeweils ein "mangelhaft" gab es für die beiden Raststätten Steigerwald Nord und Herleshausen Nord. 25 % der Autohöfe hingegen wurden hier als "sehr mangelhaft" eingestuft, nur Seligweiler und Herzsprung konnten mit "gut" ausgezeichnet werden.

Bei den Labortests allerdings zeigte sich ein relativ einheitliches Bild. Lediglich die drei Raststätten Zweidorfer Holz Nord, Am Biggenkopf Nord und Burgauer See sowie der Autohof Crailsheim Satteldorf erzielten gute Werte. Die Keime in den Raststätten Aichen und Schaalsee sowie in den Autohöfen Lehre Wendhausen, Diemelstadt und Raubling machten ein "sehr mangelhaft" erforderlich.

Der Faktor Service scheint in Deutschland besser zu werden, wobei es hier auch kaum Unterschiede zwischen Raststätten und Autohöfen gibt. Es konnten fast 70 % aller Betriebe Höchstnoten erzielen.



Tester waren wie in den vergangenen Jahren die Spezialisten von Swiss Gastro Consulting aus Böblingen, die gezielt in den Osterferien unterwegs waren, um volle Rastanlagen anzutreffen - genau so, wie es sich in Ferienzeiten präsentieren. Denn der Test geht unter anderem von den Bedürfnissen einer in den Urlaub fahrenden Familie aus. Hauptmängel: die Verkehrssicherheit und die Erholungsangebote auf dem Außengelände, nach wie vor die Hygiene, schlechte Kommunikationsmöglichkeiten und teils sehr hohe Preise. Gute Ergebnisse gab es dagegen bei der Gastronomie, in den Shops und beim Service.



Auf den Punkt gebracht - die Positivfaktoren im Test:

  • Kategorie Zugang/Innenbereich: Mehr als 2/3 der getesteten Rastanlagen sind Behinderten gerecht. Auch die Wegeführung und Beschilderung innerhalb der Betriebe ist mehrheitlich gut geregelt.
  • Kategorie Gastronomie: Sehr gut bis gut essen und trinken in komfortablem Ambiente kann man in über der Hälfte der Anlagen. Mit einem "ausreichend" wurden 16 Betriebe bewertet. Überwiegend sind Self-Service-Restaurants vorhanden, 26 Mal mussten unsere Tester in ein Service-Restaurant ausweichen.
  • Kategorie Shop/Kiosk: In der überwiegenden Mehrzahl der Geschäfte findet der Autofahrer alles, was er für seine Reise braucht. Die Warenkörbe unserer Tester konnten in den meisten Fällen mit den vorher festgelegten Produkten gefüllt werden.
  • Kategorie Service: Genügend freundliches, hilfsbereites und kompetentes Personal fand sich in nahezu allen getesteten Raststätten - ein erfreuliches Ergebnis. Der Dienstleistungsgedanke scheint sich immer mehr durchzusetzen.
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