Dosenpfand

Ablauf der Übergangsfrist – einheitliche Rücknahmelösung gefloppt

Seit 1. Oktober ist der Handel in Deutschland verpflichtet, alle unter die Pfandpflicht fallenden Getränkeverpackungen zurückzunehmen, die nach Art, Form und Größe den im eigenen Sortiment geführten Waren entsprechen. So jedenfalls die Theorie. In der Praxis ist die Situation nach dem Ende der neunmonatigen Übergangsfrist und dem Start des bundesweiten Rücknahmesystems für Einwegverpackungen von Bier, Wasser und kohlensäurehaltigen Erfrischungsgetränken reichlich konfus. Streit an diversen Fronten: Hie Umweltminister Trittin, dort der HDE, dazwischen die Verbraucherzentralen, die dazu aufrufen, nicht rücknahmewillige Einzelhändler/Kioske zu melden. Während der HDE angesichts mehrerer konkurrierender Rücknahmesysteme (Insellösungen) und mangelnder Transparenz der Regelung von Chaos redet, sieht Trittin das Ziel der Flächendeckung trotz diverser Ausnahmeregelungen de facto erreicht und verweist auf 130.000 Stellen, an denen Einweg abgegeben werden könne. Allerdings müssen rückgabewillige Verbraucher sich künftig am besten mit Metermass wappnen. Denn, so die Bestimmung, Läden mit weniger als 200 qm Fläche sind von der Rücknahme fremder Dosen befreit. Während das Umweltministerium den Handel auffordert, die Entscheidung der Politik für das Dosenpfand endlich zu akzeptieren, verlangt dieser ein Machtwort des Kanzlers. Und nach wie vor droht das EU-Verfahren aus Brüssel wegen Diskriminierung ausländischer Anbieter – die Kommission hat die Entscheidung darüber Anfang Oktober um drei Wochen vertagt. Derweil reichte Lekkerland-Tobaccoland Beschwerde gegen das Rücknahmesystem der Firma VfW AG ein, das mit Pfandcoupons arbeitet – die beleggestützte Lösung war ursprünglich vom Ministerium abgelehnt worden, in letzter Sekunde kam die Kehrtwende. Also weiterhin Zettel- und Marken-Wirtschaft: Überaus lästig, auch für den Verbraucher. Immerhin schätzen Verbraucherverbände den aufgelaufenen ‚Fehlbetrag‘ aus nicht eingelösten Pfandgeldern auf beträchtliche 375 Mio. Euro. Discounter wie Aldi, Lidl und Plus setzen dagegen auf systemweite Insellösungen: mit eigens entwickeltem Flaschendesign für ihre Hausmarken. Die bepfandeten Einwegflaschen können in allen Filialen der jeweiligen Kette zurückgegeben werden. Andere, wie z.B. Edeka, haben Einweg-Getränke schlichtweg ausgelistet – ergo keine Rücknahmepflicht. Um Auslistung bzw. Nachfrage-Rückgänge infolge der weiterhin unhandlichen Rückgabelösung zu neutralisieren, forcieren die Getränkehersteller den Ausbau ihrer Mehrwegangebote. So bietet z.B. Coca-Cola jetzt seine Getränke auch in einer neuartigen 0,5 l-PET-Mehrwegflasche an, die – so der Hersteller – „nahezu überall zurückgegeben werden kann“.


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