Kempinski

Abschied von der Börse

Voraussichtlich noch im laufenden Jahr wird die Kempinski AG von der deutschen Börse verschwinden. Auf der Hauptversammlung am 23. August in München soll beschlossen werden, die Minderheitsaktionäre des sich indirekt mehrheitlich in Besitz des thailändischen Königshauses befindlichen Unternehmens abzufinden. Den wenigen freien Aktionären, die einen Anteil von 1,7 Prozent am Unternehmen halten, werden 363,70 Euro je Aktie geboten. Im vergangenen Geschäftsjahr musste der Kempinski Konzern mit Europasitz in Genf einen Umsatzrückgang von 17 Prozent auf 81 Mio. Euro hinnehmen (2000: 97,61 Mio. Euro). Der Jahresüberschuss belief sich auf nur noch 0,72 Mio. Euro. Im Vorjahr wies das Unternehmen einen Gewinn von etwa 23 Mio. Euro aus, was auf den außerordentlichen Ertrag aus den Immobilienverkäufen in Hamburg und Frankfurt zurückzuführen ist. "Die Ereignisse des 11. September führten zu einem vorübergehenden Stillstand des Geschäftsreiseverkehrs und die Eintrübung der Konjunktur trafen auch die Hotels der Kempinski-Klasse empfindlich", heißt es im aktuellen Geschäftsbericht der Gruppe. Besonders stark betroffen waren die Betriebe im Ausland, wie beispielsweise die Hotels in Istanbul, Budapest, Jakarta und Ajman. Die deutschen Kempinski Hotels mussten dagegen nur leichte Umsatzeinbrüche hinnehmen. Eine Ausnahme bildet das Kempinski Hotel Atlantic Hamburg, in dem es zu einem völligen Ausfall der Managementgebühren gekommen ist. Die durchschnittliche Belegungsquote der Kempinski Hotels ist von 72,6 Prozent in 2000 auf 68,4 Prozent im Jahr 2001 gefallen. Die geringere Belegung wurde jedoch weistestgehend durch einen gestiegenen Zimmerdurchschnittspreis ausgeglichen. In den eigenen und gepachteten Hotels der Gruppe stieg die Durchschnittsrate gegenüber Vorjahr von 361,34 DM auf 416,56 DM. Im Geschäftsjahr 2001 setzte Kempinski die Expansion der Gruppe fort. Im November vergangenen Jahres wuchs die Gruppe um sieben Hotels: Durch den Abschluss einer operativen Allianz kam das Schloss Reinhartshausen Kempinski im Rheingau hinzu.

Für das Kempinski San Lawrenz Resort & Spa auf Gozo bei Malta und vier Stadthotels in Buenos Aires übernahm Kempinski das Management. Ferner wurden im Rahmen einer Marketingvereinbarung das Leela Palace im indische Bangalore übernommen. Nachdem die Eigenkapitalquote des Konzerns per Ende 2001 auf 25 Prozent gestiegen ist, ist auch für die künftigen Expansionspläne des Vorstands Spielraum vorhanden. Vor allem im Ausland sieht das Unternehmen Wachstumschancen. Managementverträge wurden für das Grand Hôtel des Bains in St. Moritz, das im Dezember 2002 eröffnen soll, und jeweils ein Kempinski Hotel in Honduras und Thessaloniki, die im kommenden Jahr ihre Pforten öffnen, unterzeichnet. Außerdem stehen Hoteleröffnungen im Mittleren Osten bevor: Jeweils im Jahr 2004 sollen Häuser in Hurghada und Abu Dhabi eröffnen, ein weiteres Hotel in Kairo folgt im Jahr 2005. Andererseits wollen die Eigentümer der Hotels in Odessa und Jakarta die Managementverträge mit der Kempinski Hotels S.A: beenden.

Seit 1998 ist die Immobiliengruppe Siam Sindhorn Hauptaktionär des Unternehmens. Hinter Siam Sindhorn stehen das Crown Property Bureau, das die wirtschaftlichen Interessen des thailändischen Königshauses vertritt, sowie die Siam Commercial Bank. Für das laufende Geschäftsjahr 2002 rechnet das Unternehmen mit einer Normalisierung des Reiseverkehrs. "Die Entwicklung in den ersten drei Monaten 2002 verlief zufriedenstellend, wobei berücksichtigt werden muss, dass die Budgets sämtlicher Hotels angesichts veränderter Rahmenbedingungen überarbeitet wurden", heißt es im Geschäftsbericht 2001. Kempinski geht davon aus, dass im Jahr 2002 der bereist für 2001 angestrebte Gewinn von 1,5 Mio. Euro erreicht werden kann.

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