Die Tafeln

Arbeit schützt nicht vor Armut

Auf seiner Jahrespressekonferenz in Suhl hat der Bundesverband Deutsche Tafel e.V. vor einer Fehleinschätzung der Anzahl hilfebedürftiger Menschen in Deutschland gewarnt. Vor allem Niedriglohnverträge täuschen über die tatsächliche Armut vieler Arbeitnehmer hinweg – sie profitieren nicht vom Wirtschaftswachstum. Die Zahl der Tafelgänger ist in den letzten zwölf Monaten von 1,3 auf 1,5 Millionen Menschen gestiegen.
 
Insbesondere Kinder und Senioren nehmen die kostenfreien Mahlzeiten in Anspruch. „Angesichts von Millionen Geringverdienern wird die Zahl der Altersarmen in Zukunft sicher weiter steigen“, äußerte sich der Vorsitzende des Bundesverbandes, Gerd Häuser, besorgt über die jüngsten Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt. Dies sei insofern prekär, da die Menschen zwar aktuell Arbeit hätten, langfristig aber auf soziale Hilfe angewiesen wären. Die 891 Tafeln in Deutschland sprängen für einen Staat in die Bresche, der sich mangels unzureichender sozialer Grundsicherung auf die solidarische Hilfe der Zivilgesellschaft verlasse. Seine Aufgabe sei es jedoch, Hilfebedürftigen jeden Alters ein menschenwürdiges Auskommen zu ermöglichen, erklärte der Vorsitzende. Es sei dringend an der Zeit, das Thema Armut in Steuer- und Sozialpolitik viel höher auf die Agenda zu setzen. Etwa 13 Millionen Menschen sind laut Statistischem Bundesamt arm oder von Armut bedroht.
 
Aufgrund der hohen Kinderarmutsquote fordert der Verband eine rasche Anpassung der Hartz IV-Leistungen an die realen Bedürfnisse Heranwachsender. Eine kostenlose Mittagsmahlzeit für alle Kinder in Kitas und Schulen sei das Mindeste, so Gerd Häuser. Neben einer warmen Mahlzeit am Tag sollen Kinder auch an gesellschaftlich wichtigen Freizeit- und Bildungsangeboten wie Sportkursen oder Nachhilfe teilhaben dürfen. Die Tafeln unterstützen diese Projekte mit Fördergeldern. Insgesamt haben den Verband 2011 nach Aussage des stellvertretenden Vorsitzenden, Jochen Brühl, Sach- und Geldspenden in Höhe von 6,5 Mio. Euro erreicht.
 
Schwerpunkte, die dem Verband zukünftig besonders am Herzen liegen, sind der nachhaltige Umgang mit Lebensmitteln, die Herausforderungen des demografischen Wandels und das bürgerschaftliche und unternehmerische Engagement bei den Tafeln.
 
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