Made by Rewe

Bildgalerie und Profi-Einschätzung zum Debüt

Am 3. September eröffnete der in Fachkreisen mit Spannung erwartete Pilotbetrieb von Made by Rewe (siehe unsere Online-Meldung vom gleichen Tag): Am Kölner Waidmarkt, direkt neben einem Rewe-Supermarkt, testet das Handelsunternehmen neue, zukunftsweisende Kombinationen von Retail und Gastronomie. Foodprofi Herwig Niggemann, Experte in Sachen Lebensmittelhandel wie Gastronomie, außerdem fotografischer Könner, war beim Debut in Köln dabei. Im Folgenden sein ausführlicher Kommentar - plus Bildgalerie.
Hier der Link zur Galerie: www.cafe-future.net/rewe

"Der erste Eindruck: Optisch gelang hier ein Glücksgriff. Sympathische Gestaltung, sehr angenehmes Ambiente, dabei angemessen cool und trendy. Dazu ein tolles Team, man spürt bei allen Mitarbeitern hohes Engagement.

Als Lebensmittler geht Rewe unter ganz eigenen Vorzeichen an die Entwicklung eines gastronomischen Konzeptes heran: Hier wird keine Stand-alone-Lösung angestrebt. Sondern es soll etwas geschaffen werden, das den Konsumenten im Einflussbereich des Einzelhandels hält. In Deutschland gibt es dazu noch kaum serienreife konzeptionelle Lösungen – trotz einzelner schöner Erfolgsstories (gute Ansätze kann man beispielsweise bei Zurheide oder Globus sehen).

Nach Temma (Bio-Tante-Emma-Laden) und dem Convenience-Format Rewe To Go ist Made by Rewe das dritte und radikalste Neukonzept des Konzerns aus Köln – am weitesten vom LEH-Stammgeschäft entfernt. Man spürt, dass dies ein Testlabor ist: In alle Richtungen wird experimentiert, ausprobiert, wie man den Verbraucher künftig am besten abholen kann, als einkaufenden Konsumenten und als Gast.

Im Prinzip besteht Made by Rewe aus fünf Hauptmodulen. Alle verfolgen letztlich die gleiche Zielrichtung: den Zukunftsverbraucher zu erraten.

1 Zunächst: der Eingangsbereich, beiderseits flankiert von hochglanzpolierten Edelstahlregalen. In Design und Inhalt stark erinnernd an frühe Pret A Manger-Stores, bestückt mit verpackten Sandwiches und Getränken à la mode (inklusive Charitea, Lemonaid & Co.). Am Ende des mächtigen Entrées wird noch eins draufgesetzt: Anspruchsvolle Weine im Regal, mit bis zu 18 € pro Flasche liegt die Preislatte hoch.

2 Zum Herzstück des Konzepts leitet der zielführende Bodendekor aus schwarzweißen Designfliesen: ein strahlender Counter für die Gäste, die dort entweder ihr Essen und Trinken bestellen oder einfach nur das gepickte Food oder den Drink bezahlen (Grundkenntnisse der englischen Sprache sind im Made by Rewe schon wichtig…). Der Counter ist absolut gelungen. Hier versteht der Einzelhändler sein Geschäft und weiß die Ware zu präsentieren: im Frühstücksgeschäft die im Laden selbst gebackenen Brötchen, mittags Salate und andere attraktive Artikel. Ein völliges Novum sind flach in die Theke eingelassene Kassendisplays: So kann der Gast bestens verfolgen, wie sich seine Bestellung entwickelt und ob alles richtig verstanden wurde.

Und weil man schon mal beim Einlassen war, wurde auch gleich ein Trinkgeldbehälter eingesetzt – transparenter Ermunterer und sinnige Lösung für das Tipping-Problem am Counter (hier weiß der Kunde endlich, wohin mit dem Kleingeld…).

Herausforderung hingegen für die Gäste: das Angebot jenseits der in Regalen und Counter präsentierten Kühlprodukte. Zumindest bei der Premiere sah man viele fragende Gesichter: „Was gibt es denn überhaupt hier zu essen?“ Zu sagen, die warme Küche konzentriert sich auf Pizza, Pasta und Indisch, trifft zwar den Kern. Bedarf aber sicher eines Lernprozesses auf Gästeseite, beziehungsweise ist zu fragen, ob denn die Sortimente so zusammenpassen, sich ergänzen – oder ob die Mischung eher irritiert. Was die Bildung von Kompetenzfeldern angeht, lehnt man sich recht weit aus dem Fenster. Da ist sicher noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten – auch im Wettstreit mit dem Pizza-Spezialisten oder Thai-Restaurant um die Ecke.

Pizza scheint als wichtigster Schwerpunkt positioniert zu sein – allerdings ist das für den Gast nicht auf Anhieb erkennbar, auch angesichts der eher versteckten Ecklösung für das Angebotssegment, das einen stärkeren Fokus verdient hätte. Das Produkt selbst macht einen guten, ausgefeilten Eindruck, wobei man bei der Teigqualität noch etwas zulegen könnte: etwas schwer, nicht wirklich knusprig. Generell sind Rezepturen und Gerichte qualitativ überzeugend, auch systemgerecht entwickelt. In allen Proben gehen sie (subjektiv gesehen) im oberen Mittelbereich durch, für den ersten Öffnungstag gewiss bemerkenswert.

Die Gäste weiß Rewe ganz offensichtlich mit dem wohltuenden Ambiente abzuholen. Da nehmen sie (zumindest hatte man Premieretag den Eindruck) Details bei den Gerichten nicht ganz so wichtig.

3 Kaffee. Eine durchaus pfiffige SB-Lösung: An der Seite aufgestellt eine Batterie an Espresso-Bars anmutender Nespresso-Maschinen. An der Theke erhält man eine "Patrone", die man oben einwirft und seine Kaffeevariante wählt. Die Qualität: lobenswert. Zwar bleibt ein bisschen Raststätten-Atmosphäre nicht aus und die Kompetenzausstrahlung wäre mit einer Counterlösung sicherlich höher. Andererseits ist die Umsetzung durchaus konzept-affin und die Vereinfachung des Operatings zudem ein wichtiger Faktor.

4 Start für die innovative Produktlinie smart people. Stichwort Home Meal Replacement! Mit dem völlig neuen Produktkonzept leistet man Schützenhilfe für den eiligen und/oder unbedarften Selbstkocher: ein komplettes Zutatenpaket durchaus exotischer Gerichte von hoher Attraktivität, in einem Set zusammengestellt. Auf der schönen farbigen Banderole findet der Selbstkocher zu Hause alles, um sofort ein kochtechnisches Erfolgserlebnis zu haben. Die Ware wird bei den in diesem Segment erfahrenen Engländern für Rewe hergestellt, hat eine Woche Haltbarkeit und füllt ein ganzes Regalelement direkt neben dem Counter.

Erster Eindruck: sehr viel Plastik für wenig Ware. Aber es sieht so toll aus, dass man es eigentlich sofort mal probieren möchte. Parallel soll das Konzept mit identischer Verkaufsregaleinheit (wieder im Pret A Manger-Design) im daneben liegenden Supermarkt aufgestellt und auch in weiteren Rewe-Märkten eingesetzt werden. Dort macht das Konzept sicher am meisten Sinn - dennoch ist die Parallelität gut überlegt. Höchst experimentell die Verschränkung von Mitnahme oder Vor-Ort-Verzehr für die smart people-Produkte: Gäste können ihr Gericht auch vor Ort an speziellen Kochstationen selbst zubereiten und direkt verspeisen.

5 Damit sind wir bei Modul Nr. 5: Neben konventionellen Tischlösungen – mit interessanten Oberflächen aus sandgestrahlten Holzplatten, just wie aus dem Meer gefischt – gibt es einen Bereich mit Hochtischen: drei Seiten für Gäste und eine Seite als "Kochkante". Gedacht für Seminare und Weinproben, aber auch im Normalgeschäft für Essensgäste, bieten sie Platz für jeweils sechs bis acht Personen, damit zählt Made by Rewe insgesamt rd. 50 Sitzplätze.

Einen Panorama-Rundumblick über das neue Konzept gibt es hier


Fazit: Erst die Erfahrung wird zeigen, ob die zweifellos ideenreiche Formel mit ihren vielfältigen Optionen im Mischbereich von Take-away und Vor-Ort-Verzehr, SB und Counterservice, Selbermachen, Convenience und Geselligkeit ein luxuriöses Unterfangen bleibt oder sich bewährt, sprich zu einer ausgewogenen Balance findet – auch ökonomisch, schlussendlich Messlatte für die Zukunft. Ob sich vor allem die erhofften Synergien mit dem Retailgeschäft einstellen, ob die gegenseitige Befruchtung frequenz- und umsatzwirksam, auch imagetechnisch funktioniert. Retail und Gastronomie sind nun mal zwei sehr verschiedene Welten, nicht so einfach unter ein gemeinsames Dach zu bringen. Beziehungsweise operativ in den Griff zu kriegen.

Neben der operativen Komplexität bleibt die Herausforderung ausgedehnter Geschäftszeiten von 7 bis 22 Uhr. Ob das Gästeaufkommen jenseits der Mittagsspitze reicht, bleibt abzuwarten. Made by Rewe hat einen durchaus guten Start hingelegt – doch die Macher haben mit gutem Grund die strategische Entscheidung getroffen, sich vorerst mit einem weiteren Teststandort zu begnügen und mit dem möglichen Roll-out Zeit zu lassen."

Hier der Link zur Galerie: www.cafe-future.net/rewe

www.madebyrewe.com








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