Skandalträchtig

Biokräuter in NRW mit Desinfektionsmittel verunreinigt

Erneut hat NRW einen Lebensmittelskandal. In Kräutern und Gemüse ist der verbotene Desinfektionswirkstoff DDAC aufgetaucht, wie vom Umweltministerium in Düsseldorf bestätigt. Der Wirkstoff wurde in dem in Costa Rica hergestellten Pflanzenstärkungmittel ‚Vi-Care’ der US-amerikanischen Firma Citrex nachgewiesen, das auch für den Einsatz im Bio-Anbau zugelassen war und dort vielfach eingesetzt wurde. DDAC (Didecyldimethyl-Ammoniumchlorid) war darin aber nicht deklariert.

Im Juni war der Wirkstoff bei Eigenkontrollen eines Betriebes im niedersächsischen Papenburg entdeckt worden. Betroffen waren Kräuter und Rucola-Salat. Während die Behörden und Interessensorganisationen der Erzeuger unter Berufung auf das Bundesinstitut für Riskobewertung erklären, für Verbraucher bestehe keine Gefahr, wurde Vi-Care schon im Juni durch das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) vorsorglich aus dem Verkehr gezogen.

Bitter für die Erzeuger: Weil es für Lebensmittel keinen definierten Höchstwert für das als Wirkstoff in Pflanzenschutzmitteln nicht zugelassene DDAC gibt, tritt automatisch die Grenze von 0,01 mg pro kg in Kraft. Bei Überschreitung der zulässigen Höchstwerte müssen die betroffenen Produkte vernichtet werden. Aus aktuellem Anlass offenbar berät die EU darüber, den Höchstwert auf 0,5 mg/kg heraufzusetzen.

Gleichwohl wurden nach Angaben der Landwirtschaftskammer NRW wegen der Funde in den vergangenen Wochen bereits Millionen von Kräutertöpfen vernichtet. Da es zum Teil auf Kräuter spezialisierte Betriebe treffe, seien diese wirtschaftlich schwer belastet, sagte ein Sprecher. Für einige Betriebe sei der Vertriebsstopp existenzbedrohend, erklärte Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender des Bundes ökologische Lebensmittelwirtschaft (BVEO). Der Zusammenschluss 30 anerkannter Erzeugerorganisationen für Obst und Gemüse in Deutschland sowie zehn weiterer kleinerer mittelständischer Unternehmen will eine Sammelklage gegen die US-Herstellerfirma einreichen. "Allein die Biobranche hat Schäden in Millionenhöhe."

Offensichtlich sind darüber hinaus noch weitere Produkte betroffen. So wurde Presseberichten zufolge wegen Belastung mit DDAC kürzlich in Deutschland eine Schiffsladung Bananen aus der Dominikanischen Republik aus dem Verkehr genommen, weil die Bananen ebenfalls DDAC aufwiesen.

www.bveo.de

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