Public Viewing

Chance für Gastronomie

Was bleibt vom erneuten Fußball-Sommermärchen? Zumindest die Erkenntnis, dass Public Viewing bei sportlichen Großereignissen aus den deutschen Innenstädten und Biergärten nicht mehr wegzudenken ist. Aber wie lässt sich das Phänomen auch unabhängig von Welt- und Europameisterschaften nutzen? Thomas Aurich, Betreiber des Heilbronner Biergartens ’Food Court’ hat sich Gedanken gemacht und auch schon einige Ideen umgesetzt.
„Public Viewing funktioniert immer dann, wenn sich die Menschen hinter einem Kandidaten oder einer Mannschaft versammeln können“, so Aurich. „Mit einem solchen Event kann ich mein Geschäft ordentlich aufmischen und locker den dreifachen Tagesumsatz einfahren.“ Bestes Beispiel: Lena Meyer-Landrut. Als die Schülerin im Mai den Eurovision Song Contest gewann, drückten 600 Fans im Heilbronner Food Court die Daumen – trotz eher unwirtlicher Witterungsbedingungen. „Lena hat eingeschlagen wie eine Bombe“, freut sich Aurich.

Auch, weil sie viele weibliche Fans hat, wie Aurich analysiert: „Public Viewing ist definitiv ein Frauenthema“, so der Gastronom. „Sie sind emotional leichter abholbar und machen einfach Party. Bei der WM hatten wir etwa 1/3 Gäste, darunter viele Frauen, die die Leinwände gar nicht sehen konnten und trotzdem mitgejubelt haben, wenn ein Tor fiel. Denen ging es in erster Linie darum, sich schick zu stylen und gesehen zu werden.“

Zurzeit versucht Aurich, mit einer mehrteiligen Sommerkino-Reihe an die Public-Viewing-Erfolge des Frühsommers anzuknüpfen. Lernschritt: Die Zielgruppe 50+ ist schwerer vom heimischen Fernseher wegzubekommen als ein jüngeres Publikum. „Wir haben den Film ’Woodstock’ gezeigt - mit leider nur mäßigem Erfolg“, bedauert der Gastronom. „Und das, obwohl eine Umfrage gezeigt hat, dass die Heilbronner sehr an der Musik ihrer Jugend hängen.“

Mehr Zuspruch erhofft er sich von Filmen wie Coyote Ugly und The Rocky Horror Picture Show, die in den kommenden Wochen ein breiteres Alterspektrum in den Food Court locken sollen. „Die Altersgrenzen verschwimmen ohnehin.“ Für eine eventuelle Wiederaufnahme im nächsten Jahr würde Aurich dann auch mehr Frauenfilme aussuchen. „Wenn wir hier Sex and the City zeigen würden, wäre der Laden sicher voll! Und Frauen bestimmen heute, wo man(n) hingeht.“

Grundsätzlich hält Aurich Events, die im Fernsehen übertragen werden, für Public-Viewing-fähiger als Filme. Es gehe ums Mitfiebern, die gemeinsame Emotion, wie zum Beispiel bei Castings oder Talentshows. „Am liebsten würde ich Deutschland sucht den Superstar zeigen, aber das läuft ja leider immer im Winter.“

www.food-court.de


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