Konjunkturbericht Dehoga

Ende der wirtschaftlichen Eiszeit?

"Von jetzt an kann es nur noch bergauf gehen", mit diesen Worten beschreibt Ernst Fischer, der Präsident des Dehoga (Deutscher Hotel- und Gaststättenverband), Berlin, die wirtschaftliche Lage der Hotellerie und Gastronomie in Deutschland. Anlässlich des 1. Branchentages für das Gastgewerbe in Hamburg präsentierte Fischer vor über 400 Hoteliers und Gastronomen aus der ganzen Bundesrepublik die Ergebnisse der aktuellen Konjunkturbefragung des Verbandes. Vor dem Hintergrund der immer noch angespannten wirtschaftlichen Lage der Branche forderte Fischer von der Politik das Ende der fortwährenden Verbraucherirritation und mahnte deutliche Reformen am Arbeitsmarkt an. In schärfster Form wandte sich Fischer gegen eine Ausbildungsplatzabgabe. Hotellerie und Gastronomie hätten ihre Ausbildungsleistung in den vergangenen zehn Jahren um 50 Prozent gesteigert und könnten auf gewerkschaftlich initiierte Zwangsmaßnahmen gut verzichten. Der in Hamburg vorgestellte Konjunkturbericht, der auf einer bundesweiten Befragung von über 2.600 Unternehmern beruht, beschreibt für die gerade abgelaufene Sommersaison 2003, dass die wirtschaftliche Talsohle im Gastgewerbe erreicht scheint. Immer noch berichtet allerdings jeder zweite Unternehmer (54,1 Prozent) von gesunkenen Umsätzen in den Monaten April bis September. Auch wenn dies wesentlich weniger sind, als noch vor einem Jahr, macht ein durchschnittlicher Umsatzverlust von 6 Prozent deutlich, wie schlecht es um viele Betriebe in Hotellerie und Gastronomie steht. Für einen ersten Hoffnungsschimmer sorgen dem hingegen 23,4 Prozent der gastgewerblichen Unternehmer, die im Sommer 2003 ihre Erlössituation verbesserten. Hierzu zählen ohne Zweifel die Biergarten- und Terrassenwirte, denen der Traumsommer ein Umsatzplus von 15 Prozent bescherte. Aber auch die Hoteliers in den deutschen Feriengebieten konnten, trotz der absurden Sommerferienregelung, mehr Gäste als in den Vorjahren begrüßen. Auch wenn viele Menschen die Lust am Ausgehen und die Attraktivität eines Urlaubs im Heimatland neu entdeckt hätten, stehe den 250.000 Hoteliers und Gastronomen ein langer Aufstieg zurück auf den Gipfel des wirtschaftlichen Erfolges erst noch bevor, betonte Fischer. Der Grundstein für eine generelle Trendwende könne nur mit wirklich durchgreifenden Reformen und einer Netto-Entlastung der Bürger gelegt werden. "Die Menschen und Unternehmen brauchen schleunigst wieder Planungssicherheit und erwarten klare Strategien von der Politik, die dem Angstsparen in Deutschland Einhalt gebieten", so Fischer. Nur dann könne das Gastgewerbe auf ein Ende der wirtschaftlichen Eiszeit im bevorstehenden Winter setzen. Die Hoffnungen, dass dieser Wunsch in Erfüllung gehen könnte, nähren die in der Konjunkturbefragung geäußerten Erwartungen der Hoteliers und Gastronomen. Immerhin spekulieren 37,1 Prozent der Unternehmer auf gleichbleibende Umsätze, und knapp jeder fünfte geht von einer Belebung des Geschäftes und somit vermehrten Einnahmen in den Wintermonaten aus. Die Pläne der SPD zur Einführung einer Ausbildungsplatzabgabe bezeichnete Fischer in seiner Hamburger Rede als völlig kontraproduktiv. Ein solcher Schritt bringe nicht einen einzigen neuen Ausbildungsplatz, sondern erhöhe nur die Kosten und schaffe wieder einmal völlig unnötige Bürokratie. Mit derzeit über 92.000 Auszubildenden stellt das Gastgewerbe über sieben Prozent aller Ausbildungsplätze in Deutschland. Die Ausbildungsquote liegt in der Branche der Gastlichkeit mit 12,1 Prozent deutlich höher als in der gesamten übrigen Wirtschaft.


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