Accor

Ergebnissteigerung im 1. Halbjahr 2005 – Espalioux geht

Der französische Hotelkonzern Accor zeigt sich mit den Halbjahresergebnissen 2005 zufrieden. Alle Geschäftsbereiche entwickelten sich „ausgesprochen positiv“, erklärt das Unternehmen. So konnte das Ergebnis vor Steuern um 22,8 Prozent (bei konstantem Portfolio und bereinigt um Wechselkurseinflüsse um 26,1 Prozent) auf 230 Mio. Euro gesteigert werden. Das Nettoergebnis beläuft sich auf 156 Mio. Euro gegenüber 64 Mio. Euro im Vorjahr. Zurückzuführen sei der starke Anstieg insbesondere auf den Gewinn aus der Veräußerung von 128 Hotelimmobilien.



Zu den Daten in der Hotellerie: Die Luxus- und die Mittelklasse (36 Prozent des Gesamt-Ebitdar) verzeichnet ein kräftiges Wachstum. Das bereinigte operative Ergebnis stieg um 5,0 Prozent, die Umsatzrendite erhöhte sich um 0,6 Prozentpunkte. Als Gründe für diese positive Entwicklung nennt Accor die guten Ergebnisse in Frankreich, wo die Umsatzrendite infolge der Optimierung der durchschnittlichen Zimmerpreise gestiegen ist, sowie den erfreulichen Geschäftsverlauf in den USA.



Das Economy-Segment in Europa, das 25 Prozent des Gesamt-Ebitdar ausmacht, erzielte ebenfalls gute Ergebnisse, hauptsächlich weil in diesem Bereich die durchschnittlichen Zimmerraten angehoben werden konnten. Das bereinigte Ebitdar stieg hier um 6,0 Prozent, während die Umsatzrendite um 0,5 Prozentpunkte auf 34 Prozent zulegte. In den USA erhöhte sich das Ebitdar der Economy-Hotels (17 Prozent des Gesamt-Ebitdar) um 4,5 Prozent. Die Umsatzrendite blieb unverändert bei 33,9 Prozent. Dies sei, so Accor, im 1. Halbjahr auf die Entwicklung der Energiepreise und der Steigerung der Lohn- und Gehaltskosten in einigen Bereichen zurückzuführen. Das Unternehmen geht davon aus, die Rendite im 2. Halbjahr in diesem Segment wieder steigern zu können. Durch die Erschließung neuer Märkte in Europa und eine durchdachte Expansionspolitik konnte der Bereich Services (13 Prozent des Gesamt-Ebitdar) einen erheblichen Anstieg der Ergebnisse verzeichnen, so das Unternehmen weiter. Das vergleichbare Ebitdar wies ein Plus von 15 Prozent auf, wodurch die Umsatzrendite um 0,8 Prozentpunkte auf 40,1 Prozent angehoben wurde.



Positive Synergie-Effekte aufgrund der Übernahme von Protravel in Frankreich und Maritz in den USA sowie die positive Geschäftsentwicklung in Europa führten zu einer Erhöhung des vergleichbaren Ebitdar der Reisebüros (vier Prozent des Gesamt-Ebitdar) um 40 Prozent und einer Steigerung der Umsatzrendite um 3,2 Prozentpunkte.



Der Anstieg des Nettoergebnisses sei dem Verkauf von 128 Hotelbauten in Frankreich an Foncières des Murs (Gewinn: 109 Mio. Euro) zu verdanken. Im Zuge der Veräußerung wurden die Pachtverträge mit fixer Pacht in Verträge mit variabler Pacht ohne garantierten Mindestbetrag umgewandelt.



Auch das Sommergeschäft scheint vielversprechend. So entwickelten sich im Juli und August (kumulativ) der RevPar (Erlöse je verfügbarem Zimmer) positiv: Die Luxus- und Mittelklassehotels in Europa verbuchten ein Plus von 1,0 Prozent, die europäischen Economy-Hotels ein Plus von 2,8 Prozent und die US-amerikanischen Economy-Hotels ein Plus von 4,8 Prozent. Im Bereich Services stieg der Umsatz in den beiden Monaten um 14,5 Prozent.



Für den weiteren Verlauf des Geschäftsjahres 2005 plant das Unternehmen ein Ergebnis vor Steuern von 590 bis 610 Mio. Euro, was einem Plus von 15 bis 20 Prozent entspricht. Der Jahresüberschuss soll sich auf rund 300 Mio. Euro (ein Plus von 30 Prozent) belaufen. Im Rahmen der Immobilienpolitik der Gruppe - mit dem Ziel, die Ergebnisschwankungen zu mindern und die Gesamtkapitalrentabilität zu optimieren – hat Accor im 1. Halbjahr 2005 drei Programme gestartet:
  • Im Luxussegment wurden in den USA sechs Sofitel (2.000 Zimmer) zum Verkauf angeboten, wobei die Managementverträge und Minderheitsbeteiligungen bestehen bleiben.
  • In der Mittelklasse wurde ein Programm implementiert, das den Betrieb mit variabler Pacht unterstützt. Der erste Abschnitt betraf 128 Hotels, der zweite bezieht sich auf rund 80 Hotels in Europa, von denen die meisten zu 100 Prozent der Gruppe gehören.
  • In allen Segmenten wird das Portfolio weiterhin optimiert, entweder durch die Veräußerung nicht rentabler Häuser (hiervon waren 26 Hotels im 1. Halbjahr betroffen) oder den Betrieb von Hotels geringerer strategischer Bedeutung im Rahmen von Franchise-Verträgen. Bis Ende 2006 sollen noch 50 Hotels veräußert werden.
Stichwort Expansionen: Im Juni 2005 hat das 4.000ste Accor-Hotel seine Pforten geöffnet. Insgesamt sollen in diesem Jahr noch 200 Hotels (24.000 Zimmer) an den Start gehen. Mit dem von Colony Capital eingebrachten Kapital plant die Gruppe, den Hotelbestand bis zum Jahr 2009 um 1.000 auf 5.000 Hotels auszubauen.



Suche nach neuem Vorstandschef

Die Gerüchte der vergangenen Wochen haben sich bestätigt: Der Vertrag von Vorstandschef Jean-Marc Espalioux wird nicht verlängert. Damit wird Espalioux, der das Unternehmen fast neun Jahre leitete, sein Büro mit Auslaufen des Vertrages Mitte Januar nächsten Jahres räumen. Accor teilte mit, Jean-Marc Espalioux werde sich an der Suche nach einem geeigneten Nachfolger beteiligen.



Der Hotelmanager muss den Konzern trotz Erfolgs verlassen. So trug Espalioux maßgeblich dazu bei, die Gruppe zu modernisieren. Er habe die richtigen Entscheidungen getroffen, „um Accor in den schwierigen Jahren nach dem 11. September 2001 wieder auf einen soliden Wachstumspfad zu lenken, die Rentabilität zu verbessern und die Expansion der Gruppe zu fördern“, ließ sein jetziger Arbeitgeber verkünden.



Gerüchten zufolge sollen die beiden Unternehmensgründer Paul Dubrule und Gérard Pélisson, die immer noch an Accor beteiligt sind, dem Vorstandschef mangelnde Aggressivität und Durchsetzungsvermögen gegenüber Investoren vorwerfen. Branchenexperten hingegen loben Espalioux immer wieder für seine Leistungen. Die am 7. September vorgestellten Halbjahreszahlen (s. oben) bestätigen dies.

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