Hotelmarktstudie Jones Lang LaSalle Hotels

Erholung in Sicht

Wenn die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen stimmen, wird sich der deutsche Hotelmarkt 2006 weiter erholen – vor allem durch steigende Nachfrage aus dem Ausland. Zu diesem Ergebnis kommt das Beratungsunternehmen Jones Lang LaSalle Hotels in seiner jüngsten Studie. Zu einer ähnlichen Einschätzung war bereits im März dieses Jahres der Hotelverband Deutschland (IHA) gekommen. IHA-Vorsitzender Fritz G. Dreesen prognostizierte damals für 2006 eine 3-prozentige Steigerung der Zimmerauslastung bei leicht anziehenden Preisen. Nach Angaben der IHA lag die durchschnittliche Zimmerauslastung aller Hotels im Jahr 2005 bei 61,5 Prozent, der durchschnittliche Zimmerpreis bei 81 Euro und der Zimmerertrag (Room Yield oder RevPar) bei 50 Euro.



In ihrer Studie untersuchten die Frankfurter Hotelmarktexperten in sechs deutschen Städten (Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Köln und München) die Entwicklung von Belegung, Zimmerpreisen und Room Yield speziell in der 4- und 5-Sterne-Hotellerie.



Bei den Übernachtungen bleibt Berlin das Maß aller Dinge. Im Vergleich mit anderen deutschen Städten zählte die Spreemetropole im vergangenen Jahr die meisten Übernachtungen (14,6 Mio.). Abgeschlagen folgten München (7,9 Mio.), Hamburg (6,4 Mio.), Frankfurt (4,6 Mio.), Köln (4,2 Mio.) und Düsseldorf (2,7 Mio.). Im europäischen Vergleich verblassen allerdings die deutschen Zahlenwerte: London kam im vergangenen Jahr auf mehr als 100 Mio. Übernachtungen, in Paris waren 33,6 Mio. „Keine andere europäische Stadt kommt auch nur annähernd an diese Größenordnungen heran“, sagte der Deutschland-Leiter von Jones Lang LaSalle Hotels, Jürgen Baurmann, bei der Vorstellung der Studie am 27. April in Berlin.



Beim Room Yield (Logisumsatz pro verfügbarem Zimmer) sieht der deutsche Markt anders aus: Reichte es für Köln, Frankfurt und Hamburg 2005 zu einem Plus, mussten München, Berlin und Düsseldorf bei dieser Kennziffer Einbußen hinnehmen. Während Hamburg bei der Belegung mit 70,6 Prozent den höchsten Wert erzielte, hatte Berlin beim Zimmerpreis mit 127,44 Euro die Nase vorn. Köln erwies sich im Einjahresvergleich als stärkster Wachstumsmarkt mit einem Plus von 7,4 Prozent im Room Yield.



Bei der durchschnittlichen Belegung in den 4- und 5-Sterne Hotels konnten vier der sechs untersuchten deutschen Hotelmärkte leicht (0,9 Prozentpunkte) bis mittelstark (4,1 Prozentpunkte) zulegen. Die 70-Prozent-Hürde genommen hat allerdings nur Hamburg, München lag knapp darunter. Bereits in den vergangenen Jahren wiesen diese beiden Städte die höchste Belegung auf. Baurmann zu den Gründen: „Hamburg und München sind attraktive Wochenenddestinationen und leiden nicht unter Überkapazitäten.“ Ergebnis ist eine solide Auslastungsrate. Von der fast 79-prozentigen Auslastung des europäischen Spitzenreiters Amsterdam können die deutschen Hoteliers jedoch nur träumen.



Und Berlin? Die 4- und 5-Sterne- Hotels der Bundeshauptstadt nehmen in der Belegungsstatistik mit durchschnittlich 61,8 Prozent den letzten Platz ein. Zwar sei die Nachfrage in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen, aber parallel dazu auch das Angebot, sagte Baurmann. Profitiert von den Überkapazitäten in Berlin haben auf der der Nachfrageseite vorwiegend die Hotels der Budget- und Mittelklasse. Optimistisch stimmt die deutsche Hotellerie vor allem die Nachfrage aus dem Ausland. Zwar kamen die Hotels an Spree, Elbe und Isar auch hier nicht an die Zahlen anderer europäischer Städte wie Paris (65 Prozent) oder London (71 Prozent) heran, doch positionierten sich vor allem Frankfurt (50 Prozent) und München (45 Prozent) beachtlich. Düsseldorf kommt auf einen Anteil von 40,4 Prozent. Köln (34,6 Prozent), Berlin (34,64 Prozent) und Hamburg (20 Prozent) folgen auf den Plätzen.



Die gestiegene ausländische Nachfrage basiert auf sehr hohen Wachstumsraten einiger Länder. So legte beispielsweise in Berlin die Zahl der



Hotelgäste aus Spanien um 51,8 Prozent zu. Aber auch die wichtigsten Quellenländer wie Großbritannien (12 Prozent) oder USA (10 Prozent) kamen auf ein Plus von immerhin 19 Prozent beziehungsweise 17,1 Prozent. Kurzfristig erhoffen sich Hoteliers durch die Fußball-Weltmeisterschaft eine verstärkte Nachfrage sowie die Chance, höhere Zimmerpreise zu realisieren. Nach Prognose der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT) wird die WM etwa 1 Mio. ausländischer Gäste zusätzlich ins Land locken, aber – laut DZT – nur mit einem Plus im Übernachtungsvolumen von 1,7 Prozent.

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