Eurest

Es wurde ein fairer Preis verhandelt

Ganz im Zeichen der Übernahme der HSG Höchst Service Gastronomie GmbH stand die Jahrespressekonferenz der Compass Group. Immerhin hat das unter der Leitung von Klaus Fritz stehende Verpflegungsunternehmen einen Umsatz von rund 40,0 Mio. DM vorzuweisen. Für Compass mit der Dachmarke Eurest der größte Deal auf deutschem Boden, noch dazu in einem großen Industrieunternehmen, das seine Mitarbeiterverpflegung erst vor vier Jahren in eine Service GmbH auslagerte.

Das konnte und wollte sich Compass-CEO Michael Bailey nicht entgehen lassen: Akquisitions-Premiere im Industriepark Frankfurt-Höchst. Ein deutscher Großkonzern, noch dazu klassischer Eigenregieler, vergibt den kompletten Wirtschaftsbereich. Und HSG-Geschäftsführer Klaus Fritz liefert vor der versammelten Fachpresse die Gründe nach: "Wir hätten keine Chance gehabt, in der alten Struktur weiter zu existieren." Dabei ist die HSG mit ihren 185 Mitarbeitern gerade vier Jahre jung. Er habe die Zeit genutzt, so Fritz weiter, aus der HSG ein Unternehmen mit gutem Betriebsergebnis zu machen, doch die Potenziale seien jetzt ausgeschöpft.

Die 75-Prozent-Akquisition der deutschen Compass-Tochter, 25 Prozent hat für eine Übergangszeit die InfraServ Höchst KG erworben, steht zwar noch unter Vorbehalt der Zustimmung des Kartellamtes, aber die ist reine Formsache. Zur "Infill-Akquisition" gehören drei Restaurants, diverse Shops, der Snackbereich, ein Snackmobil und 160 Automaten. Dr. Hans-Georg Rummler, Chef der deutschen Compass-Group, spricht von einem "Know- how-Transfer" und freut sich, "einen starken Partner wie die HSG für unser Unternehmen zu gewinnen. Es wurde ein fairer Preis verhandelt."

Von den 60 Firmen am Standort werde nur ein Viertel der Mitarbeiter erreicht. "Wir wollen den Standort ausbauen." Fritz, der die HSG weiter führen soll, ergänzt die Argumentationskette seines neuen Chefs: "Durch die Kooperation mit dem Branchenführer wird es für uns einfacher sein, moderne Marken und international erfolgreiche Speisenangebote im Industriepark zu verwirklichen."

Für Eurest hat dieser plötzliche Übernahmeerfolg strategische Bedeutung. O-Ton Rummler: "Der Markt der Service-Gesellschaften ist für uns ein Wachstumsmarkt. Es macht keinen Sinn, wenn Automobilbauer Catering betreiben. Die sollen Autos bauen." Der deutsche Statthalter von Compass verspricht bei jeder Übernahme jährliche Kosteneinsparungen, bessere Kostentransparenz, steigende Angebotsvielfalt und Steigerung des Niveaus der Verpflegung.

Welche Unternehmen auf der Wunschliste stehen, lässt Rummler nicht verlauten. Insgesamt hoffe man, auch weiterhin zur Wertsteigerung der gesamten Gruppe beitragen zu können. Und nun zum abgelaufenen Jahr: "Mit einem Umsatz von über eine Milliarde Mark haben wir unsere Spitzenposition unter den deutschen Catering-Unternehmen behaupten können", freut sich Dr. Hans-Georg Rummler. Das abgelaufenen Jahr bezeichnete er als ein "Jahr außergewöhnlicher Verträge". Der Gesamtumsatz beläuft sich auf 1.009,0 Mrd. DM, die 11.000 Mitarbeiter bei 900 Kunden erwirtschafteten.

Eurest (9.000 Mitarbeiter) trug zum Gesamtergebnis 833,0 Mio. DM bei. Das Neukundengeschäft lag bei 64,0 Mio. DM, darunter waren so bekannte Namen wie Burda, Viag Interkom oder die Metallgesellschaft. Herausragend auch die Kooperation mit den Volkswagen-Wirtschaftsbetrieben im Bereich Cook & Chill sowie die Übernahme der kompletten Verpflegung der Mitarbeiter an 27 Standorten der Metallgesellschaft bundesweit mit einem Auftragsvolumen von knapp 20,0 Mio. DM. Der Eurest-Kundenstamm umfasst rund 800 Firmen. Für das laufende Jahr erwartet Eurest Zuwächse von 95,0 Mio. DM, davon wurden allein durch HSG und das Stadioncatering des VfB Stuttgart 48,0 Mio. DM schon realisiert.

Compass Group
Umsatz 99/00
in Mio. DM
Mitarbeiter
99/00
Compass Group PLC 22.000,0 250.000
Compass Group Deutschland GmbH 1.000,0 11.000
Eurest Deutschland GmbH 833,0 9.000
CCS Clinic Catering Service GmbH 170,0 2.000
Select Service Partner
Restauration GmbH
6,0 65

CCS Clinic Catering Service (1.800 Mitarbeiter) erzielte 170,0 Mio. DM Umsatz, was nach dem Rückgang im letzten Jahr von 10,0 Mio. DM wieder dem 98er Ergebnis entspricht. Das Unternehmen betreut rund 100 Häuser. CCS schloss sich Anfang diesen Jahres mit fünf evangelischen Krankenhäusern in Berlin zu einer Servicegesellschaft zusammen. O-Ton Rummler: "Für die Catering-Branche sehen wir das Segment Klinik + Heim als großen Wachstumsmarkt, der erst zu neun Prozent an Caterer vergeben ist."

Select Service Partner Restauration (SSP) erzielte 6,0 Mio. DM. Das Unternehmen konzentriert sich auf Verkehrs- und Freizeitgastronomie. Darüber hinaus bietet SSP nicht nur Gastronomie-Konzepte, sondern auch ein breites Spektrum an Eigen-Marken wie StopGap, Upper Crust oder Ritazza. Im laufenden Jahr soll der Umsatz verdoppelt werden.

Maßnahmen im Industriepark
  1. Know-how-Transfer
  2. Fokussierung des "Verkäufers" aufs Kerngeschäft
  3. Transfer Best-Practise
  4. Optimierung der bestehenden Foodservice-Einrichtungen
  5. Einführung von Brands
  6. Kostenoptimierung durch Nutzung von Synergien
  7. Erhöhte Auslastung vorhandener Kapazitäten durch Nutzung der starken Eurest Präsenz im Rhein-Main-Gebiet (120 Kunden)
  8. Gute Karrieremöglichkeiten für HSG-Mitarbeiter dank globalem Catering-Netzwerk

Ein Blick in die internationale Referenzliste bestätigt die globale Erfolgsstory der Gruppe. Zu den Kunden zählen namhafte Unternehmen wie IBM, Philips oder Ford. Die Compass-Spitze sieht gute Zeiten für Caterer heranbrechen. Compass-Vorstandsvorsitzender Michael Bailey: "Wir haben in den letzten sieben Jahren eine Umsatzsteigerung von jährlich sieben bis acht Prozent durch organisches Wachstum und Akquisitionen erzielt." Der Konzern sieht sich mit 22,0 Mrd. DM Umsatz und 250.000 Mitarbeitern in 80 Ländern als Branchenprimus. Deutliche Umsatzschübe brachten die letzen beiden Akquisitionen Morrison, Nummer 2 im amerikanischen Healthcare-Markt (475 Kunden), und Selecta, europäischer Marktführer in der Automatenverpflegung.

Rummler zu den weiteren Plänen der Markenstrategie: "Derzeit untersuchen wir die betreffenden Kosten- und Produktionsstrukturen, um neue Angebotsformen zu entwickeln." Die Flexibilisierung der Beschäftigungszeiten erfordere neue Lösungen. "Unser strategischer Fokus liegt auf mehr Kundenbindung. Wir sind optimistisch, eine Basis für langfristige Verträge zu schaffen", so der Unternehmens-Chef abschließend. (Smi)

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