Fußball-WM der Frauen

Euphorie beim Gastro-Public Viewing wächst

'Sommermärchen (light)' oder doch nur künstlich hochgepushter Medienhype? Die Fußball-WM der Frauen ist in Funk und Fernsehen, auf Plakatwänden und Online-Portalen allgegenwärtig. Aber ziehen die Fans auch mit, sprich: Ist die Euphorie vergleichbar mit den großen Männer-Turnieren und ist Public Viewing in der Gastronomie auch bei diesem Event ein Thema? Wir haben nachgefragt:  
"Ganz so wild wie bei den Männern geht es in diesem Jahr beim Public Viewing nicht zu", räumt André Hollenbenders vom Biergarten am Chinesischen Turm in München ein. Dennoch kann sich die Stimmung im Englischen Garten sehen lassen: "Wir zeigen alle Spiele auf einer der größten Leinwände Münchens, je nach Wetterlage wird das Angebot gut angenommen", berichtet Hollenbenders. Vor allem das letzte Gruppenspiel der deutschen Mannschaft wollten sich viele Fans nicht entgehen lassen: "Bei den ersten Spielen kamen etwa 2.000 Fans in Deutschland-Outfit, am Dienstag waren es bei deutlich schönerem Wetter dann bis zu 3.500." Das Publikum? "Kunterbunt, viele Frauen, allerdings wegen des späten Anpfiffs eher weniger Familien", so die Beobachtung.

Die Übertragung der Fußball-WM sei ein Herzenswunsch von Betreiberin Antje Schneider gewesen, verrät Hollenbenders. "Sie wollte unbedingt Frauenpower demonstrieren und das deutsche Team unterstützen." Das Angebot zum Public Viewing sei in der bayrischen Landeshauptstadt überschaubar, man habe außerdem großen Werbeaufwand betrieben, um auf die Möglichkeit am Chinesischen Turm hinzuweisen. "Wir sind sehr zufrieden mit der Resonanz, schließlich wusste keiner, ob wirklich eine Nachfrage bestehen würde", sagt Hollenbenders, der übrigens einen überdurchschnittlichen Umsatzanteil von 'Frauengetränken' wie 'Aperol Spritz' und 'Hugo' während der Spiele registriert. 

Auch im hohen Norden sorgt das Team von Bundestrainerin Silvia Neid für Umsatzzuwächse in der Gastronomie - zumindest im Herzblut auf St. Pauli, wo die Spiele mit deutscher Beteiligung sowie die Halbfinals und das Finale auf drei gut sichtbaren Bildschirmen gezeigt werden. "Der Zuspruch unserer Gäste lässt sich in etwa mit der Handball-WM der Herren vergleichen", resümiert Geschäftsführer Dirk Kreuzer. "Und die Begeisterung steigt mit zunehmendem Erfolg des deutschen Teams." Im Gegensatz zum Männer-Fußball, wo rund 70 % der Gäste in Fan-Kluft erschienen, seien es beim Frauenturnier jedoch nur etwa 30 %. Und: "Obwohl - oder gerade weil - wir ein feminines Konzept mit hohem Frauenanteil sind, kommen auch erstaunlich viele Männer zu den Spielen", beobachtet Kreuzer. 

An Wochentagen bescheren die Spiele ihm ein schönes Gäste-Plus, heikler dagegen sind die Spiele am Wochenende. "Samstags sind wir mit rund 500 Restaurantbesuchern ohnehin mehr als ausgebucht. Deswegen müssen wir eine Gratwanderung absolvieren, damit überbordender Fan-Jubel die Gäste, die zum Essen kommen, nicht stört. Die Erfahrung zeigt jedoch: Bei der Frauen-Fußball-WM sind unsere Gäste diesbezüglich tolerant." Dass das Interesse am Public Viewing im Herzblut steigt, registriert der Gastronom übrigens auch auf Facebook. "Hier kamen bereits erste Anfragen, ob wir das Spiel am Samstag übertragen - was wir natürlich tun."

www.chinaturm.de
www.herzblut-st-pauli.de


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